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Samtgemeinde Sachsenhagen Sachsenhagen sieht keine Probleme mit nicht sterilisierten Katzen
Schaumburg Sachsenhagen Samtgemeinde Sachsenhagen Sachsenhagen sieht keine Probleme mit nicht sterilisierten Katzen
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19:05 18.06.2019
Katzen sind Dauergäste in Tierheimen – nicht nur in Schaumburg.  Quelle: dpa
Samtgemeinde Sachsenhagen

Eine Kastrationsverordnung für freilaufende Hauskatzen steht in der Samtgemeinde Sachsenhagen weiterhin nicht zur Diskussion – noch nicht. „Aktuell stellt sich die Frage nach einer Pflicht für uns nicht“, sagt Roland Reichert, allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, auf Anfrage. Allerdings sei eine entsprechende Verordnung auch „nicht ganz vom Tisch“.

Klar sei, so Reichert: „Eine Satzung ist schnell geschrieben. Wenn ich ihre Einhaltung aber nicht kontrollieren kann, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit.“ In einer kleinen Verwaltung wie in Sachsenhagen seien diese Kontrollen ohne zusätzliche Fachkraft kaum leistbar. Zudem gebe es bereits viele Bürger, die sich selbstständig um eine Kastration kümmerten. Auch seien ihm aktuell keine Orte in der Umgebung bekannt, die man als Brennpunkte bezeichnen könnte, an denen viele Katzen lebten.

„Hotspots“ in der Samtgemeinde

„Bisher liegt die Zahl der Katzen aus unserer Sicht nicht überdurchschnittlich hoch“, so Reichert. Es seien nun einmal Wildtiere, die sich in der Natur aufhielten. Dennoch seien Fundkatzen immer wieder ein großes Thema in Gesprächen zwischen Samtgemeinde und Tierheim. „Dankenswerterweise sind die Einrichtungen bereit, die Tiere aufzunehmen“, so der Verwaltungsmitarbeiter.

Kerstin Kassner, Leiterin des Stadthäger Tierheims, welches auch für Nienstädt, Niedernwöhren und eben Sachsenhagen zuständig ist – sieht das Thema grundlegend anders. Aus ihrer Sicht sind die Katzen aus Sachsenhagen nämlich doch ein Problem. Und wären ein noch größeres, wenn das Tierheim in der Vergangenheit nicht immer wieder aktiv geworden sei. „Wir haben bei uns immer mehrere verwilderte Katzen aus dem Bereich, zum Teil auch mit Würfen“, sagt sie.

 Zudem sieht Kassner entgegen der Verwaltung durchaus „Hotspots“ in der Samtgemeinde: Auf Anhieb fallen ihr die Straße Beiermannschen in Hagenburg und die Auguststraße in Wiedenbrügge ein. „Allein an der Auguststraße leben im Moment etwa 20 Katzen und Jungtiere“, so Kassner. Solche Dinge melde sie regelmäßig der Samtgemeinde.

Die Fachfrau hatte kürzlich im Zusammenhang mit den verwahrlost in Helpsen aufgefundenen Katzen bemängelt, dass vor allem aus Sachsenhagen immer wieder Fundkatzen kämen, weil es dort im Gegensatz zu den anderen Nachbargemeinden keine Kastrationsverordnung gäbe. „In unseren anderen Bereichen haben diese Verordnungen im Großen und Ganzen super gegriffen“, so Kassner.

Pauschale deckt Tierheimkosten nicht

Mit Blick auf Sachsenhagen stößt ihr zudem sauer auf: „Von dort ist aus der Verwaltung noch nie jemand bei uns vorbeigekommen und hat sich selbst ein Bild von der Situation gemacht.“
Zwischen der Samtgemeinde und der Stadthäger Einrichtung gibt es eine Vereinbarung, wie Reichert berichtet und Kassner bestätigt: Sachsenhagen übernimmt die Unterbringungskosten für „maximal 30 Tage“ und zahlt für die Kastration, jeweils pauschal. Eine Kastration kostet bei Katern etwa 80 Euro, bei Katzen rund 125 Euro.

Die Pauschalen aber decken nicht die Kosten im Tierheim. „Viele der Katzen sitzen hier nicht nur einen Monat, sondern ein paar Jahre. Und auch sie brauchen regelmäßig Fressen, Impfungen und mehr“, so die Tierheimchefin. Für die Einrichtung bedeute das noch höheren Druck als ohnehin schon. „Und das Geld könnte die Samtgemeinde sicher auch sinnvoller anbringen.“ Als letztes Mittel sieht Kassner bei zu großer Belastung, Tiere aus Sachsenhagen abzulehnen. „Da sitzen wir am längeren Hebel.“

Wie Kreisveterinär Ulf Güber erklärt, ist die Kastration von „Freigänger“-Heimtieren wie auch wildlebenden Katzen wichtig, um einer ungewollten Vermehrung vorzubeugen. Er weist zudem auf einen oft nicht bekannten Umstand hin: „Wer freilebende Katzen regelmäßig füttert, geht ein Obhutsverhältnis ein“, sagt er. Dann sei man auch in der Pflicht, eine Kastration zu veranlassen. Mit Blick auf eine mögliche Verordnung sagt er: „Viele Mitbürger halten sich daran und scheinen sich mehr Gedanken über die Haltung zu machen.“  von Thomas Rocho