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13:43 24.11.2018
Abraham Sohou darf vorerst bis Mai 2019 bleiben.  Quelle: isa
Wendthagen

Der ivorische Flüchtling erhielt in der vergangenen Woche eine Aufenthaltsgestattung bis Mai 2019, da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Selbsteintritt einsetzte und nun die Bundesrepublik das Asylverfahren übernimmt (wir berichteten). Das Dublin-Verfahren tritt nicht in Kraft. Nun will er seine Ausbildung zum Altenpfleger in Obernkirchen fortsetzen.

Die Hintergründe, die zu der Wendung geführt haben, sind komplex. Zunächst ist es vor allem der Kirchengemeinschaft Wendthagen zu verdanken, dass Bewegung in die Sache kam. Bereits Anfang Oktober, kurz nachdem feststand, dass Sohou nach Italien abgeschoben werden soll, traten Gemeindemitglieder an diese Zeitung heran, um die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen. Zudem sammelten sie während eines Erntedank-Gottesdienstes Unterschriften und wandten sich an den niedersächsischen Flüchtlingsrat, um die Abschiebung des Ivorers zu verhindern.

Unterstützung von allen Seiten

Aber nicht nur die Wendthäger haben sich für Sohou eingesetzt, auch Politiker wurden aktiv. Die Gemeinde hatte sich sowohl an den Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU) als auch an den Landtagabgeordneten Karsten Becker gewandt. Der SPD-Politiker hatte schon bei der Unterschriftenaktion angekündigt, sich für den Flüchtling einsetzen zu wollen.

Beermann nahm Kontakt zum Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn, sowie zum Bundesministerium des Inneren und dem Präsidenten des BAMF, Hans-Eckhard Sommer, auf. Ebenfalls wurde der Innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Mathias Middelberg über die Geschichte von Abraham Sohou in Kenntnis gesetzt. Hinzu kommt, dass ein Gesandter der Italienischen Republik auf den Fall aufmerksam gemacht wurde, um auf diese Weise, um internationale Unterstützung zu bitten, sollte der Ivorer doch abgeschoben werden.

Plan B in der Tasche

Zeitgleich organisierte Becker ein Treffen zwischen Sohou, dem Innenminister des Landes Niedersachsen, Boris Pistorius, sowie der Landesbeauftragten für Migration, Doris Schröder-Köpf. Zusammen wandten sich die Landespolitiker ebenfalls mit einem Brief an den Präsidenten des BAMF, um erneut auf die gelungene Integration und die Ausbildung in einem Mangelberuf des Flüchtlings hinzuweisen.

Nach rund einem Monat intensiven Austausches zwischen Politikern, den ehrenamtlichen Unterstützern sowie des Präsidenten des BAMF erfolgte die positive Nachricht, dass der Selbsteintritt eingeleitet wurde. Bereits Anfang Oktober hatte sich der Flüchtlingsrat Niedersachsen zuvor für den Ivorer beim BAMF eingesetzt und den Selbsteintritt gefordert. Diese Forderung wurde jedoch abgelehnt.

Vor allem der Zeitdruck durch die drohende Abschiebung, die zu jedem Zeitpunkt hätte durchgeführt werden können, stand bei dem Einsatz der Politiker im Fokus. Die Kirchengemeinde hatten sich unterdessen bereits um einen Plan B gekümmert, sollten die Bemühungen zu keinem Ergebnis führen. Es wurde Kontakt mit einem italienischen Pastor aufgenommen, an den Sohou sich im Falle der Abschiebung in Italien hätte wenden können.

Umso größer war die Begeisterung, als feststand, dass der Flüchtling zunächst bleiben darf. „Ich freue mich außerordentlich, dass es alle Beteiligten in einer gemeinschaftlichen Aktion gelungen ist, Abraham Sohou die Chance auf ein neues Asylverfahren in Deutschland zu geben“, so Beermann. Insgesamt betonen aber alle die besonderen Gegebenheiten dieses Falles und dass es keine Selbstverständlichkeit sei, dass das BAMF den Selbsteintritt einleitete. isa