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Rinteln Stadt Seit 70 Jahren gibt es ein Abi an der BBS Rinteln
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Seit 70 Jahren gibt es ein Abi an der BBS Rinteln
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22:09 27.10.2019
Quelle: jaj
Rinteln

Und wie es sich für einen runden Geburtstag gehört, gab es gewissermaßen auch ein Geschenk: Schulleiterin Lita Gooßen kündigte an, dass mit dem kommenden Schuljahr der Schwerpunkt „Sozialpädagogik“ als dritter Zweig am Beruflichen Gymnasium eingeführt werde (siehe Kasten).

In ihrem Grußwort ging Gooßen zunächst auf die Schulordnung von 1944 ein. In der war geregelt, dass die Schüler das Gebäude durch den Hintereingang zu betreten hatten. „Es hat sich einiges geändert“, stellte sie mit einem Lachen in Richtung der anwesenden Schüler fest. „Heute sind Sie die Hauptakteure.“

Berufsbezogenes Profil

Dann ging sie kurz auf die Geschichte ein. Der Name der Schule habe in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals gewechselt, erinnerte sie. Neben „Kreishandelslehranstalt“ und „Wirtschaftsgymnasium“ habe es noch einige andere Namen gegeben. Doch immer sei eines gleich geblieben: „Unser Vorteil ist, dass wir zusätzlich zu dem allgemeinen Lehrstoff auch noch ein berufsbezogenes Profil anbieten.“ Dadurch hätten rund 80 Prozent der Absolventen eine klare berufliche Perspektive. „Davon träumt so manches allgemeinbildende Gymnasium.“

Auch Heike Bickmann als Vertreterin der Landesschulbehörde ging auf die Besonderheit des Schulzweiges ein. „Das berufliche Gymnasium wird besonders von denen gewählt, die sich gut vorbereitet haben“, erläuterte sie. Es sei stark durch den beruflichen Anteil geprägt und bereite dadurch gezielt auf anschließende Studiengänge vor. „Absolventen des beruflichen Gymnasiums haben es bei einem anschließenden Studiengang in den ersten Semestern leichter“, so ihr Fazit.

Abituraufgaben aus der Vergangenheit

Nicht zuletzt teilte sie mit, dass die „Bewährungszeit“ von Schulleiterin Gooßen vorbei sei und sie seit vergangener Woche offiziell den Titel Oberstudiendirektorin trage. Nach der kurzen Feierstunde tauchten die Gäste dann in die Geschichte ein: In einer zweitägigen Projektphase hatten die Schüler Besonderheiten aus 70 Jahren Abitur aufgegriffen. Im Bereich Mathematik wurden beispielsweise unterschiedliche Abituraufgaben verglichen: 1959 wurden die Abi-Aufgaben den Schülern noch diktiert, 1995 umfassten sie eine ausgedruckte Seite – und heute sind es unglaubliche 24 Seiten.

Im Bereich Gesundheit hatten die Schüler ein begehbares Herz gestaltet, bei dem die Besucher auf dem Weg des Blutes wandeln konnten. Außerdem konnte anhand verschiedener Brillen nachempfunden werden, wie sich Sehstörungen auf den Alltag auswirken. Aktiv wurde es dann im Bereich Sport. Hier zeigte eine Gruppe, wie die Neuen Medien in Form von Tablets den Unterricht verändert haben. Sie demonstrierten, wie Übungen gefilmt und später mit der Gruppe analysiert werden können.

Außer den Gästen der Feierstunden kamen später auch Schüler der IGS Rinteln, mit denen die BBS ab dem kommenden Jahr kooperieren und eine gemeinsame Oberstufe anbieten, um sich die Ergebnisse der Projekttage anzusehen und in 70 Jahre Abitur einzutauchen. Jessica Rodenbeck

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Sozialpädagogik als dritter Schwerpunkt

Ab dem kommenden Jahr soll neben den Zweigen „Wirtschaft“ und „Gesundheit“ auch „Sozialpädagogik“ als dritter Schwerpunkt am beruflichen Gymnasium der BBS Rinteln angeboten werden. Die Ausbildung umfasse neben den allgemeinbildenden Fächern auch die Kernfächer Psychologie und Pädagogik und bereite damit ideal auf ein Studium in den Bereichen Lehramt, soziale Arbeit oder auch Psychologie vor, so Schulleiterin Lita Gooßen. „Es werden Fachrichtungen ausgebildet, die wirklich benötigt werden“, betonte Gooßen im Hinblick auf den derzeitigen Lehrer- und Erziehermangel.
Es sei zudem angedacht, dass die Schüler unter bestimmten Voraussetzungen parallel zum Abitur in den drei Jahren auch einen Abschluss als sozialpädagogischer Assistent erlangen könnten. Diesbezüglich würden zurzeit aber noch letzte Abstimmungsarbeiten laufen.
Bürgermeister Thomas Priemer begrüßte das neue Bildungsangebot und verwies in seinem Grußwort darauf, dass an der hiesigen Academia Rinteln auch ein Fernstudium der Sozialen Arbeit möglich sei. „Sie müssen die Stadt für Ihre Ausbildung also gar nicht mehr verlassen“, eröffnete er den Schülern und verband dies gleichzeitig auch mit einer Bitte: „Sollten Sie sich doch entscheiden, für Ihre Ausbildung fortzugehen, kehren Sie bitte auch wieder zurück.“ Die Region brauche gut ausgebildete Fachkräfte.  jaj