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22:21 20.07.2018
Quelle: dpa
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Rinteln

Zur Chronologie: Im Sommer 2016 besuchten zwei heute 19 Jahre alte Männer jeweils mit ihren Freunden ein Erntefest in Ohndorf. Auch eine Frau (18) war auf dem Fest, die früher mit den beiden 19-Jährigen befreundet war.

Auf der Tanzfläche kam es zum Streit zwischen diesen beiden Männern. Einer wollte sich offenbar der jungen Frau nähern, der andere sie wegziehen und den sich Nähernden durch einen ausgestreckten Arm auf Abstand halten. Dieser schlug daraufhin mit der Faust zu, der Getroffenen zog sich dabei Nasenbluten zu.

So sah es das Rintelner Amtsgericht im August 2017 und verurteilte den Angreifer wegen Körperverletzung. In jenem Prozess sagten auch vier junge Leute aus, die aus dem Lager des damals Verurteilten stammten. Unisono erklärten die damaligen Zeugen sinngemäß, das Opfer habe den Verurteilten von hinten angegriffen und gewürgt. Erst danach folgte der Schlag. Weil sich die Kontrahenten aber gegenüber gestanden und es gar keinen Angriff von hinten gegeben hatte, wurden die vier jungen Leute wegen Falschaussage angeklagt.

Am Hals gepackt und zugedrückt

In diesem neuen Verfahren wiederholten die Beteiligten ihre Einlassungen aus dem ersten Prozess. Richter Simon Langer glaubte den 18 bis 22 Jahre alten Männern nicht, wies zum Teil auf Widersprüche zu ihren Angaben bei der Polizei hin und verurteilte das Quartett nun am zweiten Verhandlungstag wegen uneidlicher Falschaussage. Gegen zwei von ihnen, zwei Arbeiter, verhängte er jeweils Geldstrafen in Höhe von 4000 Euro (100 Tagessätze zu je 40 Euro).

Dagegen kamen zwei Schüler mit je 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Auf die beiden wurde Jugendrecht angewandt, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Bleibt abzuwarten, ob die jungen Leute gegen das Urteil in die Berufung gehen.

Im jüngsten Prozess musste auch der vor einem Jahr wegen Körperverletzung verurteilte 19-Jährige aussagen. Diesmal als Zeuge – und damit ist er zur Wahrheit verpflichtet. Er gab an, das Opfer habe ihn zunächst von hinten am Hals gepackt und mit einer Hand zugedrückt. Erst danach erfolgte der Schlag. Nach dieser Aussage muss der 19-Jährige mit einem neuen Verfahren rechnen, und zwar wegen Falschaussage.

Sollte die Entscheidung gegen die jetzt verurteilten vier jungen Leute rechtskräftig werden, stehen sie vor einem Dilemma: Im neuen Verfahren gegen den 19-Jährigen müssen sie sich erneut als Zeugen zu dem Geschehen äußern. Nur einer aus dem Quartett wäre aus dem Schneider: Er ist der Bruder des auf dem Zeltfest Zuschlagenden und hat damit ein Aussageverweigerungsrecht. maf