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Rinteln Stadt Rintelner Ratsherr Sasse: „Keine Asylanten“ in Wohnung
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Rintelner Ratsherr Sasse: „Keine Asylanten“ in Wohnung
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11:42 24.07.2019
Quelle: Symbolbild, dpa
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Rinteln

Die Wohnungsanzeige auf einem beliebten Online-Wohnungsportal ist nicht lang, doch sie sorgt für Aufsehen: Eine Wohnung in Osnabrück soll vermietet werden, zwölf Bilder zur Ansicht wurden angehängt, und als knappe Beschreibung steht in der Kopfzeile: „Keine Asylanten! 1-Zi-Apart m Kü & Bad 3.OG für Singles gern älter. Nur seriöse Mieter!!“

Was Wellen schlägt, fällt natürlich sofort ins Auge: die explizite Formulierung „keine Asylanten“. Aufgegeben hat die Annonce kein Unbekannter in Rinteln, sondern Heinrich Sasse, der für die WGS im Rintelner Rat sitzt und als Rechtsanwalt arbeitet. Was ihn dazu bewogen hat, eine Wohnungsanzeige so zu formulieren, will Sasse auf Anfrage dieser Zeitung nicht erörtern: Er wolle den Sachverhalt nicht weiter kommentieren, sagt er – merklich kurz angebunden – am Telefon.

Osnabrücker Zeitung und der Westen greifen auf

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) hat den Sachverhalt in einem langen Artikel inklusive Kommentar aufgegriffen, ebenso kurze Zeit später das Online-Nachrichtenportal „Der Westen“.

Gegenüber der NOZ ordnet Christopher Cheeseman vom Exilverein, dem Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge, diese Formulierung klar als diskriminierend ein: Allein das Wort „Asylant“ sei diskriminierend. Und: „Leider ist Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt kein Einzelfall. Der Markt an bezahlbaren Wohnung ist ohnehin hart umkämpft.“

Erinnert an Hamelner Fall

Das Ganze erinnert an den Fall einer Hamelnerin mit Sinti-Wurzeln, den die Dewezet im Frühjahr dieses Jahres öffentlich gemacht hatte. Die Wohnungsgenossenschaft Hameln hatte der 68-Jährigen versehentlich ein Schreiben inklusive eines internen Aktenvermerkts zugestellt, in dem es hieß: „1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten!“.

Im Jahr 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten, das den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen oder ethnischen Gründen, wegen des Geschlechts, des Alters, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität durch Privatleute – wie Arbeitgeber oder Vermieter – regelt. Seitdem sind in der Antidiskriminierungsstelle in Berlin etwa 600 Anfragen wegen rassistischen Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt eingegangen, erläuterte ein Sprecher gegenüber der NOZ.

Anzeige gelöscht

Das Immobilienportal hat die Anzeige inzwischen gelöscht. Ein Unternehmenssprecher sagte dazu gegenüber der Zeitung: „Diskriminierungen sind von Natur aus nie seriös und entsprechend werden solche Inserate gelöscht, sobald wir sie erkennen oder auf sie aufmerksam gemacht werden.“

von Marieluise Denecke