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Rinteln Stadt Rintelns Protest zeigt Wirkung
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Rintelns Protest zeigt Wirkung
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20:33 26.03.2019
Quelle: Symbolbild dpa
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Rinteln

Der Protest hat gefruchtet: In Rintelns Waldkindergärten könnte sich tatsächlich bald etwas zum Positiven für Eltern und Kinder verändern. Das gab die Verwaltung jetzt im Sozialausschuss bekannt. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat für die Waldkindergärten der Weserstadt „Einzelfalllösungen“ in Aussicht gestellt.

Dies geschah in Reaktion auf einen Brief, den Bürgermeister Thomas Priemer Ende vergangenen Jahres an Tonne verfasst hatte, um die Situation der Einrichtungen zu kritisieren. Denn diese tragen in Niedersachsen immer noch den Status des Modellprojekts. Das hat Folgen: Einrichtungen müssen strenge Vorgaben erfüllen, die Betreuungszeiten sind limitiert (wir berichteten). Außerdem dürfen keine zwei Einrichtungen direkt nebeneinanderliegen – schwierig, wenn eine Kommune einen weiteren Kindergarten eröffnen will, um dem Elternwunsch entgegenzukommen. Im Frühling vergangenen Jahres standen in Rinteln elf Kinder auf der Warteliste.

Worauf diese „Einzelfalllösung“ genau hinauslaufen wird, steht derzeit noch nicht fest. Die Verwaltung wird nun gemeinsam mit dem Kultusministerium die Rahmenbedingungen abstimmen, unter denen das Betreuungsangebot in den waldpädagogischen Einrichtungen erweitert werden kann. Ob das auf einen dritten Standort hinauslaufen wird, ist möglich, aber nicht zwingend. Ebenso könnten die Betreuungszeiten verlängert und mehr Personal eingestellt werden, war im Sozialausschuss zu hören.

Angesichts dessen rechnet die Verwaltung mit Personalkosten in Höhe von knapp 87.000 Euro pro Jahr sowie einmaligen Kosten in Höhe von etwa 50.000 Euro für einen neuen oder gebrauchten Bauwagen, den die Kinder bei schlechtem Wetter nutzen. Hinzu kommen eventuelle Erschließungskosten für das Grundstück sowie Unterhaltungs- und Nebenkosten.

Die Stadt hofft jedoch auf Synergieeffekte. Sollte das Land Niedersachsen zum Beispiel erlauben, dass zwei unterschiedliche Waldkindergärten den Bauwagen und das Büro der Leitung gemeinsam nutzen können, würden sich die Kosten reduzieren.

Inzwischen in anderen Einrichtungen

Die elf Kinder auf der Warteliste sind inzwischen übrigens in anderen Einrichtungen untergekommen oder deren Platz hat sich durch Wegzug der Familie erledigt, so die Verwaltung. In manchen Fällen habe die Entscheidung für einen Ganztagsplatz eine Rolle gespielt; den können Waldkindergärten wegen Vorgaben des Landes derzeit (noch) nicht anbieten.

Doch obwohl durch diese Änderung derzeit formell kein Bedarf für eine dritte Einrichtung in Rinteln bestehe, wolle die Stadt an dem Prozess festhalten, den sie angestoßen habe. Die Verwaltung wolle so „auf künftige Bedarfe vorbereitet sein“.

„Der Bedarf ist weiter da“, mahnte auch Ausschussmitglied Dieter Horn (SPD) davor, die Bemühungen einzustellen. Auch von den elf Kindern, die nun in anderen Einrichtungen untergekommen seien, gebe es bestimmt weiterhin einige, die gerne einen Waldkindergarten besuchen würden.

Mit der Entwicklung zeigte sich Bürgermeister Thomas Priemer zufrieden: „Es wird eine Art ‚Lex Rinteln‘ geben.“ Auch wenn eigentlich die Losung gelten müsse, dass, wenn Änderungen in einer Kommune zugelassen werden, diese Änderungen dann in allen niedersächsischen Waldkindergärten gelten müssten.

mld