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Rinteln Stadt Schüler überfallen und bedroht: 18- und 36-jährige Rintelner vor Gericht
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Schüler überfallen und bedroht: 18- und 36-jährige Rintelner vor Gericht
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19:43 27.08.2019
Der Prozess nach dem Raubüberfall an der Weser ist jetzt gestartet.  Quelle: Symbolbild, dpa
Rinteln/Bückeburg

An der Weser sollen zwei Männer, 18 und 36 Jahre alt, einen Schüler (17) aus Rinteln überfallen und seiner Wertsachen beraubt haben.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bückeburg wurde das Opfer an jenem 18. Februar von beiden geschlagen, vom älteren Täter zudem mit einem Messer bedroht. Die Beute hatte demnach einen Wert von rund 200 Euro: Bluetooth-Lautsprecher, ein Handy, eine E-Shisha, ein Feuerzeug.

Unter Vorwand zum Tatort gelockt

Staatsanwalt André Lüth wirft den Angeklagten unter anderem räuberische Erpressung vor, ein Verbrechen. Lüth geht davon aus, dass der 17-Jährige unter einem Vorwand zum späteren Tatort gelockt worden ist und auf einer etwas abgelegenen Bank an der Dankerser Straße wartete. Unklar erscheint das Motiv. Zum Prozessauftakt vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht in Bückeburg haben Täter und Opfer dazu unterschiedliche Angaben gemacht.

„Er wollte Rache nehmen“, glaubt der ausgeraubte Schüler, der Prellungen und Hämatome im Gesicht sowie aufgeplatzte Lippen erlitten hatte. Mit „er“ ist der jüngere Mann gemeint. „Ich habe ihn schon ein- oder zweimal bei der Polizei gemeldet wegen seiner Taten“, so der 17-Jährige zur Begründung. Von Drogen ist dabei die Rede. „Vor Gericht habe ich auch schon gegen ihn ausgesagt.“

Eltern des Angeklagten bedroht

Der jüngere Angeklagte behauptet, er habe mit dem Schüler damals nur reden wollen, nachdem dieser gedroht habe, „er würde zu mir nach Hause kommen und meine Familie abstechen“. An der Weser „habe ich gefragt, was die Scheiße soll, ihm eine etwas dollere Backpfeife gegeben und dann noch eine.“

Im Prozess muss sich der 18 Jahre alte Rintelner die Frage von Richter Norbert Kütemeyer gefallen lassen, warum er gleich zuschlage, wenn er nur reden wolle. Der überfallene Schüler bestreitet gar nicht, dass er gedroht habe, die Eltern des jüngeren Angeklagten zu töten. „Eine blöde Aktion von mir“, räumt er ein. „Das war in einer Zeit, als ich ein ziemlich schlechter Mensch war.“

Vor der Tat zwei Tage nicht geschlafen

Zurück zum Tag der Tat: Der ältere Angeklagte, seinerzeit ohne festen Wohnsitz, soll das Opfer an jenem Montag gegen 19 Uhr nicht nur geschlagen, sondern dem 17-Jährigen außerdem ein Messer vor den Bauch und danach an den Hals gehalten haben, worauf der Schüler seine Wertsachen rausrückte. Er behauptet, dass das Opfer Schulden bei dem 18-Jährigen hatte, die dadurch beglichen werden sollten. „Als ich sah, dass es zwischen den beiden ausartete, bin ich radikal dazwischengegangen“, erinnert sich der 36-Jährige. An dem Tag will er schon früh angefangen haben, Alkohol zu trinken. „Zuvor hatte ich eine Session mit Amphetamin, zwei Tage durchgemacht und nicht geschlafen.“

Prozess wird fortgesetzt

Übrigens will der jüngere Angeklagte zwischenzeitlich eingesehen haben, „dass der Weg, den er eingeschlagen hat, gegen die Wand führt“, wie es in einer Erklärung der Verteidigung heißt. Am 18. Februar will der 18-Jährige „extrem geschockt“ gewesen sein, „denn ich habe nicht damit gerechnet, dass ein Messer ins Spiel kommt.“ Den anderen Mann habe er „nicht aufgefordert, mitzukommen.“

Von dem Älteren wollte Staatsanwalt Lüth wissen, warum er seine Probleme auf diese Art löse. Antwort: „Das sind halt andere Kreise. Aber ich bin keiner, der durch die Straßen läuft und Leute für fünf Euro verprügelt. Da muss schon richtig viel passieren.“ Der Prozess wird fortgesetzt. ly