Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Apelern Isabell Nowak nach schwerem Unfall auf dem Weg nach Tokio
Schaumburg Rodenberg Apelern Isabell Nowak nach schwerem Unfall auf dem Weg nach Tokio
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 20.05.2019
Isabell Nowak (von rechts, mit Wallach Flüsterspiel), Azubi Franziska Schmidt und Reitlehrer Kevin Lensky (mit Hengst Belvedere) auf der Freiluft-Reitanlage. Quelle: gus
LYHREN

Nach einem schlimmen Verkehrs-Unfall im Polizeidienst hatte die Lyhrenerin nur noch vier Prozent der Beweglichkeit im linken Oberkörper zur Verfügung. Mühsam kämpfte sie sich zurück, wobei ihr besonders das Reiten half. Nun ist sie als Dressur-Reiterin sogar auf dem Sprung zu den Paralympics 2020 in Tokio. Dazu bedurfte es – abgesehen vom Talent der derzeit besten Dressurreiterin Schaumburgs – zweier Glücksfälle.

Nach dem Unfall musste Isabell Nowak ihre berufliche Laufbahn bei der Polizei abbrechen. Die nun frei gewordene Zeit investierte sie zunehmend in die Arbeit auf dem Reiterhof. Dann klopfte die Landwirtschaftskammer bei ihr an und fragte, ob sie sich nicht zur Pferdewirtschafts-Meisterin ausbilden lassen will. Ihre Reiterfolge und ihre Tätigkeit als Trainerin und Züchterin hatten sich herumgesprochen. Als Pferdewirtschaftsmeisterin kann die 36-Jährige später auch Berufsreiter unter ihre Fittiche nehmen und Lehrlinge ausbilden.

Ausbilder erkennt Chance

Im Laufe des Lehrgangs bemerkte Ausbilder Hannes Müller dann, dass Isabell Nowak unter einem Handicap leidet. Daher brachte er sie auf die Idee, ins sogenannte Para-Reiten einzusteigen. Denn ihr Können im Sattel hatte im regulären Reitsport bereits zu mehreren Turniersiegen geführt. Eingestuft wurde die Lyhrenerin auf den Beeinträchtigungsgrad fünf (V), also die niedrigste Handicap-Stufe.

Bei der Deutschen Reitschule in Warendorf nahm der Co-Trainer des deutschen Para-Bundeskaders Isabell Nowak und ihr Pferd Fokko unter die Lupe und lud sie postwendend zum Kaderlehrgang ein. Am 6. Mai trudelte schließlich die Einladung zu den Deutschen Meisterschaften in München ein, die Ende Mai/Anfang Juni einen ersten Fingerzeig geben sollen, ob es mit den Paralympics klappt. Im August folgen dann die Europameisterschaften, bei der die finale Auslese vollzogen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht, schätzt Ehemann Torsten Nowak.

Ganzes Spektrum abgedeckt

Dem Regelsport, in dem sie für den Reit-, Zucht- und Fahrverein Stadthagen startet, will die 36-Jährige aber weiterhin treu bleiben. Auch Reitunterricht – für Einsteiger bis zur schweren Klasse erteilt sie nach wie vor auf der Reitanlage der Familie. 38 Pferde gibt es dort, 22 davon stehen für Ausbildungszwecke zur Verfügung. Geritten wird auf einer 60 mal 20 Meter messenden Freiluftanlage und einer 40 mal 20 Meter großen Fläche unterm Hallendach.

Als zusätzlicher Bereiter wurde Kevin Lensky eingestellt, weil dieser sich auf Springreiten spezialisiert hat. Als Auszubildende verstärkt die Lauenauerin Franziska Schmidt das Team. „So können wir das ganze Spektrum abdecken“, erklärt Isabell Nowak. Denn das Springen kommt für sie seit dem Unfall wegen der Sturzgefahr nicht mehr infrage.
Ein Leben ohne Pferde ist für die Nowaks augenscheinlich unvorstellbar.

Auch die Tochter hat Talent

Torsten Nowak, der im Hauptberuf Polizist ist, arbeitet auf der Reitanlage mit der gleichen Hingabe, wie es seine Frau tut. Und die gemeinsame Tochter Carlotta hat im Alter von neun Jahren vor Kurzem ihr erstes Turnier erfolgreich abgeschlossen: Auf Anhieb landete sie auf dem dritten Platz, obwohl sie auf dem mit Abstand kleinsten Pferd ritt.

Kein Wunder, dass die Eltern gewaltig stolz sind auf das offensichtliche Nachwuchstalent. Dies bedeutet aber nicht, dass Carlotta irgendwann zwingend den Reiterhof von ihren Eltern übernehmen muss – diese Entscheidung wollen Isabell und Torsten Nowak allein der Tochter überlassen.

Von Guido Scholl