Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Umfrage zur Sanierung des Brückentorsaals: Votum eindeutig
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Umfrage zur Sanierung des Brückentorsaals: Votum eindeutig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:33 26.02.2019
Präsentieren die Kulturring-Umfrage: Andrea Rienhoff (von links), Juliane Weiss und Petra Sieve aus dem Vorstand des Kulturvereins.
Präsentieren die Kulturring-Umfrage: Andrea Rienhoff (von links), Juliane Weiss und Petra Sieve aus dem Vorstand des Kulturvereins.
Anzeige
Rinteln

Nur 18 Bürger stimmten für den Bau einer neuen Stadthalle. Vier Stimmen waren ungültig.

Dieses Ergebnis teilten Geschäftsführerin Juliane Weiss sowie Petra Sieve und Andrea Rienhoff vom Vorstand des Kulturvereins am Dienstagvormittag gegenüber der Presse mit. Insgesamt waren 1200 Umfragezettel verteilt worden. Noch stünden die Stimmen des Rintelner Carnevalvereins aus. Zum ersten Mal waren die Umfragebögen beim Neujahrskonzert am 20. Januar verteilt worden.

Standort soll erhalten bleiben

Der Vorstand zeigt sich mit der Resonanz auf die Umfrage sowie mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Das Feedback ist eindeutig“, so Sieve.

Die Umfrage war als einseitig kritisiert worden: Zwar konnten sich Bürger auf dem Zettel pro Sanierung oder pro Neubau aussprechen, Vorteile wurden aber nur für die Sanierung genannt. Dies sei eine bewusste Entscheidung gewesen, so Geschäftsführerin Weiss. Für die Kulturring-Vertreter liegt dieses Vorgehen auf der Hand: „Natürlich wollen wir den jetzigen Standort erhalten“, so Weiss. Die Lage sei ideal, außerdem habe der Saal die perfekte Größe und Akustik für alle Veranstaltungen, die der Kulturring bislang dort hat stattfinden lassen. Zur Umfrage habe es zahlreiche Rückmeldungen gegeben, die sich mehrheitlich für Erhalt und Sanierung des Brückentorkomplexes ausgesprochen hätten, so Sieve. „Wir wollen versuchen, das durchzusetzen“, sagt sie. Für einen Neubau gebe es schließlich keine „vernünftige Begründung“.

Schwarz für kulturelles Leben

Jegliche politische Nähe zur CDU, die diesen Standpunkt ebenfalls vertritt, weisen die drei Gesprächspartnerinnen jedoch entschieden von sich: „Wir sind politisch absolut neutral“, so Rienhoff.

Sollte die Rintelner Politik eine Entscheidung kontra Brückentorsanierung fällen, würden sie jedoch schwarz für das kulturelle Leben in Rinteln sehen. „Dann wird die Kultur, die hier jahrelang mühsam aufgebaut wurde, verschwinden“, so Sieve. Mitglieder würden den Kulturverein verlassen. Und was solle allein mit den kulturellen Veranstaltungen für Kinder passieren?

Politik wachrütteln

Im März wird der Kulturring drei Veranstaltungen in der Aula des Gymnasiums Ernestinum abhalten. Die Technik müsse erst dorthin transportiert werden, in puncto Akustik sind die Kulturring-Vertreterinnen skeptisch. „Die Aula ist eine Pausenhalle und keine Alternative“, findet Sieve klare Worte.

Das Ergebnis der Umfrage hat keine rechtlichen Folgen. Der Kulturring hat es jedoch bereits an Bürgermeister Thomas Priemer übermittelt – mit der Bitte, dieses auch an die Rintelner Politiker weiterzuleiten. Am morgigen Donnerstag ab 19 Uhr kommt der Stadtrat das nächste Mal zusammen. „Dieses Votum kann der Rat nicht ignorieren“, findet Sieve. Mit der Umfrage habe der Kulturverein ein Zeichen setzen und die Menschen „wachrütteln“ wollen, damit sie ihre Meinung öffentlich zum Ausdruck bringen. „Der Wunsch der Bürger ist hier aus dem Blick geraten“, sagt Rienhoff.

Vor der morgigen Ratssitzung findet ab 18 Uhr auf dem Marktplatz eine Demonstration für die Sanierung des Brückentorkomplexes statt. Rienhoff, Weiss und Sieve wollen dabei sein und mitdemonstrieren.

Breitenbach: Brandschutz kostet keine 4,5 Millionen Euro

In der Diskussion um den Brückentorsaal hat sich jetzt auch Klaus Breitenbach zu Wort gemeldet. Der Architekt, Diplom-Ingenieur und Bausachverständige war selbst beruflich mit der Sanierung der Außenfassade der Immobilie befasst. Breitenbach erinnert sich: Bereits 1988, beim Umbau des Brückentorsaales, sei klar gewesen, dass beim Brandschutz nachgebessert werden müsse: Beispielsweise müsse zum Hotel hin ein Abschnitt der Decke so gestaltet werden, dass dieser Deckenabschnitt einem Feuer 90 Minuten lang widerstehen könne. Bleibt als bisher unbeantwortete Frage: Ist das realisiert worden oder nicht? Wenn nicht, warum ist dann von der Baugenehmigung abgewichen worden?

Was Breitenbach auch nicht einleuchten will: Für technischen Brandschutz, also beispielsweise für Brandschutztüren, Feuerschutzklappen und Rauchabzüge, gebe es genaue Prüfvorschriften. Zertifizierte Fachfirmen überwachten diese technischen Einrichtungen und deren Zustand, was wiederum in Prüfbüchern festgehalten wird. Dafür gebe es Wartungsverträge. Wäre das in Rinteln geschehen, müsste jemand also stets aufs Neue auf Versäumnisse hingewiesen haben. Breitenbach: „Solche Rettungseinrichtungen müssten immer auf dem aktuellen Stand sein.“ Da gebe es keinen Spielraum: „Wie kann man das Jahre vor sich herschieben, in einer Halle mit Publikumsverkehr?“

Breitenbach macht auch ein Fragezeichen hinter das von der Stadt vorgelegte und öffentlich diskutierte Brandschutzgutachten. Warum hat man damit nicht einen staatlich anerkannten Brandschutzsachverständigen aus Niedersachsen beauftragt? In allen Berichten und öffentlichen Äußerungen von Kommunalpolitikern zum Thema gehe es immer um den Brandschutz, nicht um eine Komplettsanierung des Saales. Die von der Verwaltung genannte Kostenkalkulation sei weit überzogen. Brandschutz sei immer auf zwei Wegen sicherzustellen: durch bauliche wie durch technische Anlagen. Für den Brückentorsaal müsse man keine 4,5 Millionen Euro ausgeben.

Breitenbach hat auch Zweifel an der Eignung aller Standorte, die bisher von der Verwaltung für eine neue Stadthalle vorgeschlagen worden sind. Für die Burgfeldsweide vermisst Breitenbach ein Bodengutachten. Denn es könne passieren, dass bei einem Objekt die Fundamentierung mehr kostet als der ganze Neubau. Das sei auch das Problem bei Vergleichen: Wenn eine Halle in Hameln fünf Millionen Euro kostet, bedeute das nicht, dass man die gleiche Halle in Rinteln für denselben Preis bauen könne. wm

von Marieluise Denecke