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Rinteln Stadt Schüler untersuchen Schadstoffe im Wasser
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21:20 21.05.2018
Manuel Schäffer und Nele Baake haben den zweiten Platz beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb belegt. Sie haben nachgewiesen, welchen Effekt Wasser aus PET-Flaschen haben kann.
Manuel Schäffer und Nele Baake haben den zweiten Platz beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb belegt. Sie haben nachgewiesen, welchen Effekt Wasser aus PET-Flaschen haben kann. Quelle: mld
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Rinteln/Hannover

„Wir dachten, das wäre ein kleines Projekt“, erzählt Baake in der Bibliothek ihrer Schule, dem Gymnasium Ernestinum. Die Begeisterung für ihr Projekt ist den beiden 17-Jährigen anzumerken.

Alles begann mit einer kleinen Aufgabe im Biologie-Anwenderkurs, geleitet von Lehrer Christoph Ochs. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich ein Experiment ausdenken und darüber Protokoll führen. Manuel Schäffer und Nele Baake wollten etwas zu Mineralwasser aus Plastikflaschen machen. Gehört hat man das schon: Dass der thermoplastische Kunststoff Polyethylenterephthalat, kurz PET, aus dem viele Getränkeflaschen bestehen, noch nicht so gut erforscht ist.

Wasser aus PET-Flasche, die in der Sonne stand, schmeckt komisch

Was jeder merkt: Wenn eine PET-Flasche in der Sonne stehen bleibt, dann riecht und schmeckt das Wasser darin komisch. „Auf den Flaschen steht meist: ‚Vor Sonne schützen‘ und ‚An einem kühlen Ort lagern‘“, sagt Baake. „Wir wollten herausfinden, was passiert, wenn wir die Flaschen der Sonne aussetzen“, erläutert Schäffer.

Also pflanzten sie Kressesamen in unterschiedliche Töpfe und gossen je einen Topf mit Wasser aus PET-Flaschen, die kühl gelagert wurden, Wasser aus Flaschen, die in der Sonne standen sowie aus Glasflaschen, die ebenfalls je einmal warm und einmal kühl gelagert wurden. Dieses Experiment wiederholten die Elftklässler dreimal unter gleichen Bedingungen sowie mit unterschiedlichen Kohlensäuregehalten.

„Kressekiller – Schadstoffe von PET“

„Wir haben immer ähnliche Ergebnisse bekommen“, sagt Baake. Und zwar: Die Kresse, die mit Wasser aus der warm gelagerten PET-Flasche gegossen wurde, war instabil und wuchs deutlich langsamer als die andere Kresse. Ihre Ergebnisse hielten die Schüler in einer umfangreichen Forschungsarbeit fest – mit dem Titel „Kressekiller – Schadstoffe von PET“.

Es war ihr Lehrer Ochs, der sie auf die Idee brachte, mit dem Projekt bei „Jugend forscht“ mitzumachen. „Wir haben uns aber keine Hoffnungen gemacht“, erzählt Baake. Die Konkurrenz war groß: 110 junge Forscher haben 66 Projekte aus sieben Fachgebieten beim Regionalwettbewerb im Februar in Hannover vorgestellt. Pro Fachgebiet werden die Plätze eins bis drei honoriert.

Die Überraschung: Manuel Schäffer und Nele Baake belegten den zweiten Platz im Bereich Biologie und erhielten von der Jury zusätzlich eine Sonderauszeichnung für eine besonders gute Platzierung, die beinahe den ersten Rang bedeutet hätte. Wer den ersten Platz belegt, darf weiter zum Landeswettbewerb. Dafür hat es nicht gereicht – aber die Gymnasiasten sind weiter gekommen, als sie es sich ausgemalt hatten.

Zu Hause auf Glasflaschen verzichten

„Natürlich heißt das nicht, dass man kein Wasser aus PET-Flaschen mehr trinken sollte“, sagt Schäffer. Doch man sollte darauf achten, wie die Flaschen zuvor gelagert wurden – und zu Hause nach Möglichkeit doch Glasflaschen vorziehen.

Beide hätten darüber gestaunt, dass PET mehr als 2000 Stoffe beinhaltet, die teilweise hormonähnlich sind und daher für Säuglinge und Kleinkinder schädlich sein können. Nicht ohne Grund steht auf Trinkflaschen für Kinder oft der Vermerk „ohne BPA“, was die umstrittene Chemikalie Bisphenol A meint.

„Wir wurden sogar ermutigt, weiter zu forschen und im nächsten Jahr wieder anzutreten“, erzählt Schäffer. Ob die beiden jungen Forscher dies beherzigen, wissen sie noch nicht: Im nächsten Jahr steht erst einmal das Abitur an.