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Rinteln Stadt Thomas-Cook-Pleite: Rintelner Anwalt bearbeitet komplizierten Fall
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Thomas-Cook-Pleite: Rintelner Anwalt bearbeitet komplizierten Fall
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12:13 14.12.2019
Ein Ehepaar aus Rinteln wollte eigentlich mit Thomas Cook nach Südafrika fliegen. Quelle: dpa/Marcel Kusch
Rinteln

Das Ehepaar hat Hilfe beim Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell gesucht, weil ihr Fall etwas komplizierter ist und zunächst nur bedingt mit der Insolvenz von Thomas Cook zu tun hatte. Die Beiden hatten termingerecht die Reisekosten von 6414 Euro bezahlt und gleichzeitig bei dem Versicherer Ergo Reiseversicherungen in München eine Reiserücktrittversicherung abgeschlossen.

Deshalb kann das Ehepaar die Reise nicht antreten

Ende September dieses Jahres ist die Ehefrau erkrankt – eine Verletzung des Sprunggelenks. Der Arzt, der sie krankschrieb, machte ihr auch klar, mit dieser Verletzung könne sie die Reise nicht antreten. Das Ehepaar informierte die Reiserücktrittsversicherung.

Im selben Zeitraum hat für das Ehepaar völlig überraschend das Reiseunternehmen Thomas Cook Insolvenz angemeldet, woraus sich eine paradoxe Rechtssituation entwickelt hat, schildert Grell: Das Reiseunternehmen stellt für das Ehepaar keine Stornorechnung aus, weil es insolvent ist. Der Reiserücktrittsversicherer wiederum fühlt sich nicht mehr zuständig, weil er keine Stornorechnung bekommt, die Reise ohnehin wegen Insolvenz des Reiseveranstalters nicht angetreten werden könnte. Grell: „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.“

Das sagt Ergo zu dem Fall

Grell las sich die Versicherungsbedingungen von Ergo in München durch und kam zu dem Ergebnis, dass sich daraus nicht zwangsläufig folgern lasse, dass der Versicherer nicht an seine Mandanten zahlen muss, nur weil der Reiseveranstalter insolvent ist. Grell schrieb an Ergo: „Fakt ist, dass unsere Mandanten die Reise krankheitsbedingt stornieren mussten, und insoweit sind damit auch die Voraussetzungen für eine Erstattung des Reisepreises erfüllt.“

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Es komme nämlich für eine Versicherungsleistung keineswegs darauf an, dass der Reiseveranstalter eine Reise nicht durchführen könne – warum auch immer. Das wäre eine Regressfrage, die zwischen dem Reiserücktrittsversicherer und dem Reiseveranstalter, also in diesem Fall Thomas Cook Deutschland, zu klären wäre.

Fall wird an den Kundengeldabsicherer verwiesen

Antwort aus München: Falle eine Reise aus, liege auch kein Versicherungsfall vor. Zuständig sei damit der Kundengeldabsicherer, die Zurich Insurance. Wie inzwischen öffentlich geworden ist, kann allerdings aus den Haftungssummen dieses Versicherers lediglich ein Fünftel der Schäden gedeckt werden, woraus sich eine Quote von 17,5 Prozent für die Regulierung der Ansprüche der Thomas Cook-Kunden ergeben würde, also auch für das von Grell vertretene Ehepaar.

Weiterer Faktor in diesem Rechtsstreit ist seit Mittwoch dieser Woche die Bundesregierung geworden, die angekündigt hat, sie wolle dem Steuerzahler die Kosten für die Reiseausfälle aufbürden – vermutlich aus dem einfachen Grund, weil man in Berlin erkannt hat, dass sonst eine Klagewelle in Gang kommen würde. Hintergrund ist, dass Pauschaltouristen per Gesetz versichert sind, wenn ihr Reiseveranstalter pleitegeht. Stichwort hier ist der „Sicherungsschein“, den jeder ausgehändigt bekommt, der eine Pauschalreise antritt.

Aussichten für den Ausgang des Falls sind ernüchternd

Als möglichen Fehler im System sieht Grell, dass es sich um eine starre Versicherungssumme handelt, die nicht Jahr für Jahr an den Umsatz eines Unternehmens angepasst wird. Was vermutlich am Widerstand der Reiseveranstalter selbst scheitert, die dann zwangsläufig höhere Versicherungsprämien zahlen müssten.

Grells Mandanten wollen trotzdem an ihrer Forderung festhalten. Für Grell ist klar: Niemand weiß, wann das Geld kommt und wenn, wie viel. Das könne sich „noch ziemlich hinziehen“, sagt Grell. Also betreibt er für seine Mandanten den Fall weiter. von Hans Weimann

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