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Rinteln Stadt Vor 25 Jahren beherrschte Hochwasser die Rintelner Innenstadt
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Vor 25 Jahren beherrschte Hochwasser die Rintelner Innenstadt
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09:07 27.01.2020
René Pohl aus Lippe fährt ganz gelassen mit einem Amphibienfahrzeug durch die Fluten. Quelle: Archiv
Rinteln

Vor 25 Jahren, vom 31. Januar bis zum 4. Februar 1995, standen Teile der Südstadt unter Wasser. Die Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße war von der Innenstadt aus nur über einen Steg zu erreichen, den eine heimische Gerüstfirma gebaut hatte.

Vom Wasser eingeschlossen

Fünf Familien am Doktorsee, Camper wie die Bewohner des Gasthauses „Grauer Hecht“ waren vom Wasser eingeschlossen und mussten mit einem DLRG-Boot mit Lebensmitteln versorgt werden. Ein Bundeswehr-Hubschrauber rettete eine Trakehner-Stute von einer Weide am Heinekamp. In der Drift soffen fast alle Keller ab.

Die Chronik der Ereignisse: Die Hochwasserwelle der Weser kündigt sich am 29. Januar an. Das Wasser- und Schifffahrtsamt meldet eine kritische Lage für Hannoversch Münden, der Wetterdienst Niederschläge bis zu 25 Litern pro Quadratmeter. Am 30. Januar steht der Weserpegel in Rinteln bei 6,40 Metern.

Von der Strömung erfasst

Der Chef eines Möbelhauses muss zwischen Möllenbeck und Eisbergen aus seinem Wagen gerettet werden, den die Strömung erfasst und in einen Graben drückt. Pegel am 31. Januar: 6,49 Meter. Der Doktorsee ist vom Wasser eingeschlossen, Hartler Straße und Dankerser Straße gesperrt. Auch am Ostertor steht das Wasser.

Bildergalerie: Vor 25 Jahren - Hochwasser in Rinteln

Am 1. Februar steigt der Pegel auf 6,63 Meter. In fast allen Kellern der Drift dringt Wasser ein. Mehrere Souterrain-Wohnungen sind überschwemmt. Die Feuerwehr sichert vor allem das Seniorenheim an der Landgrafenstraße. Würde dort die Heizung ausfallen, säßen die Bewohner in eiskalten Zimmern.

Zufahrtswege versperrt

Das Gleiche gilt für die Hochhäuser an der Graf-Otto-Straße. Auch da halten acht Pumpen den Wasserspiegel im Keller so niedrig, dass die Heizungsanlage nicht gefährdet ist. Am Heinekamp holt die Feuerwehr eine 80-jährige Seniorin aus ihrer Wohnung. Die Halle des Flugplatzes ist überflutet.

Wasser steht auch in den Kellern der Graf-Otto-Straße. Die Zufahrtswege zu allen westlichen Wohnquartieren stehen unter Wasser. Kloster- und Weserstraße sind Sackgassen.

Neun Tage Ausnahmezustand

Autofahrer kommen nur noch von Norden über die Umgehungsstraße und Konrad-Adenauer-Straße in die Stadt. Der 1987 an der Ost-Contrescarpe gebaute Deich hält. Feuerwehr und THW sichern Schwachstellen. 1981 stand dort in einigen Häusern das Wasser im Erdgeschoss. Acht Ortsfeuerwehren und das Technische Hilfswerk sind im Dauereinsatz.

Die Schule fällt aus. Doktorsee-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Hoppe rechnet mit Schäden von über einer halben Million Mark auf dem Campingplatz. 6,56 Meter misst der Weserpegel am 2. Februar, Tendenz weiter fallend. Regierungspräsident Werner Greifelt lässt sich von Ortsbrandmeister Helmut Blaue durch das Hochwassergebiet führen. Erst nach neun Tagen kehrt in der Stadt wieder Normalität ein, sind alle Straßen wieder offen. von Hans Weimann

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