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Lauenau So heftig streitet Lauenau über die Boule-Pläne im Volkspark
Schaumburg Rodenberg Lauenau So heftig streitet Lauenau über die Boule-Pläne im Volkspark
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16:59 16.10.2019
Der Ausschussvorsitzende Uwe Heilmann (Mitte) sieht sich im Volkspark umringt von Dutzenden Gegnern des Bouleanlage-Plans. Quelle: göt
LAUENAU

Schon im Vorfeld war im Flecken zu dem Thema Stimmung gemacht worden. Zu der vorausgehenden Besichtigung des Ausschusses im Volkspark versammelten sich etwa 150 Lauenauer – auf einer Liste summierten sich 665 Unterschriften von Gegnern der Pläne.

Gemeindedirektor niedergebrüllt

Die Bemühungen von Gemeindedirektor Sven Janisch, die Debatte in die Sitzung im Anschluss zu verschieben, wie es die Regularien vorsehen, wurden förmlich niedergebrüllt. Daraufhin merkte jemand an, es sei „merkwürdig“, dass der Gemeindedirektor auch Kassenwart des Bouleclubs ist.

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Janisch entgegnete, dass er nicht stimmberechtigt ist, sondern moderieren wolle. Er sei in vielen Vereinen des Fleckens privat aktiv.

Flügblätter um Umlauf

Unter dem eigentlichen Tagesordnungspunkt führte Janisch noch einmal aus, dass im Frühjahr die Empfehlung ausgesprochen wurde, dem Vorschlag des Clubs zu folgen und eine Bahn samt Toiletten und Geräteraum im Volkspark zu bauen. Im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss wurde dieser Beschluss bestätigt.

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Kürzlich seien Flugblätter im Ort verteilt worden, die nicht auf den Unterlagen fußen, die in der Beratung waren, sagte Janisch. So sei beispielsweise von deutlich höheren Kosten und einer größeren Fläche die Rede gewesen.

Mit diesen Flugblättern wirbt die Bürgerinitiative in eigener Sache. Foto: gus

Herbert Zimmermann (CDU) sagte, dass bei der gemeinsamen Entscheidung nicht klar gewesen sei, dass es Widerstand gegen diese Lösung gibt. Er brachte deshalb den Antrag ein, im Volkspark nur eine kleine Bahn anzulegen – ohne WC – und die große Lösung im Sportpark anzusiedeln.

Volker: Park wird wieder attraktiver

Für eine Sitzungsunterbrechung zum Anhören der Bürger plädierte Nicole Wehner (WGLF). Sie befand zudem, dass eine Toilettenanlage eher am ZOB sinnvoll sei, nicht im Volkspark. Ausschussvorsitzender Uwe Heilmann (SPD) entgegnete, dass es dort bereits öffentliche WCs gibt.

Klaus-Werner Volker (SPD) erinnerte daran, dass der Park nach einer deutlich weniger attraktiven Phase nun wieder zu einem Treffpunkt für Menschen wird. Aus diesem Grund sei eine Toilettenanlage dort notwendig, auch weil künftig mehr Veranstaltungen angeboten werden sollen.

Sportverein will Bouleanlage

Zuhörerseitig ergriff Dieter Meimbresse zuerst das Wort. Es seien „Fakenews“ im Umlauf gewesen, dass der SV Victoria gegen eine Bouleanlage im Sportpark sei – dabei begrüße der Verein die Idee. „Was spricht dagegen, die Einladung anzunehmen?“, so Meimbresse. S

päter erklärte auch Bernd Schwarz, SV-Vorstandssprecher, dass der Verein keine Bedenken habe. Meimbresse forderte ein Gesamtkonzept für den Volkspark statt einer Einzelmaßnahme. Bernhard Arnold, Nachbar der betroffenen Fläche, schlug vor, mit einer mobilen Toilettenanlage bei Veranstaltungen zu arbeiten.

Was können die Gegner noch erreichen?

Ein Zuhörer fragte, was gegen den im Frühjahr gefällten Beschluss gemacht werden könne. Heilmann entgegnete, dass der Beschluss zur Bouleanlage durch sei. Jetzt sei nur noch das Haus Thema, wofür nun eine Empfehlung ausgesprochen werde. Der endgültige Beschluss werde im Verwaltungsausschuss gefasst. Dieser tagt nicht öffentlich.

Ihr habt die Grenzen der Lächerlichkeit doch längst überschritten.

Boulebahn-Gegner

„Ihr habt die Grenzen der Lächerlichkeit doch längst überschritten“, mussten sich die ehrenamtlichen Politiker daraufhin anhören. Für seinen Erklärungsversuch, dass es im Frühjahr die Chance zur Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben hatte, erntete Janisch höhnisches Gelächter.

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Gekippt werden könne der Vorschlag nur, wenn sich die Sach- und Rechtslage ändere, führte er unbeirrt aus. Der Beschluss sei unter falschen Voraussetzungen gefasst worden, behauptete Arnold.

Schließlich habe er Janisch gesagt, dass er „ganz massiv“ dagegen sei, in der Beratung habe es aber geheißen, es habe niemand etwas gegen die Pläne einzuwenden.

Toilette als "Trojanisches Pferd"

Die Sachlage habe sich dahingehend geändert, dass der SV die Tür groß aufgemacht hat, sagte Wehner. Zimmermann schlug vor, den Punkt komplett von der Tagesordnung zu streichen. „Das Toilettenhäuschen ist als Trojanisches Pferd gedacht, um uns gleichzeitig auch die Bouleanlage mit zu verkaufen“, sagte er.

Im Verwaltungsausschuss solle ein neuer Beschluss her. Wehners Antrag, das WC abzulehnen, wurde überstimmt. Unter Buhrufen und Pfiffen blieben die vier Stimmberechtigten der SPD letztlich bei ihrem Kurs und votierte bei drei Gegenstimmen von CDU und WGLF für den Bau der Anlage.

Gegner wollen "grüne Oase" erhalten

Wie die Bürgerinitiative Pro Volkspark (BI) betonte, sei ihr Wirken nicht als Affront gegen die Boulespieler zu werten. Es gehe darum, das Areal als „grüne Oase“ zu erhalten. „Es ist traurig, dass man an die letzte grüne Fläche rangeht“, sagte Arnold in der Bürgerfragerunde am Schluss.

Obwohl er vorher etliche Wortmeldungen zugelassen hatte, die teils auch bloße Stellungnahmen beinhalteten, würgte Heilmann Arnold an dieser Stelle ab – unter diesem Punkt seien Anfragen und keine Statements erwünscht.

Kritik an SPD direkt nach Sitzung

„Für die Anwesenden war das eine Lehrstunde über das Demokratieverständnis der SPD-Mehrheitsfraktion“, erklärte die BI in einer Pressemitteilung noch am gleichen Abend.

Von Andrea Göttling