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Rinteln Stadt Von Windrädern magisch angezogen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Von Windrädern magisch angezogen
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21:08 23.04.2019
Rinteln

Greifvögel insgesamt sind durch die rotierenden Blätter der Windkraftanlagen gefährdet. Anders als kleine Vögel, die instinktiv vor den Rotorblättern fliehen und die Flächen großräumig umfliegen, gelten sie als „windkraftsensibel“. Da ihr Blick bei der Jagd nach unten gerichtet ist, nehmen sie die schwingenden Blätter nicht wahr. Beim Rotmilan kommt erschwerend hinzu, dass er von den freien Flächen rund um die Anlagen magisch angezogen wird, weil er dort seine Beute besonders gut entdecken kann.

Schutzmaßnahmen planen

„Die Bestandsaufnahme der Rotmilane ist so wichtig, weil man daraus Gefährdungsursachen ablesen und Schutzmaßnahmen planen kann“, erklärt Nick Büscher, Vorsitzender der Rintelner Ortsgruppe im Naturschutzbund (Nabu).

Rotmilane zählen zu den „Verantwortungsarten“. Das bedeutet, speziell Deutschland trägt eine große Verantwortung für ihren Fortbestand. „Über 50 Prozent der weltweit vorkommenden Rotmilane leben bei uns“, so Büscher, „davon ein großer Teil auch im Weserbergland.“

Es ist gar nicht so einfach, den Standort von Rotmilan-Horsten zu entdecken. Bei ihren Jagdflügen entfernen sich die Vögel oft mehrere Kilometer von ihrem Zuhause. Das erklärt Thomas Brandt, der Vorsitzende der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV), die das „Monitoring“ der Rotmilane jetzt zum dritten Mal organisiert.

Bestandsaufnahme bis Mitte Juli

Noch bis Mitte Juli läuft die Bestandsaufnahme. „Sobald die Bäume belaubt sind, kann man die Nester nicht mehr sehen“, sagt er. „Man ahnt aber, dass sie in der Nähe sein müssen, wenn die Vögel Nistmaterial im Schnabel tragen oder Beute transportieren, um die Jungen zu füttern.“ Um die Vögel bei Brut und Aufzucht nicht zu stören, trage man mögliche Horst-Standorte in eine vorbereitete Karte ein, um dann später zu prüfen, wo genau sich ein Nest befindet.

Die Bestandsaufnahme wird von erfahrenen Leuten wie ihm durchgeführt. Jeder Teilnehmer bekommt dabei ein festes Gebiet zugeteilt. „Wir wissen schon, wo wir gucken müssen“, so Brandt. In Todenmann, wo er aufgewachsen ist, sieht man Rotmilane, ebenso in Möllenbeck oder Hohenrode. Sollten in Westendorf tatsächlich – wie geplant – Windkraftanlagen gebaut werden, müssten auch dort die Belange von Rotmilanen berücksichtigt werden, wenn man bei der Kartierung entsprechende Horstbäume feststellt.

Festgelegte Abschaltzeiten

„Das würde nicht unbedingt bedeuten, dass so eine Anlage nicht gebaut werden darf“, sagt Büscher. „Es ist aber gesetzlich vorgeschrieben, dann Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“ Diese könnten darin bestehen, dass man Abschaltzeiten festlegt, in denen sich die Räder nicht drehen dürfen; dass Abstandsregelungen zu den Horsten eingehalten werden müssen. „Auch Vergrämungsmaßnahmen sind denkbar“, so Büscher. Wo zum Beispiel die Grasflächen rund um die Windkrafträder nicht gemäht werden, wird der Rotmilan nicht mehr nach Beute suchen können.

Auch interessierte Bürger können dazu beitragen, den Bestand der Rotmilane zu erfassen. Dabei gehe es nicht darum, jeden vorbeifliegenden Greifvogel zu melden, so Büscher. Aber wer einen Rotmilan entdecke, der Nistmaterial trage, solle diesen Hinweis gerne weitergeben, zum Beispiel an die Nabu-Ortsgruppe in Rinteln unter der Telefonnummer (05751) 5237. Von Cornelia Kurth

Schwerpunkt Weserbergland

Rotmilane kommen nur in Europa vor. Sie überwintern mehrheitlich in Spanien und kehren Ende Februar bis Anfang März in ihre Brutgebiete in Deutschland, Frankreich und Polen zurück. Bundesweit gibt es laut Deutscher Wildtierstiftung einen Bestand von 12000 bis 18000 Brutpaaren, der Weltbestand liegt bei 25200 bis 33400 Brutpaaren. In Niedersachsen stellte man bei der letzten Erfassung von 2011/2012 mehr als 1100 Brutpaare fest. Das Weserbergland ist eines der Rotmilan-Schwerpunktgebiete Niedersachsens. cok