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Lauenau Drogenhändler aus Feggendorf verurteilt: 33.000 Euro eingezogen
Schaumburg Rodenberg Lauenau Drogenhändler aus Feggendorf verurteilt: 33.000 Euro eingezogen
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18:24 12.07.2019
In seiner Wohnung in Feggendorf hat der 36-Jährige in großem Stil und mit grünem Daumen Marihuana angebaut. Quelle: Symbolfoto, dpa
Feggendorf/Stadthagen

Auf dem Richtertisch liegt die geöffnete Prozessakte mit Fotos einer früheren Drogenplantage in Feggendorf. „Eine der ordentlichsten, funktionellsten und strukturiertesten Plantagen der letzten Jahre“, stellt Staatsanwalt Lukas Veith fest. „Tiptop“, stimmt Richter Kai Oliver Stumpe zu. Als Kompliment ist beides nicht gemeint.

So hoch fällt die Strafe für den Drogenhändler aus

Mag sein, dass der frühere Betreiber der Marihuana-Plantage einen grünen Daumen hat. Was er getan hat, ist trotzdem strafbar und wird juristisch sogar als Verbrechen eingestuft. Das Schöffengericht Stadthagen hat den 36-Jährigen deshalb zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt.

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Für den Angeklagten spricht, dass er bisher nicht vorbestraft ist, ein Geständnis abgelegt hat und einer geregelten Arbeit nachgeht. Außerdem hatte er zugestimmt, dass sein Geld und alle technischen Geräte eingezogen werden und nun dem Land gehören. Das heißt, der Feggendorfer muss sich von 3000 Euro Bargeld sowie einem Bankguthaben in Höhe von fast 30.000 Euro verabschieden.

Reiche Ernte: Polizisten stoßen auf rund 2,5 Kilo Marihuana

Dieses Geld stammt offenbar aus Straftaten. Das sieht auch Verteidiger Clemens Anger so. „Aus der Akte ergibt sich, dass es Bareinzahlungen waren“, erklärte der Anwalt. Ebenfalls eingezogen werden Geräte im geschätzten Wert von bis zu 3000 Euro, darunter diverse Handys, Notebooks und Tablets.

Angelegt hatte der Betreiber die Plantage in einem Anbau seines Hauses. Polizisten waren dort auf fast 2,5 Kilogramm Marihuana gestoßen – die gerade eingefahrene Ernte. „Dies hätte zu Einnahmen von sicherlich 10.000 Euro geführt“, rechnete Staatsanwalt Veith vor. Etwa 300 Gramm waren zum eigenen Konsum bestimmt, der Rest für den Verkauf.

Durch Zufall: So kam die Drogen-Plantage ans Licht

Der Wirkstoffgehalt lag über 14 Prozent. „Was auf der Straße verkauft wird, ist meistens von schlechterer Qualität“, merkte Richter Stumpe an. Darüber hinaus wurden in dem Anbau haufenweise neue Pflanzen und Stecklinge gefunden, die knapp 4,8 Kilogramm „Gras“ ergeben hätten, genug für weitere 20.000 Joints.

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Auf die Schliche gekommen waren Polizisten dem Plantagenbesitzer eher durch Zufall. Anlieger hatten gemeldet, dass ein Unbekannter einen Stein in die Scheibe geworfen habe und weggelaufen sei. Das sah nach versuchtem Einbruch aus. Beim Untersuchen der Fensterscheibe fiel den Beamten dann die Anlage auf. „Die Polizisten mussten nur mit einem Fuß ins Zimmer treten, als ihnen schon ein überwältigender Geruch entgegenschlug“, erinnerte Richter Stumpe.

Angeklagter suchte Flucht nach vorne - und wird dafür gelobt

„Für meinen Mandanten war es auch ein bisschen Liebhaberei“, meinte Verteidiger Anger angesichts einer „professionellen Anpflanzung mit allem, was dazugehört“: Lampen, Ventilatoren, Schläuche, Folien. „Wenn es den Pflanzen gut geht, fühlt man sich natürlich bestätigt“, so Anger.

Zuletzt hatte der Angeklagte alles richtig gemacht. „Bei dieser Beweislage war Flucht nach vorn genau die richtige Strategie“, sagte Richter Stumpe mit Blick auf das Geständnis des Angeklagten und dessen Verhalten nach der Tat. So war der 36-Jährige freiwillig zu drei Gesprächen bei der Drogenberatung gegangen und hatte sich Urinkontrollen unterzogen. Damit ist er denkbaren Bewährungsauflagen zuvorgekommen.

„Ich habe jetzt eine feste Arbeit und gehe regelmäßig zum Sport“, berichtete der Angeklagte selbst. „Wer weiß, was sonst gekommen wäre.“ ly

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