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Hagenburg Rund 800 Kilo Goji-Beeren aus Hagenburg
Schaumburg Seeprovinz Hagenburg Rund 800 Kilo Goji-Beeren aus Hagenburg
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13:54 19.08.2019
Vereinte Kräfte bei der Ernte (von links): Ernst Friedrich Garbe, Ada-Sophie Garbe-Bothe, Henning Bothe und Heiko Bothe.  Quelle: pr.
Hagenburg

14 Tage später als im Vorjahr geht es los: Seit Mitte Juli pflücken viele Hände die erste große Ernte. Etwa 800 Kilogramm sollen es werden. Der Familienbetrieb Hof Hagenburg baut seit 2016 Gojibeeren an. Im dritten Jahr verbuchen die Landwirte um Jungbauer Henning Bothe den ersten Erfolg.

Fiel die erste Lese im Vorjahr mit 250 Kilogramm noch deutlich geringer aus – zwei Wochen Vogelfraß, infolge von Hitze und Dürre auf Getreidefeldern, schmälerten die Ernte – ist heute mit fast viermal so viel Ertrag zu rechnen. Mit der Entscheidung, die aus China stammende, orangefarbige Frucht in Norddeutschland anzubauen, stellte der Goji-Hof Hagenburg auch auf Biobetrieb um. Auf Chemie verzichtet der staatlich geprüfte Betriebswirt, Fachrichtung Land- und Forstwirtschaft, seit drei Jahren.

Gojis mögen es warm

Drohen im Frühjahr Spinnenmilben die Sträucher zu befallen, spritzt Bothe ein Rapsöl-Wasser-Gemisch im Verhältnis eins zu zehn. „Eine Woche später ist von den Schädlingen nichts mehr zu sehen“, so der Landwirt, der mit Klaus Umbach aus Heilbronn in Baden-Württemberg einen Bioland-Gärtner gefunden hat, der ihn in Anbaufragen berät und die Goji-Sorte Turgidus kultiviert hat. Diese baut Bothe an, sie kennzeichnet eine starke Süße.

Gojis mögen es zudem warm. „Bei Temperaturen über zwölf Grad wachsen die Sträucher bis zu einem Zentimeter – pro Tag“, erklärt Goji-Züchter Umbach. Wer aktuell auf die einen Hektar große Anlage auf dem Hof Hagenburg blickt, sieht die bis zu 2,50 Meter großen Sträucher. Diese brauchen bis zu sieben Jahre, um den Vollertrag zu bilden. Gleichzeitig ist die Nutzdauer lange. Bis zu 20 Jahre reifen Früchte an ihnen heran. Bei heimischen Obstsorten müssen oft schon nach zehn Jahren Sträucher ersetzt werden.

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Beeren mit vielen positiven Nebenwirkungen

Dass die Ernte dieses Jahr später beginn, liegt an zwei kalten Wochen im Frühjahr. Bis alle 8000 Gojisträucher abgeerntet sind, wird es wohl Ende Oktober werden, ist sich Bothe sicher. Und er hat neben Anbau und Ernte eine weitere offene Baustelle: Gojis zählen wie Quinoas oder Chiasamen zu den sogenannten Superfoods. Sie eint ein hoher Mineralstoff- und Vitamingehalt. Auch sind sie reich an sekundären Pflanzenstoffen, den Antioxydantien, die für eine glatte Haut sorgen. Den Gojis wird zudem eine blutreinigende Wirkung nachgesagt. Sie stärken die Grundkonstitution des Menschen, wie Ernährungsfachleute bestätigen.

Doch Superfoods sind teurer als etwa regionale Heidelbeeren oder Leinsamen, denen ebenfalls gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden. Und Superfoods sind erklärungsbedürftig. Henning Bothe steht deshalb an zwei Wochenenden im August im dm-Drogeriemarkt in Neustadt am Rübenberge und lässt Kunden die exotische Frucht aus regionalem Anbau kosten. Eine weitere Vermarktungsidee hat Mutter Annegret: Ihre Marmelade aus „Birne-Quitte, Apfel und Orange mit der Superfrucht kombiniert, schmecken famos“, beschreibt Bothe. Zumal Gojis vom Hof Hagenburg die entsprechende Süße ausweisen.

Apfelsaft und Marmelade profitieren

Warum das so ist, verdeutlicht Gärtner Umbach: „Mit Turgidus hat die Familie eine Sorte gewählt, die ihre ganze Energie in die Früchte investiert“. Das dient auch dem selbstgemachten Apfelsaft. Der wie die Marmelade mit Gojibeeren angereichert wird, beides verkaufen die Bothes übrigens im eigenen Hofladen.

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