Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Messenkamp Skispringer auf heimischer Kältetechnik
Schaumburg Rodenberg Messenkamp Skispringer auf heimischer Kältetechnik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:23 11.03.2018
Messenkamps Techniker Harald Schulz auf einer der südkoreanischen Schanzen. Quelle: pr
Anzeige
Messenkamp/Pyeongchang

Es ist nicht das erste Mal, dass die Experten aus dem Deister-Sünteltal für perfekte Olympia-Gegebenheiten sorgen: Schon vor vier Jahren in Sot-schi starteten die Wintersportler auf präpariertem Eis.

Die Geschäftsführung verdankt den erneuten internationalen Einsatz einer Partnerfirma im rheinischen Lohmar. „Ceramtec-Etec“ produziert die Schanzenoberflächen mit Keramiknoppen auf Kautschukuntergrund. Luftfeuchtigkeit, Niederschlag oder auch Schneeflocken werden darauf durch die in unterirdischen Leitungen verlegte Kaltsole vereist. Dies ist bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad möglich.Sechs Wochen Aufbau

Anzeige

Vom deutschen Team aufgebaut

Die dafür erforderlichen Kühlaggregate waren im vergangenen Jahr in Messenkamp montiert und in Probeläufen getestet worden. Mit enormem Aufwand nahmen drei große Container Geräte und Zubehör auf, die per Schiff nach Südkorea gebracht wurden. Dort besorgte ein aus Deutschland angereistes Team aus Elektrikern, Installateuren und einem Klimatechniker aus Messenkamp den Aufbau. Rund sechs Wochen wurden dafür benötigt.

In Messenkamp überwachte Projektleiter Ralph Weilnha-mer die Arbeiten und ist auch jetzt noch ständig per Datenfernübertragung über die Funktionsweise der Anlage informiert. Damals wie heute steht für die Dauer der Olympiade Techniker Harald Schulz direkt vor Ort zur Verfügung, um im Fall einer Störung sofort „einspringen“ zu können. Wettkämpfe würden dann kurzerhand auf eine an-dere der insgesamt fünf Schanzen verlegt. Die längsten besitzen eine Größe von 98 und 125 Metern. Angenehmer Nebeneffekt für Schulz: Er kommt dann schon einmal mit nationalen Sportgrößen in Kontakt.

14 Mal weltweit

Messenkämper Kältetechnik befindet sich inzwischen weltweit in 14 Schanzen. 2008 war Premiere im deutschen Klinenthal. Es folgten Aufträge in Kasachstan, Russland, Japan und zuletzt Südkorea. In Deutschland steckt die hiesige Technologie auch in Einrichtungen von Oberstdorf und dem thüringischen Oberhof.

Ob seine Mitarbeiter in vier Jahren auch nach Peking reisen werden, ist für Seniorchef Eckhard Anderten gegenwärtig noch kein Thema. „Dann müsste wieder unsere Partnerfirma den Zuschlag erhalten.“ Ausgeschlossen ist dies nicht, weil sich die Olympioniken wegen der klimatischen Verhältnisse wohl zumeist auf Kunstschnee und -eis bewähren müssen.

Aber Wintersport ist für das seit fast sechs Jahrzehnten bestehende Unternehmen eigentlich nur ein Nischengeschäft, obwohl es neben den Schanzen auch für Kälte in der Eishalle Lauenau und im Snowdome Bispingen sorgt. Der Schwerpunkt der 30 Beschäftigten liegt in der Klimatechnik für die unterschiedlichsten sensiblen Bereiche von Produktion und Dienstleistung. „Wir sind gut ausgelastet“, sagt Anderten, dessen beide Söhne bereits in der dritten Generation in den Startlöchern stehen. Zudem gibt es neue Herausforderungen auch in Sachen Umwelt. Für ein zu errichtendes großes Logistiklager in Niedersachsen sollen ausschließlich natürliche Kältemittel eingesetzt werden. nah