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Samtgemeinde Rodenberg Deshalb wandern Tagesmütter aus Rodenberg und Nenndorf ab
Schaumburg Rodenberg Samtgemeinde Rodenberg Deshalb wandern Tagesmütter aus Rodenberg und Nenndorf ab
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14:03 29.07.2019
In der Tagespflege sind keine Reichtümer zu machen – für Nenndorf und Rodenberg ist zudem die Nähe zur Region Hannover ein Problem. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
RODENBERG/NENNDORF

In den vergangenen Jahren haben mehrere Tagesmütter in der Samtgemeinde Rodenberg ihr dortiges Betreuungsangebot beendet, heißt es aus Kreisen dieses Berufszweigs. Eine genaue Zahl wird nicht genannt, nur so viel: Auch im nächsten Jahr will eine weitere Berufskollegin ihre Tagespflege schließen. Der Landkreis bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung zudem den Weggang zweier Nenndorfer Tagesmütter in Richtung Region Hannover.

Der Anlass liegt für die Betreuerinnen auf der Hand: Während die Region Hannover Tagesmüttern sechs Euro pro Tag und Kind überweist, zahlt der Landkreis Schaumburg nur vier Euro. Das Betreuungskontingent ist auf fünf Kinder pro Tagesmutter begrenzt, tun sich zwei zusammen, dürfen sie mehr Plätze anbieten.

Job nur etwas für Zuverdiener

Reich wird damit niemand. Eine Tagesmutter aus der Samtgemeinde Rodenberg, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt, dass in der Regel nur Frauen, die in der Familie die Zweitverdiener sind, lange durchhalten. Wer mit dieser Tätigkeit als Alleinerziehende den Lebensunterhalt bestreiten will, stoße früher oder später an seine Grenzen. Dann locke entweder der Weg in die Nachbarregion oder es folge ein Berufswechsel.

Kreisrätin Katharina Augath verteidigt den Schaumburger Tarif. Der Kreistag habe diesen vor zwei Jahren von 3,50 auf vier Euro angehoben. Mit der Region Hannover müsse Schaumburg sich nicht messen – dort gelten Augath zufolge ganz andere Bedingungen bezüglich Kinderbetreuung. Eltern haben es viel schwerer, Plätze für ihren Nachwuchs zu bekommen. Der Bedarf an Tagesmüttern sei in der Konsequenz wesentlich größer. Daher werde dort mehr gezahlt.

Landkreis bei Bezahlung im Mittelfeld

Im Vergleich zu anderen Flächenlandkreisen bewege sich Schaumburg eher im Mittelfeld. Allerdings sei zu erwarten, dass Schritt für Schritt andere Kreise ihre Tarife für Tagesmütter anheben und Schaumburg peu à peu abrutscht im Ranking. Doch es sei nicht ausgeschlossen, dass der Kreistag irgendwann auch nachbessert – nicht gleich auf sechs Euro, aber möglicherweise auf 4,50 Euro.

Generell glaubt Augath, dass die Bezahlung gar nicht so entscheidend ist auf dem Sektor der Kindertagespflege. Viele Frauen ergreifen diesen Beruf ihrer Ansicht nach vor allem aus zwei Gründen: Sie wollen ihr eigener Chef sein und bestimmte Betreuungskonzepte anwenden. Oft hätten Tagesmütter auch selbst junge Kinder, sodass sie während der Arbeitszeit zuhause auch den eigenen Nachwuchs in der Nähe haben.

Augath ergänzt: Selbst bei sechs Euro pro Kind und Tag würde eine Tagesmutter nicht zum Großverdiener. Und ein wirklich zahlreiches Abwandern in die Region verzeichne der Landkreis ohnehin nicht.

Von Guido Scholl

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