Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Wenn die Renovierung zur Großbaustelle wird
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Wenn die Renovierung zur Großbaustelle wird
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:51 22.02.2018
Am 1. April sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die Kirche fürs Osterfest zur Verfügung stehen.
Am 1. April sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die Kirche fürs Osterfest zur Verfügung stehen. Quelle: cok
Anzeige
Rinteln

„Wir Reformierten benutzen ja keine Kerzen, die rußen könnten, und erst recht keinen Weihrauch“, sagt Pastor Heiko Buitkamp. Trotzdem: Hier platzt Putz ab, dort sind Wasserflecken – ein neuer Innenanstrich muss her. „Tja, wir dachten, wir lassen mal eben die Kirche streichen“, so Buitkamp. „Aus ‚mal eben‘ wurde dann aber nichts.“

Eine Kirche, die mehr als 750 Jahre alt ist, hält spezielle Herausforderungen für die Handwerker bereit. Zuerst sah es so aus, als brauche man nur einen Hubwagen einzusetzen, um die zehn Meter hohen Wände zu erreichen. „Das klang gut. Und da wir in unserer Kirche – wie gesagt, wir sind ja evangelisch-reformiert, keine Schmuckelemente und keine Wandgemälde besitzen – sollte es ruckzuck gehen“, sagt Buitkamp. Aber dann stellte sich heraus, dass man mit einem bloßen Hubwagen das zwölf Meter hohe Gewölbe nicht erreichen würde.

Ein Spezialist ist unabdingbar

Vielleicht wäre ein Rollgerüst das Richtige? Nein, auch nicht, das ist viel zu schwer und könnte beim Verschieben die uralten Bodenplatten zerstören. Außerdem würde man damit nicht nah genug an die Wände herankommen. Da halfen auch nicht die Vorschläge eines Gerüstbauers, an das Rollgerüst noch ein Hängegerüst dranzuhängen und obendrauf eine Leiter zu stellen. Nach und nach wurde klar, dass man einen Spezialisten brauchen würde. „Hinzu kommt, dass die Kirche ziemlich schiefe Wände hat. Das wussten wir bis jetzt gar nicht“, so Buitkamp.

Schließlich war es Gerüstbauer Diekmann aus Hessisch Oldendorf, der den Auftrag annahm. Auch der Maler musste – das verlangten die gutachtenden Beauftragten des Landkreises – ein Spezialist sein. Schließlich konnte man doch nicht irgendeine Wandfarbe benutzen, sondern nur eine für Kircheninnenräume mit besonderen Atmungseigenschaften. Maler Wehmeier aus Bösingfeld ist da der richtige Mann. „Zuerst hieß es dann, wir malen irgendwie um die Orgel herum“, erzählt Pastor Buitkamp weiter. Das aber käme gar nicht in Frage, erklärte ihnen der Sachverständige Manfred Röver, man müsse unbedingt einen Orgelbauer hinzuziehen.

Orgel verursacht weitere Kosten

Also reiste einer der Gebrüder Schuke aus Potsdam an, deren Traditionsfirma die Jakobi-Orgel schon immer betreut hatte. Ein schlichtes Abdecken des Instrumentes würde es nicht ausreichend vor dem Arbeitsschmutz schützen, die höchsten Orgelpfeifen müssen alle abgebaut werden, bevor es ans „Einhausen“ durch einen Holzverschlag gehen kann. Das erhöht natürlich wieder die veranschlagten Kosten, die zum Glück zur Hälfte von der Bauabteilung der Landeskirche übernommen werden.

„Drei Gewerke haben wir nun schon in unser Projekt eingespannt, und dann brauchten wir noch Gewerk Nummer vier“, sagt Buitkamp. Es liegen nämlich lauter Leitungen über dem Putz, sodass Firma Eckel engagiert wird, um sie neu zu verlegen. Das Sanierungsprojekt erweise sich als so aufwendig, dass die Gemeinde die Erneuerung des Eingangsbereichs lieber erst einmal verschob. „Die Tür muss erneuert werden. Ich will mir nicht ausdenken, was da wieder für Diskussionen und Probleme entstehen.“

Zum 1. April soll alles fertig sein. Bis dahin werden die Gottesdienste im Gemeindesaal nebenan stattfinden. Und, plant die Gemeinde schon ein großes Fertigstellungs-Fest? „Nein“, sagt Buitkamp. „Das ist nicht nötig. Da haben wir Ostern, das ist großes Fest genug.“ cok