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Lauenau Verteidigung drängt auf Ortstermin
Schaumburg Rodenberg Lauenau Verteidigung drängt auf Ortstermin
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18:02 16.01.2019
Mit einem blauen Hemd bekleidet erscheint der Angeklagte Uwe K. aus Lauenau vor dem Landgericht Hildesheim. Im Prozess steht ihm Anwalt Christoph Hessel zur Seite. Quelle: göt
Lauenau/Hildesheim

„Zwei Tage brauchen wir noch“, glaubt Rechtsanwalt Christoph Hessel, einer von zwei Verteidigern. Hessel hält auch in diesem zweiten Prozess einen Ortstermin am Tatort in Lauenau für unverzichtbar. Einen entsprechenden Antrag hat er bereits angekündigt. Um die Tat rekonstruieren zu können, will der Anwalt außerdem ein kriminaltechnisches Gutachten beantragen, das seinen Mandanten entlasten soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 47-Jährigen vor, seine Frau Ines im Mai 2015 in der Werkstatt des Wohn- und Geschäftshauses mit einem Kantholz niedergeschlagen und das Opfer anschließend mit drei Müllsäcken erstickt zu haben, um mit seiner Geliebten ein neues Leben beginnen zu können. Im Prozess gegen K. ist die ehemalige Zirkusartistin die Hauptbelastungszeugin.

Anwalt der Nebenklage glaubt Aussage der Ex-Geliebten

Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der die Nebenklage und damit den Vater des Opfers vertritt, glaubt der früheren Geliebten (46) und geht davon aus, dass Uwe K. zugeschlagen hat. „Wenn die Richter Zweifel am dringenden Tatverdacht hätten, müsste der Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen werden“, betont er.

Doch auch ohne die belastende Aussage der Frau, so Hüttl, gebe es genügend Indizien. „Das Schwurgericht in Bückeburg hat das Hauptverfahren damals schließlich ohne diese Aussage eröffnet“, erinnert er. Erst in ihrer zweiten Vernehmung vor Gericht hatte die Frau aus Hannover den Handwerker belastet.

Hessel geht davon aus, dass K. unschuldig ist

Verteidiger Christoph Hessel geht unverändert davon aus, dass sein Mandant unschuldig ist. „Möglicherweise hat er geahnt, dass seine ehemalige Geliebte etwas mit der Tat zu tun hat, aber als Täter schließe ich ihn aus“, so der Anwalt. „Ich bin der Meinung, dass er gar nicht im Haus war. Nichts außer der Aussage der Belastungszeugin deutet darauf hin.“

Aus Hessels Sicht gibt es nur eine plausible Möglichkeit: „Ein Einzeltäter hat zunächst von vorn zugeschlagen und Frau K. danach verfolgt, um sie zu töten. Für einen gleichzeitigen Angriff eines zweiten Täters fehlte am Ort des ersten Angriffs der Platz.“

Eine Gutachterin, die Blutspuren untersucht hat, vermutet allerdings, dass es zwei Täter waren.

Zeugin beschreibt Angriff von hinten, erster Schlag erfolgte laut Gutachterin von vorne

Die Aussage der Ex-Geliebten hält der Verteidiger für gelogen. Diese will gesehen haben, wie K. in der Werkstatt mit einem Kantholz von hinten mehrfach auf den Kopf seiner Frau eingeschlagen habe.

Anwalt Hessel schließt aus, dass sich die Geliebte zum Tatzeitpunkt als unbeteiligte Zeugin an der Stelle aufgehalten hat. „Der erste Angriff ging ja nach dem Gutachten von da aus, wo die Zeugin gestanden haben will, nämlich an der Brandschutztür“, erinnert er an die entsprechende Passage im Blutspuren-Gutachten.

„Der Angriff kam demnach von vorne, nicht von hinten“, so Hessel weiter. Im ersten Prozess, damals in Bückeburg, hatten die Richter der früheren Geliebten geglaubt, außerdem eine Reihe von Indizien aufgezählt und den Angeklagten zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt, allerdings wegen Totschlags. ly