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Hülsede Zoff um Zuwachs im Dorfkern von Hülsede
Schaumburg Rodenberg Hülsede Zoff um Zuwachs im Dorfkern von Hülsede
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13:17 22.11.2018
Ob es bald auch im Herzen von Hülsede so aussieht und gebaut wird, ist noch unklar.
Ob es bald auch im Herzen von Hülsede so aussieht und gebaut wird, ist noch unklar. Quelle: Symbolfoto, dpa
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Hülsede

„Ich kann die Bedenken in kleinen Teilen nachvollziehen und versuche sie zu verstehen“, sagt Bürgermeisterin Marion Passuth auf Anfrage dieser Zeitung. Die Art und Weise, wie die Bürger ihre Anliegen an sie und ihre Ratskollegen herangetragen hätten, sei allerdings nicht hinnehmbar.

"Ich dachte, wir können hier auf dem Dorf vernünftig miteinander reden"

„Die Tonart hat mich wirklich geärgert“, so Passuth. Diese sei nicht sachlich sondern vielmehr aggressiv gewesen. „Dabei dachte ich, wir können hier auf dem Dorf vernünftig miteinander reden.“

Konkret habe sie der fordernde Ton mancher Hülseder gestört. Die Anwohner beklagen in ihrem Brief unter anderem, dass sich die Gemeinde bisher zu wenig um die Frischwasserversorgung für das geplante Baugebiet zwischen den Straßen Dunkle Straße und Schulstraße gekümmert habe und weisen auf Probleme beim Naturschutz hin. Zudem fordern sie einen Abstand von 15 Metern zwischen dem Neubau-Areal und ihren eigenen Häusern.

Passuth, die selbst in der Steinecke wohnt und nach eigenen Angaben den freien Blick in die naturbelassene Landschaft schätzt, hat für dieses Anliegen zwar Verständnis, weist die Verantwortung aber von sich. „Ich kann doch keinem Grundstückseigentümer Vorgaben machen, wem er sein Bauland verkauft“, sagt die Bürgermeisterin. Wer keine Nachbarn um sich herum haben will, müsse sich ein größeres Grundstück kaufen.

Neubürger sollen in den Dorfkern integriert werden

„Es gibt aber Bauvorschriften“, versucht Passuth zu beschwichtigen. Das Neubaugebiet in Hülsede solle sich keinesfalls an jenem zwischen Rodenberg und Algesdorf orientieren, wo sich Nachbarn „Marmeladengläser über den Zaun ins Küchenfenster reichen“ könnten.

Neben der Tonalität ärgert Passuth auch der Zeitpunkt, zu dem die Bedenken an sie und ihre Kollegen herangetragen wurden. „Wir diskutieren hier über Sachen, die noch gar nicht spruchreif sind“, erklärt die Bürgermeisterin. Dadurch würden die Planungen für ein neues Baugebiet im Herzen des Dorfes schon im Anfangsstadium erstickt, so Passuth.

Ihrer Ansicht nach ist dies der falsche Weg. Immerhin könne sich „ein Dorf nur mit Neubürgern fortentwickeln“. Und die sollten lieber direkt im Dorfkern leben, um dort schnell Anschluss zu finden, anstatt abgeschieden in einer neuen Siedlung am Ortsrand zu wohnen.

Infoabende gehen nach hinten los

Um diese Überzeugung mit den Einwohnern Hülsedes zu teilen, habe die Gemeinde zwei Infoabende im April und Juni einberufen. „Wir wollten die Bürger eigentlich mit ins Boot holen und dachten, das findet großen Anklang.“ Letztlich seien die beiden Veranstaltungen dann aber voll nach hinten losgegangen. Bereits nach dem ersten Treffen habe die Gemeinde Briefe aus den Reihen der Anwohner erhalten. Das Schreiben, das dieser Redaktion zugespielt wurde, folgte schließlich nach einer Ratssitzung zu dem Thema.

In dem Brief wird neben den genannten Punkten auch moniert, dass neue Spiel- und Kitaplätze sowie Ausgleichsflächen für Grünland gefunden werden müssten. Außerdem sei die Sportanlage nicht ausreichend lärmgeschützt. „Diese Vorwürfe sind zum Teil aus der Luft gegriffen“, erklärt die Bürgermeisterin hierzu.

In besagter Ratssitzung wurde auch die Aufstellung eines Bebauungsplan für die Fläche Im Dorfe beschlossen. Übrigens versehen mit dem Zusatz, dass die Bedenken der Anwohner dabei Anerkennung finden sollen. „Wir können aber ganz sicher nicht jede Anregung berücksichtigen“, schränkt Passuth ein.

von Lennart Hecht