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Hagenburg Bückeburgerin und Hagenburger verbringen ein Jahr in den USA
Schaumburg Sachsenhagen Hagenburg Bückeburgerin und Hagenburger verbringen ein Jahr in den USA
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14:50 06.09.2019
Wieder zurück in Schaumburg (von rechts): Lene Hubrich und der Hagenburger Niklas Nolte, denen die Bundestagsabgeordnete Katja Keul einen Aufenthalt in den USA ermöglichte. Quelle: tro
Hagenburg

Ein Jahr lang raus aus dem Alltag, ein fremdes Land und Kultur hautnah kennenlernen – das haben zwei junge Schaumburger hinter sich. Sie sind im Rahmen des Parlamentarischen Partnerschaftsprogramms (PPP) des Deutschen Bundestages und des US-Congress in den USA gewesen – einer der beiden trat die Reise von Hagenburg aus an.

Seine Reise führte Niklas Nolte nach Racine, Wisconsin, direkt am Ufer des Lake Michigan gelegen. Der Hagenburger hatte gerade seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Schaumburg im Mercedes-Center Stadthagen abgeschlossen, da ging es auch schon ans Gateway Technical College. „Am Anfang war es etwas schwierig reinzukommen ins Leben – aber ich bin ins kalte Wasser gesprungen, habe Freunde am College gefunden und viel unternommen“, berichtet Nolte.

College und praktische Arbeit kombiniert

Er musste viele Grundkurse belegen, Dinge wie die Arbeitsmittel in einer Werkstatt oder das Anheben von Autos mit einer Hebebühne beherrschte er mit seiner abgeschlossenen Ausbildung aber schon aus dem Effeff. Dennoch: „Es hat mir viel gebracht, weil ich jetzt die Vokabeln aus meinem Berufsfeld kenne“, sagt er – außerdem habe er nicht nur an Autos, sondern auch an Fahrzeugen mit Kleinmotoren arbeiten können.

Nach einigen Monaten am College ging es für Nolte nämlich auch in einen Kfz-Betrieb, um praktisch zu arbeiten. „Einige Sachen laufen dort ganz anders – Verkäufer müssen zum Beispiel kein technisches Verständnis haben, während in Deutschland viele sogar einen Meistertitel haben“, blickt er zurück.

Hubrich besucht die High School

Die größte Frage, die Nolte auf seiner Reise im Gepäck hatte, konnte er mittlerweile auch beantworten: „Ich glaube, ein Studium ist was für mich.“ Darum startet er jetzt zum Wintersemester ein Fahrzeugtechnik-Studium an der Universität Osnabrück. Doch auch davon abgesehen kann Nolte nur empfehlen, einmal im Ausland über den Tellerrand zu blicken: „Man lernt zu sehen, wie man auf andere wirkt. Das hat mir viel gebracht“, sagt er. „So eine Erfahrung sollte jeder machen.“

Im Rahmen des PPP ist allerdings nicht nur Nolte für ein Jahr in den USA gewesen. Nicht das College, sondern die High School lernte Lene Hubrich aus Bückeburg kennen – in Jasper, Arkansas. „Ich war die einzige Austauschschülerin da, wurde super herzlich aufgenommen und jeder kannte mich mit Namen“, erzählt die Schülerin vom Gymnasium Adolfinum.

Rückkehr nach Deutschland schwierig

Während Nolte in der urbanen Metropolregion um Milwaukee lebte, gab es bei Hubrich das Kontrastprogramm: „Die Jasper High School ist eine kleine Schule im Wald“, berichtet sie. Und auch das Umland biete mit Bergen, Wäldern und dem Buffalo National River vor allem „schöne Natur“. In der Schule sei es „völlig anders“ abgelaufen als zum Beispiel am Adolfinum. „Dort gibt es andere Prioritäten, die Gemeinschaft steht stark im Vordergrund“, sagt Hubrich.

Aller Unterschiede zum Trotz: „Es ist mir schwer gefallen, wiederzukommen. Die Rückkehr in den normalen Alltag ist sehr schwierig“, so Hubrich. „Ich habe dort eine zweite Familie und ein zweites Zuhause gefunden.“ Doch auch für den Alltag in Deutschland konnte sie etwas mitnehmen: „Man lernt sich selber ganz anders und besser kennen. Und man lernt, offener auf Menschen zuzugehen.“

Prägende Zeit im Leben

Katja Keul, Bundestagsabgeordnete der Grünen, hatte sowohl Nolte als auch Hubrich für das PPP ausgesucht. Eine Möglichkeit, die sie seit ihrem Einzug ins Parlament vor zehn Jahren gerne wahrnimmt – nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Auslandserfahrung, die sie 1987 an einer Highschool in Jacksonville, Florida, gemacht hat. „Solche Austauschprogramme sind das wichtigste für die Völkerverständigung und sind eine prägende Zeit im Leben“, sagt sie. Dies sei gerade in Zeiten wichtig, in denen politische Beziehungen abgekühlt seien: „Es sind starke gesellschaftliche Bindungen, die dabei entstehen.“

Ein Satz, den Nolte und Hubrich unterschreiben würden. Die Bückeburgerin zum Beispiel plant schon den nächste Besuch in der neuen Heimat. von Thomas Rocho

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