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Stadthagen Ortsteile Neues Bauland für Reinsen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Ortsteile Neues Bauland für Reinsen
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14:56 19.02.2019
Auf diesem Ackergelände an der Reinebuld soll ein neues Baugebiet entstehen.
Auf diesem Ackergelände an der Reinebuld soll ein neues Baugebiet entstehen. Quelle: rg
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Reinsen

Vor einigen Jahren waren Politik und Verwaltung in der Kreisstadt sehr zurückhaltend, wenn es um die Ausweisung von neuem Bauland in den Ortsteilen ging. Hintergrund war zum einen die seinerzeit zurückgehende Bevölkerungszahl und zum zweiten die Strategie, neue Häuser eher in der Innenstadt, bevorzugt in Baulücken, zu platzieren. Doch mittlerweile wird diese Grundlinie eingeschränkt, wie der jüngste Beschluss des Planungs- und Bauausschusses zeigt.

Mit diesem wird die Verwaltung beauftragt, in Reinsen die Ausweisung von zwei neuen Baugebieten einzuleiten. Dabei geht es um insgesamt rund zehn Bauplätze.

Chancen zum Neubau fehlen

Wie Stadtplaner Gerrit Schwalbach im Ausschuss erläuterte, weist die Einwohnerzahl in Stadthagen seit wenigen Jahren wieder eine steigende Tendenz auf. Eine spezielle Untersuchung im östlichen Teil von Reinsen, wo die beiden ins Auge gefassten Baugebiete liegen, habe zudem ergeben, dass dort ein überdurchschnittlicher Anteil der Einwohner ältere Jugendliche und junge Erwachsene sind. Um diese im Ort zu halten, „müssten geeignete Bauplätze oder Bestandsgebäude verfügbar sein“, so Schwalbach.

Das bekräftigte sofort mit Nachdruck die Ausschussvorsitzende Ute Hartmann-Höhnke (SPD), die auch Ortsvorsteherin von Reinsen ist. „Was fehlt, sind Chancen zum Neubau für junge Reinsener“. Denn die wollten überwiegend „nicht in den Altbauten bleiben“, in denen sie vielfach derzeit wohnten. Werde vor Ort kein neues Bauland geschaffen, „drohen die jungen Leute abzuwandern“. Das könne weder im Reinser noch im gesamtstädtischen Interesse sein, argumentierte Hartmann-Höhnke.

Ortsteile sind von Bedeutung

Die CDU-Ratsfrau und Probsthäger Ortsvorsteherin Ursula Schweer stimmte zu: „Die Ortsteile sind ein wichtiger Teil der Stadt, wir sollten dort ausreichend Bauland freihalten.“ In den Ortsteilen finde ein reiches Vereinsleben statt: „Dort lohnt es sich zu leben“, fügte Schweer hinzu. Genauso der CDU-Ratsherr und Obernwöhrener Ortsvorsteher Andreas Ahnefeld: „Ich befürworte die Bereitstellung von Bauland in den Ortsteilen wie Reinsen sehr.“ Es handele sich dort um „naturnahes Wohnen“, was vor allem junge Familien bevorzugen würden. Er sehe durchaus Potenzial, dass die beiden Flächen in Reinsen schnell volllaufen. „Wir sollten das mit Augenmaß betreiben, aber durchaus auch in anderen Ortsteilen neues Bauland ausweisen“, forderte Ahnefeld.

Eingeleitet werden sollen laut dem nahezu einmütigem Beschluss des Ausschusses die Vorbereitungen für Bauleitverfahren mit Blick auf zwei Flächen. Eine liegt westlich der Straße Reinebuld, und zwar im mittigen Abschnitt, dabei geht es um acht Bauplätze. Das andere Areal liegt im hinteren Eckbereich der Rodenberger- und der Heuerßer Straße, hier würden zwei größere Plätze geschaffen.

Bei Reinebuld belassen?

Schwalbach sprach sich dafür aus, es bei einem Gebiet, nämlich dem an der Reinebuld zu belassen. Dieses sei eine Ackerfläche, damit wäre der Eingriff in die Natur nicht so gravierend. Das sei an der Heuerßer Straße anders, hier handele es sich um Grünland mit reichlich Gehölzbewuchs. „Die Verwaltung ist neuerdings verstärkt aufgefordert, für den Artenschutz ökologisch wertvolle Areale zu erhalten, daher unser Rat in diesem Fall.“ Unterstützung erhielt der Stadtplaner von Jürgen Burdorf (WIR). „Der Bedarf hält sich doch eher in Grenzen, außerdem sollten wir das Bauamt zurzeit nicht mit Aufträgen überlasten, ich würde es daher auf das eine Gebiet an der Reinebuld belassen.“

Auf Antrag von Hartmann-Höhnke beschloss der Ausschuss bei einer Stimmenthaltung abweichend vom Verwaltungsvorschlag, Bauleitverfahren für beide Areale vorzubereiten.

von Stefan Rothe