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Rinteln Stadt Weserangerbad: Fall brutaler Gewalt wird erst jetzt bekannt
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Weserangerbad: Fall brutaler Gewalt wird erst jetzt bekannt
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21:12 09.08.2019
Das Weserangerbad aus der Luft gesehen: Hinten die Schwimmbecken, in der Mitte die Liegewiese mit altem Baumbestand, vorne Fußball- und Volleyballfelder. Quelle: tol
Rinteln

Über die Aussage, das es kein Problem gebe, kann eine Rintelnerin nur den Kopf schütteln. Sie hat sich per Leserbrief an die Redaktion gewandt, weil ihr 14-jähriger Sohn im Mai dieses Jahres im Weserangerbad zusammengeschlagen worden war.

„Über die Aussage der Freibadleitung bin ich überrascht, wenn nicht gar schockiert“, schreibt die Rintelnerin, die anonym bleiben will, um ihren Sohn zu schützen. Der Redaktion ist ihr Name bekannt.

Zu den Ballspielfeldern gelockt

Es war Ende Mai, und ihr Sohn war zusammen mit einem Freund im Freibad, erzählt die Rintelnerin. Zwei Jugendliche hätten die beiden angesprochen: Ob sie mit ihnen zu den Ballspielfeldern kommen wollten für ein gemeinsames Spiel? Die Fußball- und Volleyballfelder liegen im hinteren Teil des Freibades und sind umgeben von Bäumen. Die beiden folgten, doch an den Spielfeldern warteten weitere Jugendliche.

„Mein Sohn wurde von drei von ihnen zusammengeschlagen“, erzählt die Rintelnerin im Gespräch mit dieser Zeitung. Immer wieder hätten sie ihm gegen den Kopf geschlagen, Kopfnüsse gegeben, und zum Schluss sei ihm einer sogar in den Brustkorb gesprungen. Der Älteste der Angreifer sei 18 Jahre alt gewesen. Die anderen beiden waren 14 und 17 Jahre alt und Brüder, wie die Polizei Rinteln auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Die anderen Jugendlichen hätten zugesehen.

Kleinstadtidylle ist eine Wunschvorstellung

Der Vorfall sei der Freibadleitung bekannt, sagt die Rintelnerin. Umso mehr habe sie deren Aussage erstaunt. „Die dargestellte märchenhafte Kleinstadtidylle ist meiner Meinung nach eher eine Wunschvorstellung“, sagt sie. „Auch in Rinteln gibt es Jugendliche, die Gewalt als ein attraktives Instrument sehen, um ihren Selbstwert zu erhöhen.“ Sie erlebe dies selbst, denn sie arbeite mit Jugendlichen in Hannover.

Bis heute kann die Rintelnerin den Fall nicht ganz begreifen. „Mein Sohn ist breit gebaut und 1,85 Meter groß“, sagt sie, und er sei außerdem Mitglied im Boxverein gewesen. Doch nicht nur er sei Ziel der Angreifer geworden, auch sein Freund sei bedroht worden. Wenn einer von ihnen sich wehre oder die Polizei rufe, würde man sie mit einem Messer verletzen, erzählt die Rintelnerin. „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Keine Hilfe

Nach dem Übergriff habe sich ihr blutig geschlagener Sohn und sein Freund auf den Weg zum Ausgang gemacht. Kein Mitglied des Freibadpersonals habe sie angesprochen, erzählt die Rintelnerin. Durch Zufall seien die Jugendlichen einem Polizisten begegnet, der sie angesprochen habe. Ihr Sohn habe später eine Rintelner Arztpraxis aufgesucht. Die Polizei hat seine Verletzungen aufgenommen: Verletzung an der Nase, Platzwunde am Kopf, blutige Lippe, Schwellungen im Gesicht.

Gegen die drei Täter wird derzeit ermittelt, sie sind polizeibekannt. Gegen sie liegt ein Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft Bückeburg vor, die Anklage: schwere Körperverletzung. Die Rintelnerin tritt als Nebenklägerin auf.

Täter schnell ermittelt

Die Polizei habe freundlich und effektiv gehandelt, Täter und Mittäter seien schnell ermittelt worden, zeigt sich die Rintelnerin zufrieden. Doch bezüglich des Weserangerbades frage sie sich, ob das Bad genügend Personal habe. Der hintere Teil, in dem die Spielfelder liegen, werde scheinbar „nicht beobachtet oder ist aufgrund der Lage schlecht einsehbar“, so die Rintelnerin.

Dem widerspricht Freibad-Chef Stefan Lehmann entschieden: „Der Sohn hat sich bei uns nicht gemeldet“, sagt er im Gespräch. Wenn solch ein Vorfall passiere, sei der „normale Weg“, sich sofort beim Freibadpersonal zu melden. „Wir hätten dann alle weiteren Schritte in die Wege geleitet“, so Lehmann.

Gelände schwer zu überblicken

Natürlich sei das Gelände weitläufig, „so wie in den meisten Freibädern“, sagt Lehmann. Das Personal beobachte sämtliche Bereiche. Aus der Ferne aber könne es im Einzelfall schwierig sein, zu erkennen, ob mehrere Personen einfach nur zusammenstehen oder ob wirklich etwas passiert. „Wenn es einen Tumult gibt, schreiten wir natürlich ein“, so Lehmann.

Die Rintelnerin erkennt in dem Vorgehen der Jugendlichen ein gewisses Muster: Sie „haben hohes Aggressionspotenzial“. Ein Hausverbot sei angemessen. Das sieht Lehmann genauso. Noch laufe das Verfahren, doch wenn sich die Jugendlichen – gerichtsfest – als Täter erweisen sollten, dann werde „selbstredend“ ein Hausverbot ausgesprochen.

Von Marieluise Denecke

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