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Rodenberg Stockholm-Nachnutzung: Eine Stunde Kreuzverhör bei stickiger Hitze im Feuerwehrhaus
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Stockholm-Nachnutzung: Eine Stunde Kreuzverhör bei stickiger Hitze im Feuerwehrhaus
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12:53 28.08.2019
Eine Zeichnung mit Größenvergleich hat die BI bereits selbst angefertigt – allerdings weiß niemand genau, wie verlässlich sie ist. Quelle: privat
RODENBERG

Zur Erinnerung: Das Büro Klindtworth&Klindtworth aus Hamburg plant für das Areal ein fünfstöckiges Gebäude mit Betreutem Wohnen, Senioren-WGs und Tagespflegeplätzen. Auch ein öffentlich nutzbarer Saal, ein Restaurant und eine Tiefgarage sollen entstehen.

Investor trägt Kosten für Planänderung

„Wir haben dort einiges vor. Das Haus ist nicht nur groß sondern sehr groß“, sagte Stadtdirektor Georg Hudalla klipp und klar. Es soll ein sogenannter Vorhaben bezogener Bebauungsplan erstellt werden. Bei diesem Verfahren sei unter anderem geregelt, wer die Kosten trägt. In diesem Fall ist das der Investor.

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Neue Pläne könne die Verwaltung nicht vorlegen, es bleibe also bei den bereits seit Monaten bekannten Entwürfen. Der Investor habe noch keine neuen Papiere vorgelegt. Der Landkreis hat laut Bauamtsleiter Markus Jacobs umweltrechtliche Dinge abgeklopft.

Kaum Bedenken beim Landkreis

Unter anderem brüten im alten Stockholm keine Fledermäuse. Auch der Lärmschutz bereite nur untergeordnete Probleme. Der Denkmalschutz hat als Auflage lediglich formuliert, dass die Sicht auf die beiden Gebäude zur Linken des Stockholm-Areals nicht verstellt wird.

Mit großen Plakaten wehrt sich die BI gegen das geplante Haus. Foto: gus

Die Firsthöhe des geplanten Gebäudes kann bis zu 21,50 Meter betragen, dies entspricht fünf Vollgeschossen plus Satteldach. Eine Verschattungsanalyse steht noch aus. Hans-Dieter Brand (SPD) prangerte die bisher geringe Beteiligung des Bauausschusses an.

SPD ging von 18,50 Metern Höhe aus

Ihm sei eine Höhe von 18,50 Metern bekannt gewesen. Seine Fraktion sei nicht gegen betreutes Wohnen an der Stelle, aber das geplante Objekt sei der SPD zu groß. Zuhörer Christian Glensk zog als Vergleich die Höhe des obersten Balkons des Hochhauses an der Schillerstraße in Bad Nenndorf herbei: Diese betrage 21,50 Meter.

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Jörn Gebhardt, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die aktuellen Pläne, bat darum, dass seiner Gruppe neue Entwurfszeichnungen übermittelt werden, sobald diese vorliegen. Dabei soll das Hotel Stockholm zwecks Größenvergleich mit eingezeichnet werden.

Investor will nicht kleiner bauen

Christina Pfannkuche bat die Stadt darum, den Investor dazu zu bewegen, die Zahl der Pflegeplätze in dem Gebäude zu reduzieren. Ausschussvorsitzender Dirk Holm-Bertelsen (WGR) entgegnete: Schon bei einem Geschoss weniger würde sich das Investment nicht mehr rechnen. Hudalla stellte lediglich in Aussicht, dass das Gebäude zwei Meter tiefer in den Boden eingelassen wird.

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Die Stadt will sich auch an den Betriebskosten für den Saal beteiligen, die Höhe wollte Hudalla auf die Frage eines Zuhörers nicht öffentlich nennen. Der Rat habe dies mehrheitlich abgesegnet, um den großen Versammlungsraum des Ex-Stockholm zu ersetzen.

Warnung vor Lieferverkehr

Außerdem kosten im Unterhalt auch Dorfgemeinschaftshäuser Geld. Und: Ein ähnliches Saalkonzept betreibe derselbe Investor in Hamburg.

Ilse Anke warnte vor Verkehrsproblemen an der Windmühlenstraße. Diesen Hinweis nahm die Verwaltung auf. Anlieferverkehr soll dort nicht zugelassen werden. Kritik äußerten Zuhörer auch am architektonischen Stil, es handle sich um einen Zweckbau ohne Garten und sonstiges Grün.

Zu wenige Parkplätze eingeplant?

Fehlende Parkplätze für Gäste bei Feiern im Saal waren ein weiterer Punkt an dem sich Bürger rieben.

Die Frage nach einem alternativen Standort beantwortete Hudalla damit, dass eine Nutzung fürs Ex-Stockholm-Gelände gesucht wurde, nicht ein Platz für einen Pflegebetrieb. Einen alternativen Standort gebe es somit nicht.

Von Guido Scholl