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Stadthagen Stadt 54-jähriger Stadthäger tyrannisiert Behörden
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt 54-jähriger Stadthäger tyrannisiert Behörden
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11:39 17.07.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Stadthagen/Hagenburg

Auf einer Internetseite geht er nahezu täglich seinen Verschwörungstheorien nach, die in Hagenburg ihren Anfang nehmen. Seit 2010 will der 54-jährige ehemalige Hagenburger von sämtlichen Behörden falsch behandelt worden sein. Außerdem seien diverse Morde im Bereich Sachsenhagen unaufgeklärt, zudem klagt er Fälle von Kindesmissbrauch und andere Betrugsdelikte an. Seine Opfer nennt der Ägypter im Internet namentlich, zeigt ihre Gesichter auf Fotos unverpixelt und beschimpft sie mit den übelsten Beleidigungen und Drohungen.  

Seine Ex-Freundin betitelt er beispielsweise als „Dorfschlampe“, Rechtsanwälte, Richter und Staatsanwälte, Bürgermeister, Gefängnismitarbeiter und Mediziner beleidigt er unter anderem als „Hurensohn“.

Amtsrichter Kai-Oliver Stumpe hatte im Prozess seinerzeit gesagt, dass der Mann anderen das Leben zur Hölle machen würde. In einer früheren Verhandlung hatte es Stumpe noch bei einer Bewährungsstrafe belassen. Der Anwalt, der vom 54-Jährigen immer wieder im Internet gemobbt wurde, wünschte sich im Prozess damals nur eines: „Es muss aufhören. Ich mache morgens meinen Laptop auf und sehe sein Gesicht.“ Der Jurist gab zu: „Ich habe Angst vor ihm.“

Richtern sind die Hände gebunden

Und genau gegen diesen Juristen und weitere Behördenmitarbeiter bis hoch ins Justizministerium geht es nun im Internet weiter. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, liegen erneut zahlreiche Anzeigen gegen den Stadthäger vor. Diese würden nun gesammelt und dann bearbeitet werden. Dann landet der Ägypter einmal mehr vor dem Amtsgericht.

Doch den Richtern sind die Hände gebunden, da es sich bei seinen schriftlichen Hasstiraden um niedrigschwellige Straftaten handelt. Gutachter, die den 54-Jährigen bislang untersucht haben, wiesen ihn nicht in eine Psychiatrie ein. Wobei Personen, die ihn kennen, über den 54-Jährigen unumwunden sagen, dass er einen psychischen „Schaden“ habe.

In seinem aktuellen Konstrukt spricht er auch die Niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza an. Er werde die Hunderte Taten aufklären. Er beendet das Schreiben mit den Worten: „Von A bis Z, keine Ausnahme. Koste es, was, was es wolle.“ Außerdem droht er den unterschiedlichen Adressaten: „Zieh dich warm an.“

Im Blick der Ausländerbehörde

Auch gegen die Schaumburger Nachrichten richtet sich seine Wut. Die Redaktion hätte alle Vorfälle, die er aufgedeckt habe, verschleiert. Dazu zeigt er ein Foto des Verlagsgebäudes.
Zu dem Ägypter will der Landkreis als Ausländerbehörde keine konkreten Angaben machen und verweist auf den Datenschutz. Sprecherin Anja Gewald sagt nur so viel: „Die Ausländerbehörde hat solche Fälle im Blick. Außerdem werden auch ausländerrechtliche Maßnahmen geprüft.“

Für die Polizei ist der 54-Jährige „seit vielen Jahren“ ein Bekannter. Ärgerlich für die Ermittler: die Vielzahl an Strafanzeigen und Vorgängen, die die Beamten binden. Doch auch ihnen sind mit Blick auf den arbeitslosen Ägypter die Hände gebunden.

vin