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Samtgemeinde Sachsenhagen Sachsenhäger findet rund 4000 Jahre altes Beil aus der Bronzezeit
Schaumburg Sachsenhagen Samtgemeinde Sachsenhagen Sachsenhäger findet rund 4000 Jahre altes Beil aus der Bronzezeit
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18:40 01.11.2019
Olaf Stolze zeigt seine Funde: Auf dem Papier in seiner Hand ist links der Beilkopf zu sehen, den er in Sachsenhagen gefunden hat. Wie das ganze Werkzeug ausgesehen haben könnte, zeigt der selbstgefertigte Nachbau. Quelle: Thomas Rocho
Sachsenhagen

Wenn Olaf Stolze mit seinem Metalldetektor über die Felder streift, macht er sich eigentlich nur wenig Hoffnung, etwas wirklich Interessantes zu finden. „Wenn mein Herz jedes Mal höher schlagen würde, wenn das Gerät piept, hätte ich schon mehrere Infarkte gehabt“, sagt er trocken. „Auf 30 Teile Schrott kommt vielleicht eines, das sich lohnt.“

Aber Stolze bleibt dran - und hat jetzt „den Sechser im Lotto“ geknackt, wie er selbst sagt. Auf einer seiner Touren in Sachsenhagen, für die er sich immer eine offizielle Genehmigung einholen muss, schlug die Sonde mal wieder an – und Stolze zog den Kopf eines Beils aus dem Boden.

Das Beil, das Stolze in Sachsenhagen gefunden hat. (Foto: Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft)

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Schaumburger Kreisarchäologe schätzt Alter auf rund 2000 vor Christus

Mit seinem Fund sprach Stolze beim Kreisarchäologen der Schaumburger Landschaft, Daniel Lau, vor. Die erste Einschätzung des Fachmanns, vorbehaltlich weiterer Untersuchungen: geschweiftes Flachbeil aus Kupfer oder einer Kupferlegierung, Holzgriff verrottet, Kopf gut erhalten. Alter: mutmaßlich Kupfersteinzeit bis mittlere Bronzezeit, „vermutlich nicht von 5000, sondern eher um die 2000 Jahre vor Christus“.

Das Problem sei, dass solche Werkzeuge früher oft und lange genutzt wurden. Darum lässt sich nicht ohne Weiteres sagen, wie alt das Beil genau ist. Sicher aber ist: „Das ist ein Stück Urgeschichte und bisher der einzige Fund aus dieser Zeit in der Umgebung Sachsenhagens“, so Lau.

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Metallanalyse könnte Antworten bringen

Das Beil könne auf ganz unterschiedliche Arten nach Sachsenhagen gelangt sein – Grabbeigabe, Verlust, Deponierung oder weil sich dort eine Siedlung befand. Zu weiteren Nachforschungen am Fundort wird es aber zunächst nicht kommen – es fehlt an personellen und finanziellen Kapazitäten.

Erst, wenn an der Stelle einmal Bauland geplant werde, würden aufgrund des Fundes unter Auflagen genauere Untersuchungen des Bodens vorgenommen, erklärt Lau. In jedem Fall ist jetzt aber eine Metallanalyse geplant. Die genaue Zusammensetzung könne Hinweise auf Datierung und Herkunft liefern, hofft der Archäologe.

Nicht der erste Fund für Stolze

Für Stolze war der Fund in Sachsenhagen nicht der erste von dem Kaliber – aber der am besten erhaltene. 2012 machte der Sondengänger seinen Lehrgang beim Landesamt für Denkmalpflege (NLD). 2013 fand er bei Seelze einen etwa gleich alten Beilkopf, 2015 bei Hessisch-Oldendorf Musketenkugeln aus dem 30-Jährigen Krieg. 500 Stunden im Jahr ist Stolze auf Äckern unterwegs, rechnet er vor.

Aber warum das Ganze? „Es ist einfach unheimlich interessant, vor allem die Fragen, welche solche Funde aufwerfen: Aus welcher Zeit und woher stammt das Stück? Was ist damals mit dem Träger passiert?“, sagt er und ergänzt: „Ich mache das auch, um die Archäologie zu unterstützen.“

Nächste Station: Rathausvitrine?

Das jetzt entdeckte Beil darf Stolze vermutlich behalten, nur "Funde von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung" behält das Land Niedersachsen ein, so das NLD. Da er seine Fundstücke „nicht zu Hause in der Vitrine verstauben lassen“ will, überlegt Stolze nun, wo das Relikt nach der Untersuchung unterkommen könnte. Vielleicht, so hofft er, findet sich ja eine Vitrine im Sachsenhäger Rathaus – immerhin handelt es sich um ein Stück Geschichte. Von Thomas Rocho

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