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Lauenau Eintritt fürs WC - das wundert US-Amerikaner an Deutschland
Schaumburg Rodenberg Lauenau Eintritt fürs WC - das wundert US-Amerikaner an Deutschland
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00:22 15.06.2019
Patin Katja Keul und Austauschschüler Mathew Dickinson auf der Lauenauer Plaza samt Casala-Denkmal.
LAUENAU/BAD NENNDORF

Mit unserer Zeitung hat Dickinson auf sein Jahr als Austauschschüler des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) zurückgeblickt. Seine Gasteltern waren Dominique und Michael Minkley aus Lauenau, seine Patin im Bundestag die Grünen-Politikerin Katja Keul.

Dass manchmal in Deutschland teils für die Toilettennutzung am Strand bezahlt werden muss, oder auch für Wasser in Restaurants Geld verlangt wird, hat ihn reichlich gewundert. Aber nach drei Jahren Deutschunterricht in der Schule sei er auf einige kulturelle Unterschiede bereits vorbereitet gewesen – wie beispielsweise auch auf die Freibäder, die in den USA kaum verbreitet sind.

Hamburg, Köln und Berlin gesehen

Außer Berlin, wo er im Reichstag auch den früheren Finanz- und Innenminister Wolfgang Schäuble traf, besuchte der US-Amerikaner die Städte Hamburg, Köln und Bremen. Grundsätzlich ist Dickinson stark an Politik interessiert, wobei es bislang vor allem die Politik seines Herkunftslandes war.

In Deutschland hat der junge Mann recht schnell Anschluss gefunden. Auch schulisch hatte er wenig Probleme, wobei der Stundenplan komplett anders gestaltet ist als er es gewöhnt war. Zur Schule ging der Besucher in Bad Nenndorf, wo er die 11. Klasse des Gymnasiums absolvierte. Zurück in seiner Heimat geht er in denselben Jahrgang zurück, dem er auch vor seinem Auslandsjahr angehört hatte.

Mathew Dickinson lebt in den USA am Ufer des Lake Michigan. dpa

Die hiesigen Schüler hält er für weniger politisch interessiert als jene in seiner Heimat – trotz der Fridays for Future. Diese Bewegung findet Dickinson gut, denn in den USA werde weniger ökologisch gedacht als in Deutschland.

In den USA lebt Dickinson im Bundesstaat Michigan in der 10 000-Einwohner-Kleinstadt namens Grand Haven – also in etwa die Größe Bad Nenndorfs. In Lauenau spielte er beim SV Victoria Badminton. Diesen Sport lernte er ganz neu. „Ich habe Badminton ausprobiert und gedacht: Das muss ich weitermachen“, erzählt er. Am 26. Juni geht es zurück über den Großen Teich.

Eindruck fürs ganze Leben

Eine Abschiedsparty will Dickinson nicht feiern, weil er „nicht so der Party-Typ“ sei, wenn es um ihn selbst gehe. Eine emotionale Bindung zu Deutschland wird er aber wohl für sein ganzes Leben behalten. „Das ist auch das Ziel dieses Programms“, erklärt Keul.

Dickinson würde Altersgenossen auf jeden Fall empfehlen, auch ein Auslandsjahr zu absolvieren, das ihm persönlich viel gebracht habe. Insgesamt war es „ein wunderschönes Jahr“, betont der junge US-Amerikaner, der nach seiner Rückkehr und dem High School Abschluss Psychologie studieren will. Sein eigenes Land werde er von nun an aber auch teils in einem etwas anderen Licht sehen.

Von Guido Scholl