Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Lauenau Diese Geheimnisse gab ein 230 Jahre altes Haus beim Abriss preis
Schaumburg Rodenberg Lauenau Diese Geheimnisse gab ein 230 Jahre altes Haus beim Abriss preis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:29 25.06.2019
Manfred Röver untersucht eine seltene Rauchhaube auf der Baustelle. Quelle: nah
Anzeige
LAUENAU

Doch es sorgt bei Fachleuten auch für Rätselraten. Ein hölzerner Türsturz könnte sie noch länger beschäftigen. Als die Baggerzähne sich behutsam an Fachwerk, Decken und Wänden zu schaffen machten, schien zunächst noch alles klar. Backsteine unterschiedlicher Güte füllten die Gefache aus, hier und da Lehmziegel und sogar noch Flechtwerk mit Lehmschlag aus ursprünglicher Zeit. „Das Haus ist immer wieder verändert und modernisiert worden“, bemerkte der Soldorfer Experte Manfred Röver anerkennend.

Vor allem eine seltene Rauchhaube hatte es ihm angetan, nachdem er schon vor Jahren einmal das Gebäude inspiziert hatte. In der früheren Küche öffnete sich über der damals noch offenen Feuerstelle ein Abzug, der mit der direkt daneben gelegenen Räucherkammer verbunden war.

Anzeige

„Typisches Kleine-Leute-Haus"

Als das Abbruchunternehmen, das den Edeka-Neubau quais vorbereitet, den Schieferbehang auf der zur Straße gelegenen Fassade abnahm, tauchte am ehemaligen Hauseingang ein hellblau gestrichener Türrahmen auf. „Typisches Kleine-Leute-Haus“, urteilte Röver zunächst über den kleinen Balken.

Während die Fassaden landwirtschaftliche Gebäude oder großer Bürgerhäuser oft die Namen der Erbauer und ein frommer Spruch zierten, waren hier nur ein gemaltes Schmuckband und die Inschrift „Anno 1789“ angebracht. Die Jahreszahl stimmte mit dem Ergebnis einer früheren dendrochronologischen Untersuchung der im Gebäude verwendeten Eichenbalken weitgehend überein.

Viele historisch bedeutsame Details kommen beim Abbruch zum Vorschein.

Doch ins Grübeln kam Röver, als er die ebenfalls im Balken eingeschnitzte Hausnummer 38 entdeckte. Denn nach den beim Lauenauer Heimat- und Museumsverein vorliegenden Listen trug das Grundstück vor der Vergabe von Straßennamen die fortlaufende Nummer 50. Die 38 gehörte zum heutigen Haus Nummer 5 am Rundteil. Sollte vielleicht das ganze Gebäude oder wenigstens der Türrahmen versetzt worden sein?

Altes Foto hilft beim Rätseln

Ersteres wurde rasch ausgeschlossen. Doch für die alternative Theorie spricht inzwischen ein altes Foto vom Rundteil aus dem 19. Jahrhundert, das Heimatvereins-Vorsitzender Jürgen Schröder vorgelegt hat. Darauf ist an dem fraglichen Gebäude eine Eingangskonstruktion erkennbar, die dem heutigen Zustand im Haus Kölle entspricht. Röver will den Wechsel nicht ausschließen. So wie früher alte Eichenbalken in neuen Gebäuden Verwendung fanden, seien zur Kostenersparnis auch andere Materialien weitergegeben worden.

Inzwischen ist auch Schröder fasziniert von den Ereignissen. Eigentlich findet sich im Museum kaum noch Platz für weitere Exponate. Deshalb wollte er den Türsturz zunächst nur fotografieren und die Umstände des Zugangs dokumentieren. Denn das Abbruchunternehmen hatte keinen Augenblick gezögert, den Fund der lokalen Forschung zu überlassen. Doch nun will er der „Geschichte weiter auf den Grund gehen“.

Balken im Museum

Mit Bauexperte Röver ist er sich inzwischen einig: Spuren eines schwach verlaufenden Bogenansatzes lassen erkennen, dass die Seitenpfosten einmal anders positioniert waren. Dies spreche für eine frühere anderweitige Verwendung.

Als der Balken endlich im Flur des Museums lag, zeigte sich, wie sehr die Zeit von 230 Jahren und insbesondere die Witterung ihm schon zugesetzt haben. Auch die kleine Fensterreihe über dem Türsturz ließ sich nicht mehr retten.

Von Bernd Althammer

Anzeige