Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hagenburg Behindertenbeauftragte möchte mehr Barrierefreiheit für Hagenburg erreichen
Schaumburg Sachsenhagen Hagenburg

Behindertenbeauftragte Jutta Stenzel möchte mehr Barrierefreiheit für Hagenburg erreichen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:30 20.06.2021
Beschwerlicher Weg für Rollstuhlfahrer zur Bushaltestelle in Altenhagen an der Schachtstraße: Martin Hiller und Jutta Stenzel sehen Verbesserungsbedarf und wünschen sich einen besseren Austausch mit der Gemeinde.
Beschwerlicher Weg für Rollstuhlfahrer zur Bushaltestelle in Altenhagen an der Schachtstraße: Martin Hiller und Jutta Stenzel sehen Verbesserungsbedarf und wünschen sich einen besseren Austausch mit der Gemeinde. Quelle: Foto: wel
Anzeige
Hagenburg

„Inklusion und Teilhabe sehen für mich anders aus“, kritisiert Jutta Stenzel. Die Hagenburgerin wurde zwar vom Gemeinderat Sachsenhagen zur Behindertenbeauftragten für den Kreisbehindertenrat gewählt. Doch trotz des Amtes fühlt sie sich in vielen Situationen übergangen, vor allem, wenn es um bauliche Maßnahmen in ihrem Wohnort Hagenburg geht. „Ich werde in keine Entscheidungen involviert und vor vollendete Tatsachen gestellt“, moniert Stenzel. Es sei unerlässlich, Menschen mit einer Behinderung in die Planungen miteinzubeziehen.

Stenzel sitzt im Rollstuhl und weiß aus eigener Erfahrung, wo sich die Probleme im Alltag verstecken. „Mir geht es in erster Linie darum, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ich hab ja kein Handicap im Kopf“, so Stenzel.

Beschwerlicher Weg zur Bushaltestelle

Über die Bushaltestelle an der Schachtstraße in Altenhagen, direkt an ihrem Haus, ärgert sie sich regelmäßig. Die sei für Rollstuhlfahrer „eine Katastrophe“. Die Bushaltestelle an sich sei zwar in Ordnung und verfüge auch über einen erhöhten Einstieg. Das Problem sei viel mehr der Weg zur Haltestelle. Obwohl siesich gleich am Haus befinde, müsse sie einen großen Umweg in Kauf nehmen.Der Bürgersteig sei an der Stelle nicht genug abgesenkt und die kleinen Räder des Rollstuhls blieben hängen. Sie müsse zunächst auf der Fahrbahn der vielbefahrenen B 441 fahren, dort die Straße queren, um dann wieder zurück auf der anderen Straßenseite zur die Bushaltestelle zu fahren. So beschreiben Stenzel und auch Rollstuhlfahrer Martin Hiller, der kein Auto hat, und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, den Weg zum Bus.

Erfahrungen von Menschen mit Behinderung sollen einbezogen werden

Solche Hindernisse könnten in Zukunft vermieden werden, wenn bei der Planung und Ausführung eine ortskundige Person mit einer Behinderung eingebunden wäre und nicht nur auf die standardisierten barrierefreien Vorgaben geachtet werde. Spätere Änderungen seien schließlich stets mit Zeit und Kosten verbunden, so Stenzel.

Formeller Weg wird eingehalten

Ingo Harmening, stellvertretender Gemeindedirektor, sieht indes keine Versäumnisse und möchte die Kritik der Frau aus Altenhagen so nicht stehen lassen: „Der Kreisbehindertenbeirat war und wird bei allen Aktionen informiert und damit wurde der formelle Weg eingehalten.“ Zumal der Kreisbehindertenbeirat im Anschluss die Pläne befürwortet habe. Stenzel könne man als Privatperson nicht an den baulichen Prozessen beteiligen. Er sei aber auch noch mit ihr die Wege rund um die fünf Bushaltestellen abgefahren und habe ihre Anregungen zur Kenntnis genommen.Relativ kostenneutrale Änderungen wie spezielle Steine für Menschen mit einer Sehbehinderung könnten noch umgesetzt werden. Auch räumt er ein, dass die Absenkungen an Einmündungen teilweise nicht optimal seien, aber nicht jede dieser Straßen sei Eigentum der Gemeinde. Zudem bekomme man den notwendigen Neigungswinkel bautechnisch nicht überall hin.

"Wir wollen zusammenarbeiten"

Hagenburgs Bürgermeister Dieter Eidtmann versteht den Unmut von Jutta Stenzel nicht: „Wir wollen doch mit ihr zusammenarbeiten.“ Und das werde man auch tun, wenn die Umsetzungen für die Sanierungsarbeiten im Ortskern anstehen.Stenzel werde das Gefühl jedoch nicht los, dass der direkte Kontakt zu ihr vermieden wird. „Einige Menschen haben wohl das Gefühl, ich bin immer gegen alles, was dort vorgeschlagen wird. Das stimmt aber nicht.“ Manchmal seien Planungen gut gedacht, aber in der Praxis nicht gut gemacht. Um das zu vermeiden, sei eine beratende Stimme sinnvoll.

Unabhängigkeit durch Barrierefreiheit

„Mein Ziel ist es, für andere Menschen etwas zu bewegen“, so Stenzel. Ihr gehe es nicht um sich, das betont die Altenhägerin. Sie möchte maximale Barrierefreiheit in ihrem Heimatort. Die schaffe Unabhängigkeit. Um das Bewusstsein dafür zu schaffen, fehle ihr die Kommunikation mit der Gemeinde. Als Vertreterin der Samtgemeinde für den Kreisbehindertenbeirat sei das aus ihrer Sicht möglich. Sie wünscht sich mehr kurze und direkte Wege bei gewissen Informationen. Aber auch, dass bei den Menschen ohne Behinderung ein anderes Bewusstsein entsteht.Eine Ausschusssitzung in der oberen Etage eines Gemeindehauses zu veranstalten, gehöre sich in der heutigen Zeit einfach nicht mehr. Nicht nur wegen der Rollstuhlfahrer, sondern weil es auch immer mehr ältere Menschen mit einer Gehbehinderung gebe. „Solche Situationen sind für mich verletzend und in höchstem Maße diskriminierend“, sagt Stenzel. Auch wenn bei der angesprochenen Sitzung gleich nach einer Lösung gesucht – und auch gefunden wurde.

Bei den Planungen für das neue Gemeindehaus sei sie ebenfalls noch in keiner Weise einbezogen worden, so Stenzel. Dazu sagt Hagenburgs Bürgermeister Eidtmann: „Es ist ja noch nichts baulich passiert.“ Stenzel ist gespannt, wie es weitergeht und würde sich freuen, wenn „ein besserer Austausch stattfinden“ würde.

von Luisa Wellenbrock