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Lauenau Anwalt von Uwe K. zielt auf Freispruch
Schaumburg Rodenberg Lauenau Anwalt von Uwe K. zielt auf Freispruch
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00:19 26.08.2018
Von der Unschuld seines Mandanten überzeugt: Verteidiger Christoph Hessel.
Von der Unschuld seines Mandanten überzeugt: Verteidiger Christoph Hessel. Quelle: ly
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Lauenau/Hildesheim

„Das Ziel der Verteidigung ist ein Freispruch“, erklärt der Rechtsanwalt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass mein Mandant seine Frau nicht getötet hat.“ Hessel geht davon aus, dass K‘s frühere Geliebte und ein unbekannter Dritter die Tat begangen haben. Das sei am plausibelsten.

2017 wurde K. zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Das Bückeburger Schwurgericht hatte dies anders gesehen. Im Januar 2017 war der Ofenbauer (damals 46) zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, allerdings wegen Totschlags. Die Kammer glaubte der früheren Geliebten des Handwerksmeisters, die damals am Tatort war, und ging von einer spontanen Tat aus, nicht von einem geplanten Verbrechen.

Nachdem K. die Geliebte an jenem 27. Mai 2015 unbemerkt ins Haus geschleust habe, so hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung sinngemäß, soll er seine Frau aus Angst vor Entdeckung mit einem Kantholz niedergeschlagen haben. Nach Überzeugung der Richter hatte Ines K. die Werkstatt betreten, in deren Halbdunkel sich die Nebenbuhlerin versteckt hielt. Nach den Schlägen war das schwer verletzte Opfer mit Müllsäcken erstickt worden.

Gutachten sollte zeigen, dass Aussage der Geliebten "nicht zutreffen kann"

In der Revision hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil zwischenzeitlich aufgehoben. Der BGH war zu dem Schluss gekommen, dass die Bückeburger Richter einen Beweisantrag der Verteidigung mit fehlerhafter Begründung abgelehnt hatten. Um die Aussage der Ex-Geliebten zu erschüttern, hatten Hessel und sein Kollege Dirk Baumann ein Gutachten zu Blutspritzern gefordert. Dies sollte zeigen, „dass die Schilderung des Tatgeschehens durch die Geliebte in zentralen Punkten wesentlich falsch war und nicht zutreffen kann“.

Nicht nur in diesem Punkt verspricht sich Christoph Hessel von dem BGH-Beschluss, „dass die Hildesheimer Richter eine Denk- und Sichtweise einnehmen, insbesondere bei der Bewertung der Aussage der Zeugin, die ihre Bückeburger Kollegen in erster Instanz als irrelevant erachtet haben“.

K. sitzt seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft

Durch die Entscheidung des BGH, so Hessel, habe der Angeklagte wieder Hoffnung gefasst. „Seine Frau ist tot, seine berufliche Existenz zurzeit zerstört. Natürlich ist er ungeduldig und will raus. Aber er findet sich mit den Notwendigkeiten ab.“ K. sitzt seit September 2015 in Untersuchungshaft.

Fest steht: Selbst im Fall eines Schuldspruchs wegen Mordes kann keine höhere Strafe herauskommen. Nachdem die Bückeburger Staatsanwaltschaft ihre Revision zurückgezogen hat, gilt das Verschlechterungsverbot.
Im Urteil hatte Richter Norbert Kütemeyer der Verteidigung vorgeworfen, Beweisanträge „aus taktischen Gründen häppchenweise nachgeschoben“ zu haben.

„Wenn ich so viele Anträge stelle, ist das keine Strategie, sondern Notwendigkeit, die sich hier für mich jeweils auch erst aus den vorangehenden Beschlüssen oder Beweisergebnissen ergab“, sagt Hessel dazu. „Hier soll möglicherweise ein Unschuldiger für etwas büßen, das er nicht getan hat.“

Wesentliche Fragen ungeklärt

Aus Sicht der Verteidigung sind wesentliche Fragen bisher nicht geklärt. Zum Beispiel sei offen geblieben, was es mit einem Knopf auf sich habe, der unter der Leiche lag. Der Knopf soll zu einer Zirkusuniform gehört haben – die Geliebte war früher Artistin. Außerdem will Hessel wissen, wer jener Mann ist, mit dem die Frau kurz nach der Tat telefoniert haben soll – und den sie „kleiner Bruder“ nannte.

Der erste Prozess hatte sich über 41 Verhandlungstage hingezogen. In dieser Zeit stellten die Verteidiger 57 Beweisanträge. Einem Teil ging das Gericht nach. ly

„Sicher überführt“

Am Ende des ersten Prozesses hatten die Richter Uwe K. für „sicher überführt“ gehalten. So habe der Angeklagte „keinerlei Regung gezeigt“, als seine Ex-Geliebte am dritten Verhandlungstag ihre bisherige Aussage wiederrief, wonach sie zur Tatzeit in Bad Nenndorf gewesen sein will. Nun erklärte die Frau plötzlich, sie sei Augenzeugin der Bluttat gewesen. „Der Angeklagte wirkte wie jemand, der damit gerechnet hat“, hieß es während der Urteilsverkündung.

Es sei genauso kaltblütig geblieben wie nach der Tat, als er mit seiner Tochter ins Eiscafé gegangen sei. Außerdem soll sich der Handwerker in Telefonaten mit seiner Geliebten, abgehört von der Polizei, verraten haben. Einmal sagte er, dass er „keinen Fehler machen“ dürfe. Für die Tatzeit habe der Ofenbauer kein Alibi gehabt.

DNA-Spuren unbekannter Dritter hätten sich am Tatort nicht gefunden. K. habe Hautabschürfungen an den Armen gehabt. Bereits die Indizien, so Richter Kütemeyer, seien sehr belastend. Hinzu komme die Aussage der Ex-Geliebten. ly