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Rinteln Stadt Schulleiter des Ernestinums widerspricht Vorwürfen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Schulleiter des Ernestinums widerspricht Vorwürfen
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08:25 23.10.2018
Quelle: dpa
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Rinteln

Sinkt das Niveau des Abiturs in Niedersachsen? Die entsprechende Behauptung des Verbandes der Elternräte an Gymnasien, „beruht eher auf einer gefühlten Wahrheit als auf einer genauen Kenntnis der Gegebenheiten“, widerspricht André Sawade, in einem Schreiben. Ausgehend von der Situation am Ernestinum träfen folgende Punkte eher zu:

Einser-Schnitt: Nicht ein Drittel aller Abiturienten, wie vom Verband behauptet, sondern etwa 15 von 100 Abiturienten schließen mit einer 1 vor dem Komma ab, wobei bereits eine 1,5 nur noch „gut“ bedeutet, so Sawade.

Zu viele Schüler möchten aufs Gymnasium:In der Tat zeigt sich laut Sawade „eine leicht steigende Tendenz“ der Schüler, die in den fünften Klassen am Gymnasium beginnen, deren Eltern die professionelle Beratung an den Grundschulen jedoch nicht wahrgenommen hätten. Jedoch zeige sich meist „sehr schnell, dass die gymnasialen Anforderungen eine Überforderung darstellen“, so der Schulleiter. Die Lehrkräfte von Ernestinum und Hildburgschule investierten „viel Energie, um den optimalen Bildungsweg für jeden Einzelnen zu finden“.

Sprechprüfung statt Klausur: Dass Sprechprüfungen in den Jahrgängen sechs, acht und zehn in Englisch sowie in den Jahrgängen sieben, neun und elf in Französisch eine Klassenarbeit ersetzten, hatte der Verband negativ bewertet. Die Sprechprüfungen würden aber von allen Fremdsprachenlehrern begrüßt, kontert Sawade. Dadurch werde überprüft, ob die Schüler nicht nur grammatikalisch richtige Sätze schreiben könnten, sondern ob sie sich auch in Alltagssituationen mündlich in der Fremdsprache verständigen könnten. Dies werde „als eindeutige Niveausteigerung“ empfunden.

Zweite Fremdsprache: Ob die zweite Fremdsprache in Klasse elf weiterhin Pflicht bleibt, obliege der Entscheidung einer jeden Schule, so Sawade. Darüber entscheide jedoch der Schulvorstand, in dem auch die Elternvertreter eine gewichtige Position einnehmen. Oft seien es gerade die Eltern, die auf eine Abschaffung der Pflicht zur zweiten Fremdsprache drängten, so Sawade. Am Ernestinum müssten alle Schüler die zweite Fremdsprache belegen, stellt der Schulleiter klar.

Mündliche Prüfung: Wie sich die sogenannte mündliche Präsentationsprüfung auf das Abiturniveau auswirke, werde sich zeigen, wenn sich die ersten Prüflinge für diese Option entschieden haben, so Sawade. Schüler können sich im mündlichen Abitur für diese Form entscheiden. Die Prüfung dauere doppelt so lang wie eine herkömmliche mündliche Prüfung im fünften Prüfungsfach. Außerdem beziehe sie sich wie bisher auf Themen, die jenseits der vorbereiteten Inhalte liegen.

„Von einem Abbau der Qualität an Gymnasien kann also keineswegs die Rede sein“, so Sawade. „Ganz im Gegenteil werden bei den heutigen Abiturien zusätzliche, zum Beispiel kommunikative und mediale Kompetenzen erwartet und abgeprüft.“

von Marieluise Denecke