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Seeprovinz Nabu wildert 13 Sumpfschildkröten am Steinhuder Meer aus
Schaumburg Seeprovinz Seeprovinz Nabu wildert 13 Sumpfschildkröten am Steinhuder Meer aus
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22:03 11.07.2019
Diese Schildkröten sind mit vier Jahren reif für die Wildnis. Quelle: ab
Winzlar

Die Fachleute hatten sich an der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) in Winzlar getroffen, um zu jenen nassen Stellen westlich des Steinhuder Meeres zu fahren, die als neue Heimat der Schildkröten vorgesehen sind. „Weil wir Schaulustige von den scheuen Tieren fernhalten wollen, beschreiben wir den Ort nicht näher“, sagt Kai-Olaf Krüger, Projektleiter im Nabu Niedersachsen.

Die 13 Europäischen Sumpfschildkröten, die jetzt zum Steinhuder Meer gebracht wurden, sind zwischen drei und fünf Jahren alt. Aufgewachsen sind sie im Nabu-Artenschutz-Zentrum in Leiferde bei Gifhorn.

Die Europäische Sumpfschildkröte zählt zu den am stärksten gefährdeten Tierarten in Deutschland, in Niedersachsen galt sie als ausgestorben. „Vor fünf Jahren hat das Projekt zur Wiederansiedlung nahe des Steinhuder Meeres begonnen“, sagt Nabu-Mann Krüger.

Eigentlich siedelt die Sumpfschildkröte in Nordwestafrika und im Mittelmeerraum, in Asien genauso wie im Baltikum. Überall sind die Populationen jedoch unter Druck geraten, weil die Räume zerstört werden, in denen die Schildkröte lebt. Dies gilt vor allem für Bäche, die verrohrt, und Flüsse, die „geradegezogen“ wurden.

Das Team, das sich um die Wiederansiedlung kümmert, besteht aus Mitarbeitern von Nabu und Sea Life.

Weil es all dies auf Flächen am Steinhuder Meer noch nicht gibt – oder aber die „Korrekturen“ korrigiert werden konnten – wurde die Seeprovinz als Standort für eines der Projekte zur Wiederansiedlung ausgewählt. Das Geld kommt vom niedersächsischen Umweltministerium.

Bis die Schildkröten so weit sind, in die Wildnis entlassen zu werden, päppelt sie das Artenschutz-Zentrum des Nabu in Leiferde auf. Dort geht es vor allem darum, „genetisch geeignete“ Tiere herauszufischen, wie es beim Nabu heißt. Das meint: Die Schildkröten sollten so robust sein, dass sie in ungewohnter Umgebung zurecht kommen.

In den vergangenen fünf Jahren haben Nabu und Sea Life 295 Tiere am Steinhuder Meer freigesetzt. Genaue Zahlen, wie viele davon überlebt haben. Wildkamera-Videos künden jedoch von regem Leben – sofern man bei Schildkröten von „rege“ sprechen kann. „Die Tiere kommen super klar“, freut sich Kai-Olaf Krüger vom Nabu Niedersachsen.

Das einzige Tier, das den Schildkröten gefährlich werden könne, sei der Waschbär, sagt Krüger. „Die lernen, Schildkröten zu ‚knacken‘.“ Zum Glück gebe es am Steinhuder Meer noch nicht so viele Waschbären wie anderswo.

Krüger freut sich, dass jetzt mit einem finanziellen Zuschuss der Bingo-Stiftung Nester angelegt werden konnten. Die menschliche Hilfe ist sinnvoll. „Die ersten Europäischen Sumpfschildkröten, die wieder angesiedelt haben, sind jetzt bereit für die Familienplanung“, sagt Krüger. Die Schildkröten dürften die Fauna am Steinhuder-Meer-Ufer lange prägen, werden sie doch locker 100 Jahre alt. ab