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Rinteln Stadt Selbst angezündet: Rintelner wegen schwerer Brandstiftung verurteilt
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Selbst angezündet: Rintelner wegen schwerer Brandstiftung verurteilt
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20:00 20.12.2018
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RINTELN

Richter Ulf Kranitz folgte damit der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Mit vorgeschobenen Schultern hat der Angeklagte das Urteil zur Kenntnis genommen. Dann ließ er sich in seinen Stuhl fallen. Verteidigerin Tanja Brettschneider hatte zuvor in ihrem Plädoyer das Bild eines suizidalen Mannes gezeichnet, von seiner Familie verstoßen, der mit seinem Selbstmord ein Zeichen habe setzen wollen. Aber: Er habe weder seine Ex-Frau gefährden, noch das Haus anzünden wollen.

Der Anwalt der Nebenklägerin, die während des Prozesses immer wieder mit den Tränen kämpfte, ging dagegen von einer Tötungsabsicht aus. Dass diese von der Staatsanwaltschaft von Anfang an nicht in Betracht gezogen wurde, bezeichnete Stefan Abrahams als „Armutszeugnis“. Man müsse sich nicht wundern, dass das Vertrauen in die Justiz verloren gehe.

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Keine Tötungsabsicht

Diese Tötungsabsicht sah Richter Kranitz schon allein deswegen als nicht gegeben an, da der Angeklagte – trotz der Möglichkeit – seine Ex-Frau nicht angezündet habe. Die 46-Jährige hatte zuvor wörtlich gesagt: „Wenn er gewollt hätte, hätte ich auch gebrannt.“ Das werten Kranitz und die beiden Schöffen als strafbefreienden Rücktritt – selbst wenn der Familienvater mit Tötungsabsicht zum Haus seiner ehemaligen Lebensgefährtin gefahren wäre.

Auf jeden Fall – so urteilt das Gericht – habe sich der Mann vor Ort erst Mut angetrunken. Letztlich wurden fast 1,6 Promille festgestellt. Das habe zwar enthemmend gewirkt, vermindere aber nicht seine Schuldfähigkeit.

Die Aussagen der Nebenklägerin schätzte das Gericht als „höchst glaubwürdig“ ein, auch deswegen, weil sie den Täter vom Vorwurf einer versuchten Tötung entlastet habe. Für das Gericht steht außer Frage, dass der in Handschellen vorgeführte Mann das Haus anzünden wollte.

Alle sollten Selbstmord beobachten

Dass er sich lediglich in einer Ecke des Hauses selbst anzünden wollte, glaubte Kranitz dem Angeklagten nicht. „Sie wussten, dass mehrere Personen im Haus waren – und sie wollten genau das ja auch“, bezog sich Kranitz auf die Aussage des Mannes, er habe erreichen wollen, dass alle seinen Selbstmord sehen müssen.

In seinem eigenen Schlusswort verwies der Angeklagte abermals auf die Rolle seines Sohnes. Er habe es nicht ertragen können, wie der Sohn mit seinen Drogenproblemen all das kaputt mache, was er selbst aufgebaut habe. Er betonte, ihm tue die ganze Sache leid – er wolle nach der Haftentlassung die Region verlassen.

Der Haftbefehl blieb aufrecht, daher wurde der Rintelner – der bereits seit Juni hinter Gittern sitzt – auch hinterher in Handschellen aus dem Gericht geführt. Von Jakob Gokl