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Seeprovinz Ohne Wasserpolster in den Sommer
Schaumburg Seeprovinz Seeprovinz Ohne Wasserpolster in den Sommer
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13:07 20.04.2019
Bleibt es so trocken, könnten dem Steinhuder Meer dieses Jahr historische Tiefstände bevorstehen. Quelle: Archiv
Seeprovinz

Meist hat August Lustfeld als Resultat von nassen Wintern die nach dem Betriebsplan erlaubten zusätzlichen fünf Zentimeter auf 38,05 Meter NN anstauen lassen, um den Seglern ein kleines Polster mit in den Sommer zu geben. Lustfeld war als Geschäftsführer des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft in Nienburg Herr über das Meerbachwehr, also dem Abfluss des Flachsees.

In diesen Tagen zeigt der Pegel am Wilhelmstein nur 37,85 Meter NN an. Das liegt nicht etwa daran, dass Lustfeld vor rund sechs Wochen in den Ruhestand verabschiedet wurde (siehe Kasten) und das Anstauen unterblieb. Schuld am niedrigen Wasserstand sind vielmehr der extrem trockene Sommer und Herbst des Vorjahres. „Der Tiefstand des Steinhuder Meeres ist am 23. November mit 37,51 Metern erreicht gewesen“, sagt Gaylord Kurre, Nachfolger von August Lustfeld als Geschäftsführer des Kreisverbandes. Der Wert liegt gerade einmal elf Zentimeter über dem historischen Tiefstwasserstand von 1959.

54 Zentimeter Wasser verloren

Von Mitte März bis November hatte es im vergangenen Jahr kaum bis gar nicht geregnet. Das bedeutete, dass der 28 Quadratkilometer große Flachsee einschließlich des „Winterpolsters“ im vergangenen Jahr 54 Zentimeter Wasser verloren hat, was in etwa gigantischen 16,2 Millionen Kubikmetern entspricht. Nur ein Bruchteil dieser Menge ist nicht verdunstet: Rund 1,45 Millionen Kubikmeter sind als Mindestabflussmengen über das Meerbachwehr in den Meerbach geflossen, um dort Flora und Fauna am Leben zu halten.

Der heiße Sommer hat den Winzlarer und Düdinghäuser Grenzgraben austrocknen lassen. Als es dann schließlich wieder regnete, hatten sich Klüften, also Trocknungsrisse, in der Verwallung der Gräbern gebildet. Das gesammelte Regenwasser gelangte darum nicht mehr in den See, sondern sickerte vorher unter der Verwallung durch. Die Erdwälle „haben wir durcharbeiten lassen“, erläuterte Kurre. Somit ist das „Leck“ behoben.

Historische Tiefstände

Unter dem Strich hat der Regen 34 Zentimeter Zuwachs gebracht – nicht genug, um den Frühjahrsnormalwasserstand von 38 Metern NN zu erreichen. Und: Zu den bereits jetzt fehlenden 15 Zentimetern könnten sich zum Saisonende noch einmal 20 Zentimeter Wasserverlust addieren, die das Meer in einem Durchschnittssommer verliert. Bleibt es jedoch so trocken, könnte Lustfelds Prognose aus dem vergangenen Jahr eintreffen, nämlich dass „wir historischen Tiefstständen“ entgegengehen.

„Einen Sommer wie im vergangenen Jahr“ wünscht sich der Geschäftsführer der Steinhuder Meer Tourismus GmbH, Willi Rehbock. Allerdings müsste es „zwischen ein und fünf Uhr nachts öfter kräftige Regenschauer geben.“ Zur Personenschifffahrt und dem niedrigen Wasserstand merkte er an: „Wenn es einen Sommer wie 2018 gibt, dann wird es ab Juli oder August wieder eng.“ Das gelte für das Anlegen an einigen Stegen oder an der Badeinsel.

Von Jan Peter Wiborg