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Seeprovinz Rund ums Steinhuder Meer: Zu viel Phosphat in Boden und Wasser
Schaumburg Sachsenhagen Seeprovinz Rund ums Steinhuder Meer: Zu viel Phosphat in Boden und Wasser
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16:37 12.09.2019
Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus. Das Land Niedersachsen will dazu eine neue Verordnung beschließen - mit deutlich strengeren Regeln als bisher, die auch die Seeprovinz betreffen. Quelle: dpa/Symbolbild
Seeprovinz

Ein Abkürzungs-Ungetüm hat die Region rund um das Steinhuder Meer am Mittwoch in die Schlagzeilen gerückt. So sieht es aus: NDüngGewNPVO. Dahinter verbirgt sich die Niedersächsische Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat oder Phosphat.

Worum geht es? In einem Satz: Weil im Steinhuder Meer ein zu hoher Anteil an Phosphat gemessen wurde, legt die Landesregierung Bauern strengere Regeln für das Düngen auf, die ohnehin mit der Verschärfung der Düngeverordnung zu kämpfen haben. Der Entwurf für die neue Verordnung wird jetzt drei Monate in Verbänden diskutiert, bevor das Kabinett in Hannover die endgültige Fassung der Verordnung beschließt. Das soll Mitte November so weit sein, bis dahin dürfte es noch Diskussionen geben.

EU pocht auf Einhaltung von Umweltvorgaben

Die Landesregierung hat sogenannte Gebietskulissen definiert, in denen die Werte für Phosphat (im Oberflächenwasser) und für Nitrat (im Grundwasser) zu hoch sind. Die neue Verordnung soll dafür sorgen, dass über die Landwirtschaft weniger Nährstoffe in Gewässer geschwemmt werden. Hintergrund: Die Europäische Union (EU) pocht darauf, dass Deutschland Umweltvorgaben einhält, die schon vor Jahren in Brüssel festgelegt worden sind. Auf dem Thema lastet seit einiger Zeit politischer Druck, weil die EU für den Fall der Nichtbefolgung Deutschland hohe Strafen androht.

Die "Gebietskulisse Phosphor", die die Landesregierung jetzt per Federstrich eingerichtet hat, dürfte rund um das Steinhuder Meer für Diskussionen sorgen. Sie soll dazu beitragen, dass weniger Nährstoffe ins Steinhuder Meer geschwemmt werden. Karte: Buhre

Zur Phosphat-Gebietskulisse gehört auch das Steinhuder Meer, als einer von acht niedersächsischen Seen. Landesweit umfasst die „Kulisse“ ein Gebiet von 35.000 Hektar, das ist ein Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Zu der Region, die von der neuen Verordnung erfasst wird, gehören das Steinhuder Meer und seine Uferbereiche, besonders betroffen sind Bereiche im Südwesten, im Südosten und im Norden des Steinhuder Meeres.

Steinhuder Meer leidet ohnehin unter Nährstoffeinträgen

Die Qualität des Wassers im sehr flachen Steinhuder Meer wird schon seit Langem durch ein Übermaß von Nährstoffeinträgen belastet, die auf die Landwirtschaft zurückgehen. Sie sickern nach Auskunft des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz über das Grundwasser, aber auch über Zuflüsse ein. Vor allem im Sommer ist es in den vergangenen Jahren verstärkt zu Algenblüten gekommen. Sie beeinflussen Fauna und Flora, trüben außerdem den Badespaß am Steinhuder Meer, das sommers viele Touristen unter anderem zur Badeinsel in Steinhude zieht.

Diese Maßnahmen müssen Landwirte ab 2021 treffen

Was die Reduzierung des Phosphateinsatzes angeht, legt die Verordnung der Landesregierung den Landwirten vor allem drei Maßnahmen auf. Sie müssen

  • den Wirtschaftsdünger analysieren, bevor sie ihn auf die Felder bringen, um noch präziser düngen zu können,
  • für sieben (statt wie bisher für sechs) Monate Wirtschaftsdünger und Gärreste lagern, um deren Einsatz flexibler steuern zu können,
  • „auf hoch und sehr hoch versorgten Böden“ die Düngung mit Phosphat reduzieren, damit dessen Anteil im Boden dauerhaft sinkt.

Für zwei der Maßnahmen hat die Landesregierung Übergangsfristen vorgesehen. Die Reduktions-Vorschrift gilt ab Anfang 2021, die Lager-Vorschrift ab Mitte 2021. Ob die Bauern die neue Verordnung nach ihrer Verabschiedung einhalten, soll dann die Landwirtschaftskammer Niedersachsen überwachen. Von Arne Boecker

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