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Seeprovinz Kanäle im Loccumer Kloster überdauern 850 Jahre
Schaumburg Sachsenhagen Seeprovinz Kanäle im Loccumer Kloster überdauern 850 Jahre
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16:37 20.08.2019
Loccum

Mehr als 850 Jahre sind vergangen, seit einige Zisterzienser-Mönche damit begonnen haben, in der moorigen und sumpfigen Wüstenei Loccums ein Kloster zu bauen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für solche Kloster-Standorte war, dass ausreichend Wasser zur Verfügung stand – das sie zähmten und in Bahnen lenkten und von dem einige der ältesten Bauteile des Klosters immer noch zeugen.

Das saftige Grün, das den kleinen Bach auf der Wiese des Loccumer Klostergutes säumt, verdeckt den Eingang zu dem alten Kanal fast gänzlich. Niedrig ist das gemauerte Gewölbe, Eberhard Sievers muss sich tief bücken, um hindurch zu kommen. „Dieser Kanal führte direkt zum Brauteich“, erzählt Sievers. Der Loccumer hat sich acht Jahre lang mit einer Gruppe von Senioren mit der Wasserwirtschaft der Zisterzienser im Kloster beschäftigt. Ein Buch mit dem Titel „Die Wasserbaukunst im Kloster Loccum“ haben sie herausgegeben, vieles erforscht, aber auch Fragen offen gelassen.

Studentin erkundet Gang für Doktorarbeit

Vor einigen hundert Jahren hat es in dem Kanal, in dem er steht, vermutlich ziemlich übel gerochen. Noch heute führen alte Abflussrohre in das Gemäuer, aus denen früher das Wasser aus dem Brauteich, aber auch Abwässer direkt aus Klosterküche und „Slaphus“ – dem Schlafsaal der Mönche – in den Kanal flossen. Diese Zeiten sind vorbei, das Kloster ist längst an die Kanalisation angeschlossen, Fäkalien landen hier nicht mehr.

Oliver Wolf ist vom Bauamt des Hannoverschen Landeskirchenamtes mit der Bauleitung des Konventsgebäudes betraut. Wenige Meter nur wagt er sich in den Kanal. Eine Studentin, erzählt Wolf, habe den Gang für ihre Doktorarbeit erkundet. Bis zu jenem Knick dort hinten, dann noch ein gutes Stück weiter geradeaus sei sie gegangen, gekrochen und gerobbt. Auf dem Klostergelände, nahe an der alten Zehntscheune, die „Elephant“ genannt wird, hätten sie die Studentin schlammverschmiert aus dem Kanal wieder herausgezogen. Aus einem Schacht, der zu allen anderen Zeiten zur Sicherheit mit einer großen Betonlatte abgedeckt ist.

Kanal mit Fundstücken übersät

Zu gefährlich sei ein solches Unterfangen, befindet er und begnügt sich mit dem Eingangsbereich. Er richtet den Blick auf den mit Steinen und Scherben übersäten glitschigen Boden. Keramikscherben, eine tönerne Flasche, ein Löffel – schnell hat er die Hände voll mit Fundstücken.

Die Flasche wird später am Brauteich abgespült, es taucht eine Inschrift auf, datiert auf das 19. Jahrhundert. Mineralwasser aus Kissingen in Bayern hat sie einmal enthalten. Mit solchen Fundstücken sei der Kanal vermutlich übersät, meint Wolf. Wovon er zeugt, das ist die Wasserbaukunst der Zisterzienser, die auch nach Jahrhunderten noch genutzt werden kann.

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