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Seeprovinz Steinhuder Meer: Land sichert sich Polderfläche
Schaumburg Sachsenhagen Seeprovinz Steinhuder Meer: Land sichert sich Polderfläche
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18:35 06.03.2020
Das schwimmende Gerät der Fachfirma Schilder liegt an der Hafenstraße in Steinhude im Wasser.  Quelle: Sven Sokoll
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Steinhude

Für die Entschlammung des Steinhuder Meeres will die Domänenverwaltung des Landes künftig eine zusätzliche Fläche neben dem Schlammpolder Kolkdobben in Mardorf nutzen. Beim fünften Forum Steinhuder Meer sind auch die Ergebnisse der Tiefenmessungen vorgestellt worden.

Die Domänenverwaltung steht kurz davor, Erweiterungsflächen für den Polder Kolkdobben in Mardorf zu kaufen. Sie hofft, damit in absehbarer Zeit deutlich größere Ablageflächen für den Schlamm aus dem Steinhuder Meer nutzen zu können, wie sie bei ihrem fünften Forum Steinhuder Meer mit rund 90 Teilnehmern mitgeteilt hat. Die Ergebnisse der neuen Tiefenmessungen zeigen allerdings, dass die Aufgabe Entschlammung groß bleibt.

"Es war sehr mühsam"

Der zuständige Abteilungsleiter im Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, Conrad Ludewig, berichtete: „Wir haben uns schon seit zehn Jahren in Mardorf um neue Flächen bemüht, aber das war sehr mühsam.“ Nun seien die Gespräche mit der Forstinteressentengemeinschaft Mardorf weit vorangeschritten, 14,2 Hektar direkt neben dem Kolkdobben zu übernehmen.

Dort erstreckt sich der Schlammpolder bisher auf 12,5 Hektar. „Das wäre für uns alle ein wichtiger Schritt“, betonte Ludewig – umso mehr, weil der kleinere Polder in Großenheidorn-Strand wegen einer Klage derzeit noch nicht wieder befüllt werden darf.

Um zu wissen, wie groß die Herausforderung Schlamm ist, sind Anfang vergangenen Jahres die Meerestiefen und die Dicke der Schlammschicht darauf mit einem Echolot-Schiff ermittelt worden. Jörg Prante vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) hat die Daten jetzt vorgestellt. Demnach hat eine 1937 und noch 1963 nachgewiesene lange, tiefe Rinne, am Steinhuder Meer Deipen genannt, ihre Form geändert und ist kürzer geworden.

Dicke Schlammbank vor Mardorf

Im Westenmeer liegt weiterhin viel Schlamm. Daneben fällt jetzt aber eine dicke Schlammbank vor Mardorf auf. Sie wird auf ein Volumen von bis zu 750.000 Kubikmetern geschätzt, das ist mehr als das Land seit dem Jahr 2000 insgesamt an Schlamm aus dem See geholt hat. Eine Aktion dafür könnte allein bei den Kosten mit rund 7,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, bei einem Jahresbudget von derzeit 550.000 Euro. „Vielleicht muss man eher darüber nachdenken, ob man sie innerhalb des Meeres umlagert, zum Beispiel mit auf den Schlamm im Westenmeer“, sagte Prante.

Nach den Erhebungen hat die gesamte Schlammmenge seit 1994 um rund 1 Million Kubikmeter zugenommen auf jetzt 15 Millionen. Johannes Franke von der Nutzervereinigung Notgemeinschaft forderte deshalb, zumindest diese Neubildung herauszunehmen: „Sie sorgt für eine konstante Verschlechterung der Befahrbarkeit“, betonte er.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, unter anderem wegen des Sturms, hat die Firma Schilder jetzt mit den aktuellen Arbeiten begonnen, bei denen aber vor allem Sand entnommen wird. Voraussichtlich bis Ostern arbeitet sie sich vom Bereich der Hafenstraße am Steinhuder Ufer bis zu den Berufsseglern vor.

Phosphor trägt zur Neubildung bei

Zur Neubildung von Schlamm, jährlich rund 40.000 Kubikmeter, trägt erheblich der Phosphor bei, der in das Steinhuder Meer eingeleitet wird. Nach einem Vortrag von Hans-Heinrich Schuster aus dem NLWKN geschieht das derzeit aber noch im vierfachen Volumen dessen, was der See eigentlich vertragen kann. Das kommt zum einen aus den Siedlungen, wobei in Mardorf sich die Lage durch Investitionen schon verbessert hat. Steinhude und Großenheidorn müssen folgen, derzeit läuft dafür eine Voruntersuchung. Außerdem sind der Winzlarer Grenzgraben und eine früher gedüngte Abtorffläche als große Quellen im Blick.

Zum Wasserstand sagte der neue Geschäftsführer des Meerbach-Unterhaltungsverbands, Gaylord Kurre, dass nach zwei Jahren mit zeitweise einem halben Meter zu wenig Wasser jetzt nur noch ein Zentimeter an dem Soll-Stand von 38,00 Metern über Normal-Null fehlt. Er berichtete auch über die Fischtreppe nördlich des Wehrs im Meerbach, die die letzte verblieben Hürde beseitigen soll: „Die Ausschreibung bereiten wir jetzt vor.“ An der Wassermenge, die an der Stelle aus dem Meer fließt, soll sich aber nichts ändern.

Von Sven Sokoll

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