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Rinteln Stadt Was ist „Schrittgeschwindigkeit“?
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18:48 26.03.2019
Ob das Schrittgeschwindigkeit ist? Eine klare Regelung, wie schnell in der verkehrsberuhigten Zone gefahren werden darf, fehlt. Foto:tol
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Rinteln

Was genau aber ist gemeint, wenn – wie etwa auf der Schulstraße – das Fahren in „Schrittgeschwindigkeit“ gefordert ist?

Man habe da auf jeden Fall unter einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde zu bleiben, das hatte Fahrlehrer Ingo Radler in unserer Reportage über eine freiwillig wiederholte Fahrprüfung geäußert.

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Genau genommen sind allerdings selbst zehn Stundenkilometer (km/h) viel schneller, als ein Fußgänger gehen kann. Marco Vogt, in Rinteln Anwalt für Verkehrsrecht, beziffert die Schrittgeschwindigkeit auf den Bereich zwischen drei und sieben km/h.

„Alles andere ist kritisch“, meint er, betont dabei aber, dass die Schrittgeschwindigkeit weder gesetzlich festgelegt noch einheitlich definiert sei. Das bestätigt sich bei einem Blick auf diverse Urteile an deutschen Gerichten. Während einige Oberlandesgerichte die Grenze bei sieben Stundenkilometern sahen, lagen andere bei zehn oder – in Leipzig – sogar bei 15 km/h. Schrittgeschwindigkeit könne sich nicht am Fußgänger orientieren, sondern sei als „sehr langsames Tempo“ zu begreifen, so die Begründung in Leipzig.

Zurückhaltung bei der Polizei

Auch im Kommissariat Rinteln hält man sich beim Thema Schrittgeschwindigkeit eher zurück. Ja, drei bis sieben km/h, das sei eigentlich der Geschwindigkeitsbereich, heißt es von einem Mitarbeiter. Er gesteht allerdings zu, dass es bei manchen Autos ein Kunststück sei, so langsam zu fahren. Auch so mancher Radfahrer habe Schwierigkeiten, bei einem Tempo von sieben km/h nicht umzukippen. In jedem Fall solle man deutlich unter der Grenze von 20 Stundenkilometern bleiben. Als Polizei würde man dann eingreifen, wenn jemand „deutlich über Schrittgeschwindigkeit“ fahre. Das werde meist durch Hinterherfahren mit Tachokontrolle ermittelt. Wie hoch ein Bußgeld dann ausfalle, würden im Zweifelsfall die Gerichte klären.

Ulf Kranitz, Richter am Amtsgericht Rinteln, nennt ebenfalls sieben km/h als Obergrenze der Schrittgeschwindigkeit. Die Höhe eines Bußgeldes orientiere sich an den Umständen des Einzelfalles. Wer zum Beispiel auf der Schulstraße zu schnell fahre, während dort Kinder herumlaufen, müsse mit einem Bußgeldbescheid rechnen, der über der Regelbuße liegt. Das Mindestbußgeld liegt bei 15 Euro.

cok