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Rinteln Stadt Schaumburger Betriebe finden keine geeigneten Azubi
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Schaumburger Betriebe finden keine geeigneten Azubi
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22:18 13.08.2019
Viele Handwerksbetriebe in Schaumburg haben kein Glück mit Bewerbern.  Quelle: dpa
Rinteln

Für manche dieser Stellen kann man sich auch jetzt noch bewerben, obwohl die Ausbildungen offiziell immer am 1. August starten. Bis zum Berufsschulbeginn, mit offiziellem Datum zum 1. September, bestehen für Spätentschlossene hier und da noch Chancen. Die meisten Rintelner Betriebe selbst machen sich da aber keine großen Hoffnungen.

Schocks Erfahrung ist, dass er oft viel zu viel Energie in den Erfolg seines Lehrlings stecken müsse. Was nütze es, wenn jemand handwerklich vielleicht gute Anlagen besitze, aber die schulischen Regeln nicht ernst genug nehme, Berichte nicht abgebe und durch diese Nachlässigkeiten scheitern müsse. Ein bisschen lenkt er dann doch ein: „Wenn sich noch jemand rechtzeitig bewirbt, der uns richtig überzeugen kann, dann würden wir vielleicht noch einmal gucken.“

Auch Vera Lohmann von Fenster- und Wintergartenbau Lohmann zeigt sich ziemlich ernüchtert. Sie hätten sich sehr für einen Lehrling eingesetzt und ihm sogar einen Platz an den Berufsbildenden Schulen (BBS) für das Berufsvorbereitungsjahr besorgt. Dafür habe ein anderer Schüler eine Absage erhalten, weil die Klasse nun voll war. „Und dann springt er im letzten Moment ab und hat doch keine Lust mehr.“

Keine geeigneten Bewerber

Firma Lohmann hätte gern einen Lehrling gehabt, schreibt für nächstes Jahr auch wieder eine Stelle aus. „Wir brauchen möglichst jemanden, der sein berufsvorbereitendes Jahr mit den entsprechenden Lehrgängen schon absolviert hat“, sagt sie. Sonst müssten die Ausbilder die kostspieligen Lehrgänge finanzieren, das Risiko sei einfach zu groß. „Wir haben immerhin Glück mit einem sehr guten Gesellen, den wir übernehmen konnten.“

Schultheiß Haustechnik musste für dieses Jahr ebenfalls auf einen neuen Azubi verzichten. Es sei einfach keine geeignete Person unter den Bewerbern gewesen. Sie hätten sich sogar von ihrem letzten Lehrling trennen müssen, so Andreas Schultheiß. Er sei froh, dass er aktuell drei sehr gute Auszubildende beschäftigen könne. „Die sind schon etwas älter, denen muss man nicht alles hinterhertragen, mit denen macht es richtig Spaß.“ Bewerbungen seien bei ihm auch noch in diesem Jahr möglich. „Aber da sehen wir dann ganz genau hin.“

Die jungen Leute machen kaum noch handwerkliche Erfahrungen in ihrem Alltag.

Jörg Sasse , Eckel-Elektronik

Jörg Sasse hat für seine Firma Eckel-Elektronik „mit viel Glück“ zwei geeignete Lehrlinge gefunden. Es habe eine Reihe von Bewerbern gegeben, von denen man die allermeisten zurückweisen musste. „Die jungen Leute machen kaum noch handwerkliche Erfahrungen in ihrem Alltag“, meint Sasse. Seine beiden Azubis hätten zuvor ein Praktikum gemacht, da habe er einigermaßen wissen können, worauf man sich einlasse.

Selbst im nicht handwerklich, sondern kaufmännisch orientierten Raiffeisen-Landbund Rinteln sei erst im letzten Moment ein Azubi gefunden worden, der unglücklich gewesen sei mit seiner Stelle in der Gastronomie und sich noch rechtzeitig umentschieden habe, teilt das Unternehmen mit. Genau so einen Fall hätten sie schon einmal gehabt. Jetzt seien aber alle Ausbildungsplätze besetzt.

Wer noch eine Lehrstelle zum 1. September sucht, kann sich in den vielen Stellenportalen online umsehen – darunter auch das Ausbildungsportal der Stadt Rinteln. Ein Hindernis dabei: Oft stehen dort noch Angebote, die längst nicht mehr gelten. Unsere Umfrage unter Rintelner Betrieben zeigt aber, dass man es auch mit Initiativ-Bewerbungen versuchen kann.

Von Cornelia Kurth

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