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Rodenberg "Schwachsinn": Politiker kritisieren neue Leitplanken an der B442
Schaumburg Rodenberg Rodenberg "Schwachsinn": Politiker kritisieren neue Leitplanken an der B442
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00:20 02.03.2019
Die Leitplanken an der B 442 sind der Wählergemeinschaft ein Dorn im Auge. Quelle: gus
RODENBERG

Die Wählergemeinschaft hatte zuvor bereits eine Anfrage an die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gerichtet, weil die Gruppe die Maßnahme infrage stellt. Die Behörde verweist jedoch auf geltende Vorschriften.

Dass der passive Aufprallschutz – sprich: die Leitplanken – generell wirksam ist, um von der Fahrbahn abkommende Autos von Bäumen fernzuhalten, ficht die WGSR nicht an. Sie schreibt jedoch an den Landesbetrieb: „Auf dem längsten Teil der Strecke, zwischen der Unterführung der Autobahn und dem Ortseingang Rodenberg, stehen aber nur auf einer Seite Bäume. Leitplanken sind jedoch auf beiden Seiten installiert worden.“

Abschnitt kein Unfallschwerpunkt

Die WGSR vertritt daher die Ansicht, dass die Installation der Planken mehr Gefahren als Schutz bringt. Die B 442 sei in dem in Rede stehenden Abschnitt auch kein Unfallschwerpunkt. Dies belegt die Gruppe mit der Auswertung der Unfälle des Jahres 2017, als sich zwei Zusammenstöße im Verlauf der Strecke ereigneten. Bei keinem davon kam ein Fahrzeug von der Straße ab.

Ein Nachteil der Planken: Fahrzeuge können nicht mehr rechts heranfahren, wenn diese eine Panne haben, erläutert die WGSR. Und „durch den schmaler gewordenen Straßenraum hat die Landwirtschaft mit ihren groß dimensionieren Erntemaschinen keine Möglichkeit mehr, auf den Seitenstreifen auszuweichen.“ Die WGSR kritisiert zudem den fehlenden Unterfahrschutz, was für Motorradfahrer Gefahr bedeutet, wenn sie bei Unfällen gegen die Metallpfosten rutschen.

Allerdings wird die Begründungslinie spätestens an der Stelle wackelig. Denn Motorradunfälle gab es auf der Strecke zuletzt gar nicht. Ferner beißt sich das Argument mit dem Hinweis auf die niedrigen Unfallzahlen seitens der WGSR. Diese bemängelt auch, dass wegen der Leitplanken „keine Rettungsgasse mehr gebildet werden kann“. Eine Rettungsgasse zu bilden, ist auf Straßen mit Verkehr in zwei Richtungen aber ohnehin schwierig. Die Polizei sieht auch keine Notwendigkeit für eine Rettungsgasse auf der B 442, da ein Unfallschauplatz – anders als auf Autobahnen – aus zwei Richtungen angefahren werden kann.

Radsportler gehören nicht auf Bundesstraßen

Ferner geht die Wählergruppe auch auf Radrennfahrer und Mopedfahrer ein, die jetzt nicht mehr großräumig umfahren werden könnten. Die ist allerdings nicht zutreffend, da sich an der Straßenbreite nichts ändert. Außerdem haben Radfahrer auf der B 442 rein gar nichts zu suchen. Nicht umsonst hält der ADFC selbst ausgewiesene Radsportler dringend an, Bundesstraßen bei Trainingsfahrten zu meiden.

Trotzdem bittet die WGSR um eine Prüfung der neuen Installation. Die Kreuzung an der Kläranlage und die Überführung der B 442 über die Autobahn, wo in der Tat Unfälle passierten, erführen durch sie keine Verbesserung.
Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln verweist auf eine deutschlandweite Kampagne. „Die Schutzplankenarbeiten sind Bestandteil eines Sicherheitsprogramms des Bundes. Jedes Jahr wieder ereignen sich auf unseren Straßen Unfälle, bei denen Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen“, heißt es in einem Schreiben dazu.

Häufig würden die Folgen erst beim Aufprall auf ein Hindernis – wie einen Baum – dramatisch. Die Maßnahme hat 500.000 Euro gekostet.

Von Guido Scholl