Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Seeprovinz Fischer soll Vogel ertränkt haben
Schaumburg Sachsenhagen Seeprovinz Fischer soll Vogel ertränkt haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:50 20.11.2018
Der Sterntaucher ist ein seltener Gast am Steinhuder Meer.
Der Sterntaucher ist ein seltener Gast am Steinhuder Meer. Quelle: Privat
Anzeige
Steinhude

Ein Fischer soll möglicherweise einen seltenen Vogel im Steinhuder Meer absichtlich ertränkt haben. Der Vogel hatte sich wohl in einem Stellnetz verfangen. Die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) hat Anzeige gegen den Fischer erstattet und fordert Konsequenzen: Das Land Niedersachsen als Eigentümer des Steinhuder Meers und Verpächter der Fischereirechte soll den Pachtvertrag mit dem Fischereiverein Steinhude kündigen.

Mithilfe einer Eisenstange ertränkt

Nach Mitteilung von Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM, hat ein studentischer Mitarbeiter der Station seinen Augen nicht getraut: Am Montag vergangener Woche sah er einen Sterntaucher, der sich in einem Stellnetz verfangen hatte. Das Netz befand sich in der Nähe der Badeinsel im Steinhuder Meer. Als sich ein Fischerboot näherte, habe der Mitarbeiter den seltenen Vogel schon in Sicherheit gewähnt. Was aber dann geschah, können die Naturschützer in der ÖSSM bis heute nicht fassen. Brandt: „Anstatt den noch vitalen Vogel aus dem Netz zu retten, beschwerte der Fischer das Netz mit dem Vogel mithilfe einer Eisenstange und ertränkte diesen.“ Einige Minuten später habe der Fischer den toten Sterntaucher geborgen, zu den gefangenen Fischen ins Boot gepackt und sei davongefahren.

Staatsanwaltschaft ermittelt

„Nach unserem Rechtsverständnis dürfte es sich beim absichtlichen Ertränken des besonders geschützten Vogels um eine Straftat handeln“, so Brandt. Deswegen habe man den Fall der Polizei gemeldet. Der Fischer sei zu Vernehmung geladen worden, war vom Polizeikommissariat Wunstorf zu erfahren. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

„Eine miese Vogelfalle“

Die Naturschützer kritisieren die Verwendung sehr dünner Stellnetze, die für tauchende und schwimmende Wasservögel kaum sichtbar seien. Das beschriebene Netz stehe etwa 30 bis 40 Meter vor der Badeinsel. Würden Vögel wie der Sterntaucher oder Haubentaucher durch Spaziergänger aufgeschreckt, tauchten die Tiere und gerieten in das Netz. Dieses sei eine „richtig miese Vogelfalle.“
Man gehe davon aus, dass mit solchen Netzen dutzende Vögel gefangen werden. „Solch ein rücksichtsloses und ignorantes Vorgehen beim Fischfang ist in einem Schutzgebiet von internationaler Bedeutung wie dem Steinhuder Meer völlig unakzeptabel“, klagt Brandt. Am Freitag nach dem Vorfall mit dem Sterntaucher, habe die Feuerwehr einen Haubentaucher aus einem Stellnetz befreit.

"Tod von Tieren wird billigend in Kauf genommen"

Und auch dafür, dass es der eine oder andere Fischer mit der Gesetzestreue nicht so ernst nehme, gäbe es weitere Hinweise. Erst im vergangenen Jahr habe eine Ente kurz vor dem jämmerlichen Ertrinken gerade noch aus einer Fischreuse gerettet werden können. Dabei habe sich heraus, dass der betreffende Fischer nicht den seit mehreren Jahren gerichtlich vorgeschriebenen Fischotterschutz in die Reuse eingebaut hatte. „So wie die Berufsfischerei derzeit am Steinhuder Meer betrieben wird, wird von Netz- und Reusenbetreibern der Tod zahlreicher geschützter Tiere billigend in Kauf genommen. Das ist nach unserem Verständnis weder gesetzes-, tierschutz- noch gesellschaftskonform und außerdem moralisch höchst verwerflich“, so Thomas Beuster, Geschäftsführer der ÖSSM.

Schlepp- und Stellnetze zulässig

Diese fordert deswegen Konsequenzen und erwartet vom Land Niedersachsen als Eigentümer des Steinhuder Meeres, dass der Pachtvertrag mit dem Fischereiverein Steinhude gekündigt wird. Außerdem bittet die ÖSSM die Bevölkerung, auf in Fischnetzen verfangene Vögel zu achten und diese umgehend bei der Polizei zu melden, damit sie gerettet werden können.
Zum Pachtvertrag bemerkte Conrad Ludwig, Leiter der Domänenverwaltung im Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, dass das Fischen mit Schlepp- und Stellnetzen im Vertrag beschrieben und zulässig sei. Die Situation auf dem Steinhuder Meer müsse man sachlich diskutieren.