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Rodenberg Zoff im Rat: Landkreis soll Rodenberger Schulgebäude verlassen
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Zoff im Rat: Landkreis soll Rodenberger Schulgebäude verlassen
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13:37 12.09.2019
Die Julius-Rodenberg-Schule ist fester Bestandteil des Stadtlebens. Quelle: gus
RODENBERG

Ratsherr Stephan Lotz (parteilos) forderte offen, dass sich der Landkreis neue Räume sucht, anstatt dass die Grundschule auf immer mehr Platz verzichtet. Einen Beschluss gab es dazu zwar nicht, doch dass dies das letzte Wort in der Sache war, ist angesichts des Gesprächsverlaufs kaum denkbar.

Lösung nicht Wunsch der Stadt

Eingangs hatte Stadtdirektor Georg Hudalla lediglich den aktuellen Stand zur Bibliothek der Stadt referiert und betont, dass es sich bei der Übergangslösung nicht um die Wunschvorstellung der Kommune handelt.

Anlass für den Unmut: Die Rodenberger Bücherei musste ausziehen

Die Bücherei musste ihre Unterkunft im Schulgebäude an der Lange Straße räumen und vorübergehend ins Veranstaltungszentrum Rodenberg-Mitte ausweichen, weil in dem Gebäudekomplex nicht ausreichend Platz für die Förderschule des Landkreises und die Grundschule der Samtgemeinde ist.

"Kreis vertreibt uns aus Gebäude"

Dies veranlasste Lotz zu einem Generalangriff auf die Kreisverwaltung, wobei die Bücherei lediglich die Spitze des Eisbergs war. Das Gebäude an Landkreis zu übertragen, sei „ein Fehler unserer Vorväter“ gewesen.

„Der Landkreis vertreibt uns aus dem Gebäude“, schimpfte Lotz. Es fehlten der Grundschule ein Werkraum, ein Musikraum und andere Bereiche, die eigentlich selbstverständlich seien.

Im hinteren Gebäudeteil ist die Förderschule angesiedelt. Foto: gus

Dann wurde Lotz noch deutlicher. „Die sollen sich woanders etwas suchen und die Stadt verlassen“ sagte der Parteilose rundheraus und schob nach: „Sonst breiten die sich hier aus wie die Heuschrecken.“

Diskussion um Werkraum "unerhört"

Daraufhin ging ein Raunen durch den Rat, Widerspruch blieb aber aus. Der Ratsherr wandte sich daraufhin an die Medienvertreter: „Das könnt Ihr alles genau so schreiben.“

Lotz‘ Worte wollte Hudalla zwar „in der Öffentlichkeit in der Form natürlich in keinster Weise bestätigen“, wobei er aber schelmisch in die Runde blickte. Inhaltlich gab er dem Ratsherrn Recht. „Das wir über einen Werkraum diskutieren müssen, finde ich unerhört“, betonte Hudalla.

Keine Kritik an Förderschule

Er wolle die Debatte nicht gegen die Förderschule wenden, die sehr erfolgreich arbeite. Eine solche Einrichtung zu betreiben, sei ausgesporchen schwer, sie verdiene großen Respekt. Auch Lotz strich heraus, nichts gegen die Förderschule zu haben. Doch wo kein Platz sei, sei kein Platz.

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Erhard Steege (Rodenberger Interessen) hatte formale Bedenken in der Debatte, denn die Grundschule sei nicht Sache der Stadt sondern der Samtgemeinde. Es dürfe bei den Bürgern nicht der Eindruck entstehen, als könne der Stadtrat in der Diskussion wirklich etwas ausrichten.

Rodenberger sollen Impulse geben

Hudalla war anderer Meinung. „Wir sollten uns als Rodenberger das schon einschalten, finde ich“, sagte der Verwaltungs-Chef. Lotz schloss sich an: Ähnlich wie bei der B65 könne die Rodenberger Politik Impulse setzen, auch wenn die Zuständigkeiten anderswo liegen.

Hans-Dieter Brand (SPD) gab zu Bedenken: „Wir sollten den Schulstandort Rodenberg nicht infrage stellen.“ Das hatten aber weder Lotz noch Hudalla so gemeint. Der SPD-Politiker beschränkte sich in seinem Beitrag denn auch auf die Büchereisituation.

Container-Lösung für Ausleihe?

Brand schlug vor, Container in Grundschulnähe für die Ausleihe aufzustellen. Kreativität sei gefragt.

Lotz erinnerte indes daran, dass es um mehr geht als um das Auslagern der Bibliothek. Der Landkreis habe zuletzt immer mehr vom Gebäude an der Langen Straße beansprucht. „Was wird uns noch alles genommen?“, frage Lotz, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten.

Landkreis ist Vermieter

Der Landkreis vermietet Teile des Schulkomplexes an die Samtgemeinde Rodenberg, damit diese dort ihre Grundschule betreiben kann. Die Förderschule in Regie des Kreises war zuletzt immer mehr gewachsen. Die Samtgemeinde denkt derweil über externe Erweiterungsmöglichkeiten nach.

Von Guido Scholl