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Auhagen Kleber statt Nagel: Innovativer Pferde-Hufschutz kommt aus Auhagen
Schaumburg Sachsenhagen Auhagen Kleber statt Nagel: Innovativer Pferde-Hufschutz kommt aus Auhagen
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08:13 01.11.2019
Joachim Küster führt Zuschauern an Pferd Ernie vor, wie der Turfcord-Hufschutz aufgezogen wird. Quelle: Thomas Rocho
Auhagen

Eine lange Durchfahrtsstraße, beschauliche Landschaft, zahlreiche Pferdehöfe – das sind Eigenschaften, die als erstes in den Sinn kommen, wenn man an das Schaumburger Örtchen Auhagen denkt. Die Begriffe „Innovation“ und „Wirtschaft“ sind, bei allem Respekt, nicht unbedingt darunter. Zumindest bisher nicht.

Das ist das Besondere am Hufschutz aus Auhagen

Der Auhäger Erich Buschmann ist nämlich gemeinsam mit dem Hufschmied Joachim Küster und dem Formenbauer Martin Lang seit einiger Zeit dabei, das zu ändern. Das Trio verbindet Innovation mit besagten Pferden – und hat einen außergewöhnlichen Hufschutz namens Turfcord entwickelt.

Huf und Innenfläche des Schuhs versieht der Hufschmied mit Klebstoff, am Ende soll das Ergebnis passgenau und komfortabel für das Tier sein. (Foto: Thomas Rocho)

Die Besonderheit: Die Stücke aus formbarem Kunststoff werden an den Huf geklebt, sollen im Vergleich zu genagelten Hufeisen den Tragekomfort für das Tier erhöhen und das Gefühl des Barhuflaufens erhalten – und dabei ähnlich lange halten wie normale Hufeisen, also rund sieben, acht Wochen.

Erster Etappensieg: Vor zwei Jahren erhielten die Erfinder auf der Fachmesse „Pferd & Jagd“ den Produktaward „Innovation Pferd“.

Unternehmen aus der Region arbeiten zusammen

Seitdem kommt der Turfcord nach und nach auf den Markt, jedenfalls für lizenzierte Hufschmiede – vor der Haustür in Schaumburg ist er bisher aber noch nicht angewendet worden. Zumindest bis vor wenigen Tagen, als Buschmann und Küster die Möglichkeit nutzten, den Hufschutz in den Hallen der Pferdefreunde Wölpinghausen vorzustellen.

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Am Beispiel Turfcord lässt sich anschaulich beschreiben, wie Unternehmen aus der näheren Umgebung ihr Know-how zusammenbringen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten können.

Sekundenkleber für Pferdehufen aus Wunstorf

Der Klebstoff, mit dem der Hufschutz befestigt wird, stammt nämlich von Cyberbond aus Wunstorf. „Für Turfcord haben wir eine Art Sekundenkleber entwickelt und diesen speziell angepasst hinsichtlich Reaktionszeit und Farbe“, sagte Cyberbond-Geschäftsführer Holger Bleich.

So sollen Klebstoff-Rückstände gut sichtbar sein und das Mittel während des Aufziehens nicht zu schnell trocknen. „Eigentlich müssten wir hier eher von einem Minutenkleber sprechen“, so Bleich.

Pferdeausrüstung ist für Continental eine Rückkehr "zu den Wurzeln"

Das Material für Turfcord entwickelten dagegen die Kautschuk-Profis von ContiTech, einem Tochterunternehmen der Continental AG aus Hannover, das passenderweise seine Ursprünge vor fast 150 Jahren in Pferdehufen, genauer: in Gummieinsätzen für Hufeisen hatte. Für ContiTech ist es also eine Rückkehr „zu seinen Wurzeln“, wie das Unternehmen schreibt.

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Das verbindende Glied zwischen Turfcord, Cyberbond und ContiTech ist Buschmann. Der Diplomingenieur war früher bei Continental tätig und lebt seit vielen Jahren in Auhagen – so war der Draht nach Hannover besonders kurz. Dort wurde der Hufschutz entwickelt, und dort wird er auch weiterhin gefertigt.

Cyberbond wiederum liefert auch an Continental und war Buschmann bereits bekannt, darum kam auch hier der Kontakt über ihn zustande.

Elf Jahre Arbeit, 25 verschiedene Formen

Von heute auf morgen ließ sich die Idee aber nicht realisieren. „Wir haben in elf Jahren Arbeit rund 25 verschiedene Formen entwickelt und getestet“, sagt Buschmann. „Wir haben nach einem Weg gesucht, den Hufmechanismus nicht einzuschränken.“ Am Ende gelang dies – zunächst in der Conti-Lehrwerkstatt im hessischen Korbach, dann am Unternehmenssitz in Stöcken.

Beim Fachpublikum kam der Turfcord gut an. „Er sieht am Huf gut aus, das gefällt mir“, sagt Daniela Söchting von den Pferdefreunden. „Ich bin gespannt, wie lange die Schuhe im Betrieb halten.“ von Thomas Rocho

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