Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Warnung vor den schweren Jungs
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Warnung vor den schweren Jungs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:54 06.09.2019
RINTELN/BÜCKEBURG.

Nach dem Prozess um einen Überfall an der Weser stehen nun beide Täter am Scheideweg, weil keiner von ihnen ein unbeschriebenes Blatt ist.

Den jüngeren Angeklagten hat das Landgericht in Bückeburg wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilt. Der 18 Jahre alte Rintelner ist wiederholt vorbestraft. Falls er erneut rückfällig wird, droht ihm beim nächsten Mal Jugendhaft. „Da sind dann auch die ganz schweren Jungs dabei“, machte Staatsanwalt André Lüth dem jungen Mann klar. Weil der 18-Jährige noch Heranwachsender ist, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Dabei steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund.

"Eines der schwersten Delikte"

Härter trifft es den zweiten Täter, einen 36-Jährigen mit ellenlangem Vorstrafenregister, der nur drei Monate vor dem Überfall aus dem Gefängnis entlassen worden war. Gegen ihn verhängte das Gericht vier Jahre Haft wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

„Das ist eines der schwersten Delikte, die man verwirklichen kann, Mindeststrafe fünf Jahre“, klärte Staatsanwalt Lüth den Angeklagten auf. Dabei kann der 36-Jährige noch von Glück reden, weil das Gericht auf einen minder schweren Fall erkannte – deshalb vier Jahre.

Zur Begründung hieß es unter anderem, der Angeklagte habe ein Geständnis abgelegt, Reue gezeigt und zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol gestanden. Außerdem seien die körperlichen Verletzungen des Opfers schnell verheilt, seelische Folgen nicht festzustellen. Einen Lautsprecher, den der 36-Jährige geraubt hatte, habe der Schüler zurückbekommen. Jede Spur fehlt dagegen vom Handy des Jugendlichen.

Opfer "nicht ganz unbeteiligt" 

„Die Haft kann für Sie auch eine Chance sein. Möglicherweise reicht es, um eine Ausbildung zu beginnen und einen besseren Start in die Freiheit hinzukriegen“, gab Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Jugendkammer, dem älteren Angeklagten mit auf den Weg ins Gefängnis. Der Delinquent selbst führte die Tat auf Alkohol, Drogen und Depressionen zurück. „Ich war an dem Tag von mir selbst überrascht“, sagte er. „Es ist sonst nicht meine Art, wahllos auf Menschen loszugehen.“

Unter einem Vorwand war das spätere Opfer an jenem 18. Februar zu einer Bank hinter dem Wohnmobil-Stellplatz an der Weser bestellt worden. Die beiden Täter kamen von einem Zechgelage in einer Wohnung. Nach dem Eintreffen ging der Jüngere sofort auf den Schüler los und verpasste diesem eine Backpfeife, später noch eine.

Der 18-Jährige wollte den Rintelner nach einem Streit zur Rede stellen. Konkret wollte er wissen, warum der frühere Freund damit gedroht hatte, ihn selbst und seine Eltern „abzustechen“. Das Opfer, so Verteidiger Adnan Öztürk, sei also „an der Sache nicht ganz unbeteiligt“ gewesen. Dann mischte sich der ältere Mann ein, verpasste dem 17-Jährigen drei Faustschläge ins Gesicht, bedrohte ihn mit einem Messer und fragte sinngemäß: „Willst du auch einmal abgestochen werden?“

Danach musste das Opfer seine Wertsachen auf den Boden legen: Bluetooth-Lautsprecher, Handy, Feuerzeug, E-Shisha. Der jüngere Täter, so Richter Kütemeyer, sei „überrascht und damit nicht einverstanden“ gewesen. Der ältere Mann könnte geglaubt haben, dass es bei dem Streit der beiden anderen um Geldschulden ging. Staatsanwalt Lüth glaubt: „Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen.“ ly