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Hagenburg Bäcker-Nachfolger für Backtage gesucht
Schaumburg Sachsenhagen Hagenburg Bäcker-Nachfolger für Backtage gesucht
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18:11 29.04.2019
Ein Kleinod mit Eigenheiten: Der historische Ofen im Auhäger Backhaus funktioniert nach dem Brustfeuersystem – welches heutzutage kaum noch bekannt ist. Quelle: tro
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Hagenburg

Vielerorts haben Vereine dieser Tage Schwierigkeiten, junge Nachfolger für die unterschiedlichsten Ämter und Funktionen zu finden. Ein Trend, der auch vor Auhagen nicht Halt macht: Die Suche nach neuen Bäckermeistern für die beiden Backtage am örtlichen Backhaus gestaltet sich schwierig. Die Traditionsveranstaltungen stehen auf der Kippe.
Für zwei weitere Jahre gesichert ist vorerst die Durchführung des Backtags, zu dem der Männergesangverein Concordia Auhagen einlädt. Der Vorsitzende Enrico Balzer kündigte jüngst an, diesen fortführen zu wollen – zumindest für die Dauer seines Vorsitzes, der 2021 endet. Und danach? Alles offen. Balzer zumindest würde die Veranstaltung gerne weiter bestehen sehen: „Wenn die Leute fit bleiben und wir vielleicht Unterstützung von der Dorfjugend bekommen.“

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Keine neuen Bäcker in Aussicht

Der Veranstalter des zweiten Backtags, der Fremdenverkehrsverein Hagenburg, wird dies wohl nicht schaffen. „Bei uns sind keine neuen Bäcker in Aussicht“, sagt Kläre Dienst. Damit wäre es aber auch noch nicht getan: „Unsere Crew ist in die Jahre gekommen, wir brauchen aber rund 18 Leute für Verkauf, Kaffeetafel und Organisation.“
Was macht die Tätigkeit des Bäckers anspruchsvoll? Ein Mann, der sich mit der Arbeit auskennt, ist der Hagenburger Peter Walter. Der langjährige Backtags-Bäckermeister, der 2002 erstmals in Auhagen aktiv wurde, umreißt den Ablauf eines solchen Tages: Ofen anfeuern von 3 bis 5 Uhr, die Glut verteilen, in der noch „wilden“ Hitze Obstkuchen backen, Temperatur halten. Dann folgen andere Kuchen, Semmelzöpfe und Brote.

"Es ist ein wunderschöner Ofen und ein Kleinod"

Das Besondere dabei sei der Umgang mit dem historischen Ofen, erklärt Walter. „Wir sind die Einzigen, die noch so traditionell arbeiten. Es ist ein wunderschöner Ofen und ein Kleinod. Aber es ist schwierig, damit umzugehen. Das Backsystem kennt heute fast niemand mehr“, sagt er. Er selbst ist gelernter Bäcker, Abschluss 1955 – „da war die sogenannte Brustfeuerung noch ganz normal, die modernen Öfen heute sind ja nicht viel mehr als Bräunungsstudios“.

Die wichtigsten Handgriffe und Tipps würde Walter einem Nachfolger vermitteln

In erster Linie müsse sich ein Nachfolger darum über die Eigenheiten des Brustfeuersystems – die Feuerstellen befinden sich auf Brusthöhe – informieren. Geheizt wird mit Holz, es gibt kein Thermometer, um die Temperatur zu prüfen. Die wichtigsten Handgriffe und Tipps würde Walter einem Nachfolger vermitteln – dem 82-Jährigen selbst machen mittlerweile die Gelenke zu schaffen beim stundenlangen knien am Ofen: „Am wichtigsten für die Tätigkeit ist, Bäcker zu sein und Lust darauf zu haben. Alles andere kann man lernen.“
2 Wer Backerfahrung und Interesse hat, sich beim Backtag in Auhagen zu engagieren, kann Kläre Dienst anrufen, Telefon (0 50 33) 71 24.

Von Thomas Rocho