Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Lauenau Fall Uwe K.: Von elfeinhalb Jahren Haft bis Freispruch alles möglich
Schaumburg Rodenberg Lauenau Fall Uwe K.: Von elfeinhalb Jahren Haft bis Freispruch alles möglich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:34 21.03.2019
Quelle: dpa
Anzeige
Lauenau/Hildesheim

Im zweiten Mordprozess gegen Uwe K. aus Lauenau wird heute, Freitag, das mit Spannung erwartete Urteil des Hildesheimer Schwurgerichts verkündet. Dabei steht für zwei Menschen viel auf dem Spiel. Handwerksmeister Uwe K., der im Mai 2015 seine Frau Ines getötet haben soll, hofft auf einen Freispruch, muss aber befürchten, erneut schuldig gesprochen zu werden.

Falls der Angeklagte diesmal wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt wird, könnte es auch für seine frühere Geliebte Raffaela L. eng werden. „Neue Erkenntnisse in dem Hildesheimer Verfahren würden uns in die Lage versetzen, einen Anfangsverdacht zu begründen, um gegen sie Ermittlungen wegen Mordes einzuleiten“, so Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, auf Anfrage.

Anzeige

Räumte das Pärchen die Ehefrau gemeinsam aus dem Weg?

Der Hildesheimer Oberstaatsanwalt Oliver Paul geht davon aus, dass der Ofenbauer und seine Geliebte das Opfer gemeinschaftlich ermordet haben, um zu zweit ein neues Leben beginnen zu können. In seinem Plädoyer hatte Paul diese Annahme vor allem auf ein neues Blutspritzer-Gutachten gestützt. Die Ehefrau soll dem Pärchen im Weg gestanden haben.

Ines K., zum Zeitpunkt ihres gewaltsamen Todes 42 Jahre alt, war im Zwischentrakt des Wohn- und Geschäftshauses mit Kanthölzern niedergeschlagen und anschließend mit mehreren Müllsäcken erstickt worden. Oberstaatsanwalt Paul glaubt, dass die Geliebte an der Feuerschutztür gestanden und zuerst zugeschlagen hat.

Untersuchungshaft für Geliebte unwahrscheinlich

Dass die frühere Zirkusartistin im Fall einer Verurteilung Uwe K.s wegen gemeinschaftlichen Mordes ebenfalls in Untersuchungshaft kommt, gilt dagegen zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich. Dazu müsste dringender Tatverdacht bestehen. Ein Haftgrund, etwa Fluchtgefahr, ist dagegen nicht unbedingt nötig. Bei Mord und Totschlag kann die U-Haft auch angeordnet werden, wenn keine Haftgründe vorliegen.

Im ersten Prozess, seinerzeit vor dem Schwurgericht in Bückeburg, hatten die Richter der Ex-Geliebten geglaubt und ihre Entscheidung teilweise auf deren belastende Aussage gestützt, zum anderen Teil auf eine Reihe von Indizien, die aus ihrer Sicht gegen Uwe K. sprechen. Raffaela L. behauptet, lediglich Augenzeugin der Tat gewesen zu sein. Zu Beginn ihrer Bückeburger Vernehmung hatte die Frau aus Hannover angegeben, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein, bevor sie vor Gericht eine Kehrtwende vollzog und erklärte, die Tat aus einem Versteck beobachtet zu haben.

Erneut Revision möglich

Von der Unschuld seines Mandanten, in Bückeburg wegen Totschlags verurteilt, ist Verteidiger Christoph Hessel überzeugt. Er glaubt, dass die Geliebte das Opfer zusammen mit einem unbekannten Dritten getötet hat.

Falls Uwe K. heute erneut schuldig gesprochen wird, kann er auch gegen diese Entscheidung Revision beim Bundesgerichtshof einlegen lassen, wie er es bereits nach dem Bückeburger Urteil getan hatte. Die erstinstanzlichen Richter hatten elf Jahre und sechs Monate Haft verhängt. Mehr geht nicht. Weil die Staatsanwaltschaft ihre zunächst eingelegte Revision später zurückgezogen hat, darf sich der Angeklagte beim Strafmaß nicht verschlechtern, wohl aber beim Schuldspruch: Ihm könnte eine Verurteilung wegen Mordes drohen. Oder K., der seit Ende September 2015 in U-Haft sitzt, verlässt das Gericht heute als freier Mann. ly