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Rinteln Stadt Stunden des Schreckens: Als Rinteln über Nacht im Wasser versank
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Stunden des Schreckens: Als Rinteln über Nacht im Wasser versank
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00:21 24.05.2019
Nach dem Sturzregenereignis im Juni 1937 ist von der Exter-Brücke nicht mehr viel übrig. Quelle: Archiv/Bernd Scholten
Rinteln

Hochwasser ist und bleibt ein Dauerthema: Eine „Leader+“-Studie, im Jahr 2009 durchgeführt, kam zu dem Schluss, dass Maßnahmen wie Durchlasserweiterungen, Abgrabungen, partielle Tieferlegung des Flussbettes, Rückhaltebecken oder Entlastungskanäle nur geringfügige Entlastungen brächten.

1937: Hochwasser reißt sogar eine Brücke weg

Fazit der Planer: Die Bürger müssten mit dem Hochwasser leben und versuchen, sich selbst so gut wie möglich zu schützen. Ein neues Hochwasserschutzkonzept soll die Weserstadt vor extremen Pegelständen bewahren. So wie am Abend des 11. Juni 1937, als eine besonders katastrophale Überschwemmung über Rinteln hereinbrach.

Mehr zum Thema: Das steht im neuen Papier für den Hochwasserschutz in Rinteln

Menschen, die im Sonnenschein am Abgrund einer abgebrochenen Brücke stehen. Der Querschnitt durch die Schichten des Bauwerkes zeigt deutlich, dass sich eine zerstörerische Kraft vor nicht allzu langer Zeit daran zu schaffen gemacht haben muss. Die Szenerie ist zu sehen auf einem vergilbten Foto aus den Dreißigerjahren, das betitelt ist mit „Unwetter“.

In einer Nacht fiel so viel Regen wie sonst in zwei Monaten

Der Leiter des Museums Eulenburg, Stefan Meyer, sagt auf Anfrage dazu, es handele sich „wahrscheinlich um die Exter-Brücke zwischen Krankenhagen und Uchtdorf nach dem Sturzregenereignis im Juni 1937“.

Meyer schildert: „Nach schwüler Hitze mit 37 Grad im Schatten ging in den Abendstunden ein verheerender Wolkenbruch nieder. In einer einzigen Nacht fielen 128 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter – so viel wie sonst in zwei Monaten. Die normalerweise eher träge dahinfließende Exter verwandelte sich binnen Minuten in eine tosende Sturzflut und riss zahlreiche Brücken mit sich.

Gaststätte Bögerhof: "Gäste konnten nur noch auf die Tische steigen"

Massive Mauern brachen, Häuser in Uchtdorf und Exten standen meterhoch unter Wasser, und in der Gaststätte Bögerhof stieg das Wasser so schnell, dass die Gäste nur noch auf die Tische steigen konnten.“

Besagte Gäste des Hotels sahen, wo sonst getanzt wurde, „im Saal große Forellen schwimmen“, ist im Bericht der Schaumburger Zeitung vom 12. Juni 1937 zu lesen. Die Fische stammten aus den zur Zeit der Katastrophe sehr gut belegten, überschwemmten Teichen.

Die Landwirte treffen die Fluten am schlimmsten

Für Bauern war die Flut besonders verheerend. Die Heuernte im Extertal wurde vollständig weggeschwemmt. Zwar konnte ein Teil des Viehs gerettet werden, „die vielen kleinen Schweine sind an Mehlaufzügen in die oberen Räume aufgezogen worden“, doch viele Tiere mussten in dem bis zu zwei Meter stehenden Wasser ertrinken.

Die Brücken im Extertal, die von den Fluten weggerissen wurden, wie die eingangs erwähnte auf dem Foto, werden noch längere Zeit als Zeugen der gewaltigen Verwüstung durch die Wassermassen in der Landschaft stehen.

Einen gruseligen Anblick muss auch der Extertalbahnübergang beim Bahnhof Krankenhagen geboten haben, laut damaligem Chronisten ist der „vollständig unterspült – und die Schienen hängen in der Luft“.

Kutschwagen wird von den Wassermassen davongespült

Die Betonbrücke bei Fütig – zwischen Almena und Fütig – war zerstört, ebenso die massive Brücke in Nalhof, und, so der Bericht weiter: „Die starke Steinbrücke vor Uchtdorf ist glatt weggerissen.“

Gefahr bestand für alle, die sich in jener Nacht nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten: „Ein Kutschwagen wurde von den Fluten erfasst und ein Stück stromab getrieben, bis er an Bäumen hängen blieb“, heißt es im Bericht unserer Zeitung.

Wasser strömt über die Ritterstraße bis in die Altstadt

Darin ist auch vom Bauern Redeker erzählt wird, der selbst in Lebensgefahr geschwebt habe, „als er seine Pferde in einen höher gelegenen Ortsteil bringen wollte, und in der starken Strömung an der Kurve bei Gastwirt Stock, wo das Wasser anderthalb Meter hoch die Straße überschäumte, (...) abgetrieben wurde“.

Er habe nur durch den beherzten Einsatz von Nachbarn und anderen Helfern gerettet werden können.

Die Kernstadt war ebenfalls betroffen: „Auch das Exterfeld vor Rinteln wurde bis vor die Wälle überflutet“, weiß Museumschef Meyer. „Am Durchlass an der Ritterstraße strömte das Wasser kurze Zeit sogar in die Altstadt.“

Hohenrode: 17-Jähriger ertrinkt in den Fluten

Das Unwetter forderte in Hohenrode ein Menschenleben. Der 17-jährige Wilhelm Wenthe ertrank in den Fluten der Weser, als das Gewitter losbrach. Wenthe wollte noch schnell mit seinen Kameraden zum anderen Ufer zurückschwimmen. In der Mitte des Flusses verließen ihn die Kräfte, seine Kameraden versuchten erfolglos, ihn zu retten.

Stege und kleine Brücken wurden außerdem in Eisbergen von den Wassermassen weggerissen. Dort wurde auch ein fortgeschwemmtes Auto beklagt. „Der Autofahrer Buchmeier stellte für Minuten seinen Sechssitzerwagen auf eine überspülte Straße“, lautet die Meldung, „um eben in ein Haus zu treten. In dieser kurzen Zeit wurde der schwere Wagen weggespült.“ von Ortrud Büthe