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Apelern Was in der Alten Schule Soldorf schon so alles los war
Schaumburg Rodenberg Apelern Was in der Alten Schule Soldorf schon so alles los war
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15:05 30.10.2019
Manfred Röver führt die Zuhörer durch die bewegte Geschichte der Soldorfer Schule.
Manfred Röver führt die Zuhörer durch die bewegte Geschichte der Soldorfer Schule. Quelle: gus
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Soldorf

Wo die Alte Schule steht, hatte sich einst ein Salzgewinnungsplatz gefunden. In zwei Siedebehältern wurde dort die heute noch geförderte Sole gekocht. Das übrig bleibende Salz wurde abgefüllt und verkauft.

Salzgewinnung im 19. Jahrhundert gestoppt

Noch heute stammt die Sole im Kurort Bad Nenndorf aus Soldorf. Doch die Salzgewinnung wurde im 19. Jahrhundert zur Maschmühle an der Rodenberger Domäne verlegt.

In Soldorf hatte es laut Aufzeichnungen schon mindestens seit dem 16. Jahrhundert eine Schule gegeben, aber wohl nicht in einem eigenen Gebäude sondern irgendwo zur Miete, wie Röver vermutet.

Erstes Schulgebäude im Jahr 1838

Seinerzeit mochte Soldorf um 50 Einwohner gehabt haben – heute sind es etwa 200. Im Jahr 1838 wurde dann die heutige Alte Schule errichtet – in dem Fachwerkhaus kam eine Dorfschule unter, die aber einem Zweckverband aus den damals eigenständigen Gemeinden Soldorf und Klein Hegesdorf diente.

Historische Schulmaterialien gibt es in Soldorf noch in großer Zahl.

Das älteste noch erhaltene Klassenfoto stammt aus dem Jahr 1910. Darauf ist zu erkennen, dass damals schon der untere Teil des Fachwerks an mindestens einer Wand mit Ziegelsteinen ersetzt worden war.

Tracht schon vor 100 Jahren aus der Mode

Möglich, dass das stark salzhaltige Grundwasser seinen Tribut gefordert hatte, so Röver. Ein Bild aus dem Jahr 1933 zeigt, dass in Klasse eins bis vier insgesamt 35 Kinder unterrichtet wurden. 32 Schüler waren in den Klassen vier bis acht untergebracht. Bereits da trugen längst nicht mehr alle die Schaumburger Tracht.

1912 wurde eine Zeichnung zwecks Erweiterung der Schule angefertigt. „Wirtschaftlich war das eine gute Zeit. Da konnte man es sich leisten, solch ein üppiges Gebäude zu errichten“, erklärte der Referent.

Heizer war eine beliebte Aufgabe

In dem Zusatzbau, der 1913 entstand, befand sich damals der Schulsaal. Dieser Trakt, an den später das Feuerwehrhaus angebaut wurde, weist im Inneren weitestgehend noch heute die originale Raumaufteilung auf.

Heizen war darin noch in späteren Zeiten ein wichtiges Thema – ein Schüler wurde eigens als Heizer abgestellt. Und das war ein beliebter Job, wie ein Zuhörer aus eigener Erinnerung erzählte.

Ställe für Ziegen und Schweine

An der Seite, wo heute die Theke installiert ist, befanden sich die Schulbänke, die Tafel war an der gegenüberliegenden Seite angebracht. Ein Nebengebäude enthielt zusätzlich zu einer Waschküche und Toiletten – selbstverständlich ohne Wasserspülung – Ställe für Ziegen und Schweine. Denn auch der Lehrer samt Familie musste ernährt werden.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten größere Jahrgänge die Dorfschule, denn auch die Kinder der Flüchtlinge mussten dort unterkommen. Ab Ende der sechziger Jahre wurden erste Schüler aus Soldorf in Rodenberg unterrichtet.

Schul-Aus noch vor der Gebietsreform

1971 – noch vor der Gebietsreform – wurde die Dorfschule endgültig geschlossen. „Der Schulsaal wurde zum Dorfgemeinschaftshaus“, so Röver. Ab 1975 kam dann ein Kindergarten der neu gebildeten Gemeinde Apelern in dem Gebäude unter.

Heute dient der Saal wieder als Dorfgemeinschaftsraum und auch als Schaumburgs kleinster Theatersaal – für die Soldorfer Laienspielgruppe. Das alte Nebengebäude verschwand, als das Feuerwehrhaus errichtet wurde.

Heute die kleinste Bühne in Schaumburg

1993 drohte der Verkauf der Alten Schule, was die Soldorfer abwenden konnten.

Es folgte die Sanierung des Fachwerkhauses unter Rövers Regie. Dort befindet sich dort die Beratungsstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus für Sanierungswillige Hausbesitzer.

Von Guido Scholl