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Sachsenhagen Sachsenhägerin bringt mit Online Shop ein neues Bewusstsein aufs Land
Schaumburg Sachsenhagen Sachsenhagen Sachsenhägerin bringt mit Online Shop ein neues Bewusstsein aufs Land
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18:12 10.10.2019
Sabnature ist ein nachhaltiger und plastikfreier Online-Shop.   Quelle: wel
Sachsenhagen

Es ist eine große Bestellung eingegangen. Acht Teile hat ein Kunde aus der Nähe von Hamburg bei ihr bestellt. Sie steht auf und packt lächelnd eines der am meisten verkauften Produkte in einen kleinen Pappkarton. Festes Kornblumen-Zitronen Shampoo. Ohne Plastik und zu einhundert Prozent biologisch abbaubar. „Vor zwei Jahren hat eine Veränderung stattgefunden“, erinnert sich die blonde, junge Frau. Die Frage, was genau sich in den Lebensmitteln und Kosmetikartikeln befindet, die sie täglich nutzt, trieb sie und ihren Freund Chris Wulf schon länger um.

Sie wollten sich zuerst nur gesünder, bewusster ernähren, doch die Recherche führte zu einem anderen Thema. Der Wunsch nach gesünderer Ernährung und das Hinterfragen von Produkten stellte sie vor einige Herausforderungen. Viele Läden, die Ware unverpackt oder plastikfrei verkaufen, gibt es hier auf dem Land nicht. Dieser Umstand hat zu einer Idee geführt.

„Ich habe so rumgesponnen und mir gewünscht, meinen eigenen Laden eröffnen zu können, in dem Ware unverpackt und plastikfrei gekauft werden kann“, beschreibt Blödorn ihre Vision. Sie versucht selber, nur noch unverpackte Ware zu kaufen, nachhaltige Kosmetik zu benutzen und sich weiter zu informieren.

Es gibt immer Alternativen

Doch gibt es nicht immer passende Alternativen. „Ich habe meine Zahnbürste in dem einen, mein Shampoo in einem anderen und meine Creme in einem dritten Laden gekauft – als nachhaltig habe ich das nicht empfunden“, sagt Blödorn. Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, nach einem Leben mit weniger Plastik setzt sich in ihrem Kopf fest. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt sie sich und plant kurzer Hand die ersten Schritte für ihren Online Shop.

Durch Erklärvideos und Webinare bringt sie sich die nötigen Handgriffe selbst bei. „Ich bin meine eigene IT-Fachfrau, Datenschutzbeauftragte und einzige Arbeitskraft“, erzählt die 29-Jährige lächelnd. Die Homepage und das System hat sie selbst gestaltet. Doch so einfach sich das anhört, war es für die junge Frau nicht. „Einige haben mich offen kritisiert, einige haben mich belächelt und mein Vorhaben als Spinnerei abgetan, mich nicht ernst genommen“, erinnert sie sich.

Auch ihr Lebensgefährte Chris Wulf hatte zuerst Bedenken bei ihrem Vorhaben. Die Wohnung, in der die beiden leben, renovieren sie gerade zumeist allein. Eine neue Herausforderung mitten im Umbau hätte auch nach hinten losgehen können. „Ich wollte es mir und all den Kritikern beweisen“, meint Blödorn. Und das Kunststück ist geglückt. Der Shop ist seit dem 13. April online.

Boxen riechen nach Zitrone, Orange und Salbei 

„Der Name war meine Idee“, bemerkt Wulf im Gespräch, „der Shop kommt von Sabrina und hat was mit der Natur zu tun.“ SabNature – alles dabei. Der Shop und die Idee dahinter sind simpel: Die beiden testen Produkte des alltäglichen Bedarfs, von Shampoo bis Spülbürsten. Wenn die beiden von der Ware überzeugt sind, werden diese in den Shopverkauf aufgenommen.

Das Lager ist im Hausflur, einige Kartons stapeln sich aufeinander wie eine schiefe Sandburg. Der Inhalt in einem der Boxen lässt die Geruchssinne aufleben, es riecht nach Zitrone, Orange und Salbei. Die festen Shampoos sind nicht luftdicht in Plastik verpackt, sondern in kleinen bunten Kartons. Der Geruch wird intensiver, als Blödorn die Bestellung des Kunden zusammenpackt. Sie hält kurz inne und riecht an dem Karton mit den Kosmetikartikeln, ein Lächeln huscht über ihre Züge. Die verkauft sie am liebsten, die riechen so toll.

Sie geht zu dem Raum unter der Treppe, in dem sie Kartons aufbewahrt, die sie von Freunden oder der Familie bekommt, um diese weiter zu nutzen. Bis jetzt musste sie noch nie Verpackungsmaterialien extra kaufen.

Geht nicht immer ganz ohne Plastik

In das Paket kommen acht Teile, Seife, Shampoo, zwei Seifenkissen und -säckchen, Sheabuttercreme in kleinen Weck-Gläsern, eine Zahnbürste aus Bambus. Die Rechnung druckt Blödorn nicht aus, auch keinen Lieferschein. Das bekommt der Kunde alles ohne extra Papiereinsatz per E-Mail. Ein weiterer Schritt Richtung Nachhaltigkeit. An den Online-Shop ist auch ein Blog angeknüpft. Hier gibt sie Tipps zu den Themen Nachhaltigkeit, plastikfreies Leben und gesunde Ernährung.

Manchmal steht sie vor einem Regal mit Twix oder Bounty und ärgert sich, weil man eben auch mal Lust auf etwas Süßes hat. Aber jeder Riegel ist extra verpackt und dann noch mal in einer großen Plastiktüte – ein No-Go. „Ganz ohne Plastik geht es nicht immer. Aber es geht mir nicht darum, alles direkt richtig zu machen, auch nicht so zu wirken. Ein Bewusstsein für die Produkte, die man nutzt, und die man auch ohne Plastik kaufen kann, zu schaffen, ist mein größter Wunsch“, betont sie.

Andere nicht belehren

Sie will andere nicht belehren, von heute auf morgen alles perfekt zu machen, muss nicht sein. Es ist ein Prozess, den sie selber noch durchläuft. Aber zum Hinterfragen, zum Bewusstwerden und zum Informieren anregen, das ist ihr wichtig.

Von dem Shop alleine kann sie noch nicht leben. Doch im Büro achtet man inzwischen auf seinen biologischen Fußabdruck. Irgendwann einmal, kommt vielleicht doch der Unverpackt-Laden im Ort. von Luisa Wellenbrock